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Renten: Anstieg der Zinsen bietet Opportunitäten
03.02.17 11:47
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Johannes Flieckenschildt von der Weberbank stellt sich die Frage, wohin die Reise unter US-Präsident Donald Trump geht.
Die Antwort auf diese Frage könne an einem wichtigen amerikanischen Aktienindex veranschaulicht werden. Der Dow Jones habe Anfang letzter Woche die psychologisch wichtige Marke von 20.000 Punkten geknackt. Die positive Entwicklung des Index seit der US-Wahl hänge vor allem mit den Ankündigungen Trumps zusammen, den Binnenmarkt zu stärken. Die Pläne würden von Abbau der Bürokratie über Infrastrukturprogramme bis hin zu einer umfassenden Steuerreform reichen. Das werde von den Investoren positiv aufgenommen.
An dieser Stelle aber die Beantwortung der Eingangsfrage zu stoppen, wäre zu kurz gegriffen. Denn Anfang dieser Woche seien alle Reiter der "Trump-Welle" erneut auf die Risiken aufmerksam gemacht worden - der Dow Jones sei wieder unter die 20.000er Marke abgetaucht. Grund sei eine Anordnung des US-Präsidenten gewesen, die Einreise bestimmter ausländischer Staatsbürger zu beschränken. Das habe den Fokus der Märkte wieder auf den Teil der Wahlversprechen Trumps gelenkt, die nicht zu den wirtschaftsfreundlichen zählen würden. Dazu würden beispielsweise die angekündigten protektionistischen Maßnahmen gehören, die u.a. große US-Konzerne, die ihr Geld mit Importen in die USA verdienen würden, treffen würden.
Daneben wäre aber auch China betroffen, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, deren Exportanteil in die USA knapp 30% ausmache - ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für das Schwellenland. Denn dort habe sich das Wachstum seit der globalen Finanzkrise stetig verlangsamt und sich mittlerweile zwischen 6 und 7 Prozent eingependelt. Dieses Niveau sei zwar für westliche Maßstäbe hoch, habe aber nur durch massiv angestiegene Schuldenniveaus gehalten werden können. Vor diesem Hintergrund würde ein Handelskrieg mit den USA der "gehebelten" chinesischen Wirtschaft deutlichen Schaden zufügen und dadurch auch dem weltwirtschaftlichen Wachstum einen Schuss vor den Bug geben.
Für ihre Portfolioaufstellung leiten die Analysten der Weberbank daraus aktuell eine konservative Gewichtung der Schwellenländeraktien und ein Übergewicht für US-Aktien ab. Denn das Trump'sche "America First"-Prinzip sollte zunächst vor allem US-Unternehmen nutzen. Diese Positionierung werde zusätzlich durch gute Gewinnentwicklung und steigende Margen der US-Unternehmen interessant. Innerhalb der Vielzahl von US-Unternehmen favorisieren die Analysten der Weberbank vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen, da diese häufig auf den Binnenmarkt fokussiert sind und sich mehr noch als die multinationalen Konzerne über Steuerentlastungen freuen könnten. Außerdem würden die Analysten erwarten, dass der US-Mittelstand auch der Empfänger eines Großteils der Staatsaufträge für Infrastrukturprojekte sein könnte.
Aus Sicht eines deutschen Investors komme noch die positive Aussicht für den US-Dollar hinzu, der maßgeblich von den steigenden US-Zinsen abhänge. Hier erwarten die Analysten der Weberbank, dass die Amerikanische Zentralbank FED in diesem Jahr weiter an der Zinsschraube drehen wird. Konkret würden die Analysten zwei bis vier Leitzinserhöhungen für realistisch halten. Nichtsdestotrotz würden sie aufgrund der oben genannten Risiken aufmerksam für jenen Punkt bleiben, an dem die negativen Folgen der protektionistischen Maßnahmen die positiven Folgen der fiskalischen Stimuli übersteigen würden. Für die Analysten wäre dies das entscheidende Signal, um das Übergewicht in den USA wieder zurückzufahren.
Mit Blick auf die Rentenmärkte in Übersee und in Europa könne man sich der "Trump-Welle" gleichermaßen nicht entziehen. Positive Konjunkturerwartungen hätten die Inflationserwartungen in den USA, und, wenn auch schwächer, in Europa anziehen lassen. Die tatsächliche Inflation sei bereits hinterhergezogen. Sei das ein Paradigmenwechsel hin zu langfristig höherer Inflation und damit zu höheren Zinsniveaus? Aus Sicht der Analysten der Weberbank ist das zumindest für Europa grundsätzlich noch nicht der Fall, denn bei dem Inflationsanstieg lässt sich vieles auf die steigenden Energiepreise zurückführen.
Dieser Sondereffekt sollte in den nächsten Monaten nachlassen und dadurch die Inflation in der Eurozone wieder sinken lassen. Das bedeute aber auch, dass die aktuell gestiegenen Zinsen Chancen zum Einstieg in den Rentenmarkt bergen könnten. Denn wenn die Zinsen in Europa mit abnehmender Inflation im Verlauf der nächsten Monate wieder auf moderatere Niveaus zurückkämen, sollten die Anleihekurse wieder an Fahrt gewