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Renten: Causa Russland bremst vorerst den Renditeanstieg aus
17.01.22 10:15
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den US-Staatsanleihemärkten setzte sich der Renditeanstieg der vergangenen Wochen trotz der rekordhohen Inflation von sieben Prozent nicht weiter fort, so die Experten von Union Investment.
Die Rendite von zehnjährigen US-Schatzanweisungen habe vielmehr seitwärts tendiert, was vor allem den Kommentaren der US-Notenbank FED zu verdanken gewesen sei. Die Währungshüter hätten die Marktteilnehmer bereits im Vorfeld auf eine weiterhin hohe Teuerungsrate vorbereitet. Zudem hätten sie erneut ihre Bereitschaft betont, sich dem Inflationsdruck entgegenzustellen. FED-Chef Jerome Powell habe dabei zur Wochenmitte bei einer Anhörung vor dem Senats-Bankenausschuss beteuert, die Teuerung bekämpfen zu wollen, ohne dabei die Konjunktur abzuwürgen.
Die explizite Betonung der Wirtschaft sei von den Marktteilnehmern mit Erleichterung aufgenommen worden. Angesichts der jüngsten Erwartungen von vier Zinserhöhungen in diesem Jahr schwingt die Sorge mit, dass wir vor einer Art Turbo-Zyklus stehen könnten, so die Experten von Union Investment. In diesem Szenario würden die kurzfristigen US-Zinsen schnell höher ausfallen als die langfristigen. Eine solch inverse Zinskurve habe bislang fast immer eine Rezession zur Folge gehabt. Die Aussage von Powell lasse daher auf ein gesundes Augenmaß hoffen. Damit sei aber auch einmal mehr klar geworden, vor welch großen Herausforderungen die US-Währungshüter derzeit stünden.
Im Euroraum habe sich der Aufwärtstrend ebenfalls nicht weiter fortgesetzt und es sei zu einer Art Konsolidierung gekommen. Wie auch in den USA seien die Marktteilnehmer sehr einseitig positioniert und hätten nahezu alle auf weiter steigende Renditen gesetzt. In solch einem Umfeld würden schon kleine Enttäuschungen bei eigentlich weniger wichtigen Konjunkturdaten ausreichen, um Gewinnmitnahmen auszulösen. Der Angriff auf die Null-Prozentmarke bei zehnjährigen Bundesanleihen sei damit zunächst gescheitert. In der Spitze habe die Rendite minus 0,02 Prozent betragen.
Für eine gewisse Unterstützung hätten auch die geopolitischen Spannungen mit Russland gesorgt. Diverse Gesprächsrunden auf den unterschiedlichsten politischen Ebenen hätten keine Lösung gebracht. Putin wünsche sich eine Zusicherung der NATO, dass diese die Ukraine nicht in ihr Bündnis aufnehmen würden. Dazu sei man jedoch auf Seiten der NATO nicht bereit gewesen. Unklar sei, wie nun die nächste Eskalationsstufe von beiden Seiten aussehen werde. Ein Angriff auf die Ukraine würde ein Ende der Gespräche bedeuten und wäre erst der letzte Schritt. Größere Marktimplikationen seien im Rohstoffsektor festzustellen gewesen. Die europäischen Gaspreise hätten in Abhängigkeit der Nachrichtenlage sehr volatil gehandelt. Darüber hinaus sei die Prämie für Ausfallversicherungen russischer Anleihen weiter angestiegen. Seit November habe sich der Wert inzwischen verdoppelt und sei somit Ausdruck einer steigenden Verunsicherung.
Zum Jahresstart sei es üblich, dass sowohl Staaten als auch Unternehmen neue Anleihen emittieren würden. Aktuell würden aber ungewöhnlich viele neue Papiere begeben. Die Ratio dahinter sei jedoch verständlich. Angesichts einer perspektivisch immer geringeren Unterstützung der Währungshüter aufgrund eines abnehmenden Ankaufvolumens und der Gefahr weiterhin leicht steigender Renditen, würden viele Emittenten ihre Platzierungen vorziehen. Bislang seien die Neuemissionen gut aufgenommen worden. Vielfach seien die neuen Anleihen sogar deutlich überzeichnet gewesen. Bei der Emission einer zehnjährigen spanischen Staatsanleihe über zehn Milliarden Euro habe sich das Zeichnungsvolumen im Orderbuch auf 63 Milliarden Euro belaufen.
Die Eigenkapitalausstattung der europäischen Banken sei in den letzten Jahren sukzessive angestiegen. Darüber hinaus habe sich die Kreditqualität stark verbessert. Somit befinde sich der europäische Bankensektor aktuell in einer guten Verfassung. Damit dies so bleibe, mahne die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wegen der steigenden Immobilienpreise nun zur Vorsicht. Banken sollten bei der Kreditvergabe vorsichtig agieren und sich mit zusätzlichen Rückstellungen gegen mögliche Ausfälle absichern. Allein im dritten Quartal 2021 seien die Hauspreise im Jahresvergleich um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Bankanleihen hätten hierauf gelassen reagiert.
In der kommenden Handelswoche stünden eine Vielzahl konjunktureller Daten zur Veröffentlichung an. Die Woche starte mit einigen Zahlen aus China, unter anderem zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Zur Mitte der Woche tage die Bank of Japan (BoJ). Außerdem würden die Experten vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Einschätzungen zur konjunkturellen Lage in Deutschland erwarten. Am Donnerstag liege der Fokus dann auf dem Protokoll der jüngsten EZB-Sitzung (Minutes). Beendet werde die dritte Woche des Jahres 2022 mit Einzelhandelsumsätzen aus dem Vereinigten Königreich (UK). (Ausgabe vom 14.01.2022) (17.01.2022/alc/a/a)
Die Rendite von zehnjährigen US-Schatzanweisungen habe vielmehr seitwärts tendiert, was vor allem den Kommentaren der US-Notenbank FED zu verdanken gewesen sei. Die Währungshüter hätten die Marktteilnehmer bereits im Vorfeld auf eine weiterhin hohe Teuerungsrate vorbereitet. Zudem hätten sie erneut ihre Bereitschaft betont, sich dem Inflationsdruck entgegenzustellen. FED-Chef Jerome Powell habe dabei zur Wochenmitte bei einer Anhörung vor dem Senats-Bankenausschuss beteuert, die Teuerung bekämpfen zu wollen, ohne dabei die Konjunktur abzuwürgen.
Die explizite Betonung der Wirtschaft sei von den Marktteilnehmern mit Erleichterung aufgenommen worden. Angesichts der jüngsten Erwartungen von vier Zinserhöhungen in diesem Jahr schwingt die Sorge mit, dass wir vor einer Art Turbo-Zyklus stehen könnten, so die Experten von Union Investment. In diesem Szenario würden die kurzfristigen US-Zinsen schnell höher ausfallen als die langfristigen. Eine solch inverse Zinskurve habe bislang fast immer eine Rezession zur Folge gehabt. Die Aussage von Powell lasse daher auf ein gesundes Augenmaß hoffen. Damit sei aber auch einmal mehr klar geworden, vor welch großen Herausforderungen die US-Währungshüter derzeit stünden.
Für eine gewisse Unterstützung hätten auch die geopolitischen Spannungen mit Russland gesorgt. Diverse Gesprächsrunden auf den unterschiedlichsten politischen Ebenen hätten keine Lösung gebracht. Putin wünsche sich eine Zusicherung der NATO, dass diese die Ukraine nicht in ihr Bündnis aufnehmen würden. Dazu sei man jedoch auf Seiten der NATO nicht bereit gewesen. Unklar sei, wie nun die nächste Eskalationsstufe von beiden Seiten aussehen werde. Ein Angriff auf die Ukraine würde ein Ende der Gespräche bedeuten und wäre erst der letzte Schritt. Größere Marktimplikationen seien im Rohstoffsektor festzustellen gewesen. Die europäischen Gaspreise hätten in Abhängigkeit der Nachrichtenlage sehr volatil gehandelt. Darüber hinaus sei die Prämie für Ausfallversicherungen russischer Anleihen weiter angestiegen. Seit November habe sich der Wert inzwischen verdoppelt und sei somit Ausdruck einer steigenden Verunsicherung.
Zum Jahresstart sei es üblich, dass sowohl Staaten als auch Unternehmen neue Anleihen emittieren würden. Aktuell würden aber ungewöhnlich viele neue Papiere begeben. Die Ratio dahinter sei jedoch verständlich. Angesichts einer perspektivisch immer geringeren Unterstützung der Währungshüter aufgrund eines abnehmenden Ankaufvolumens und der Gefahr weiterhin leicht steigender Renditen, würden viele Emittenten ihre Platzierungen vorziehen. Bislang seien die Neuemissionen gut aufgenommen worden. Vielfach seien die neuen Anleihen sogar deutlich überzeichnet gewesen. Bei der Emission einer zehnjährigen spanischen Staatsanleihe über zehn Milliarden Euro habe sich das Zeichnungsvolumen im Orderbuch auf 63 Milliarden Euro belaufen.
Die Eigenkapitalausstattung der europäischen Banken sei in den letzten Jahren sukzessive angestiegen. Darüber hinaus habe sich die Kreditqualität stark verbessert. Somit befinde sich der europäische Bankensektor aktuell in einer guten Verfassung. Damit dies so bleibe, mahne die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wegen der steigenden Immobilienpreise nun zur Vorsicht. Banken sollten bei der Kreditvergabe vorsichtig agieren und sich mit zusätzlichen Rückstellungen gegen mögliche Ausfälle absichern. Allein im dritten Quartal 2021 seien die Hauspreise im Jahresvergleich um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Bankanleihen hätten hierauf gelassen reagiert.
In der kommenden Handelswoche stünden eine Vielzahl konjunktureller Daten zur Veröffentlichung an. Die Woche starte mit einigen Zahlen aus China, unter anderem zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Zur Mitte der Woche tage die Bank of Japan (BoJ). Außerdem würden die Experten vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Einschätzungen zur konjunkturellen Lage in Deutschland erwarten. Am Donnerstag liege der Fokus dann auf dem Protokoll der jüngsten EZB-Sitzung (Minutes). Beendet werde die dritte Woche des Jahres 2022 mit Einzelhandelsumsätzen aus dem Vereinigten Königreich (UK). (Ausgabe vom 14.01.2022) (17.01.2022/alc/a/a)


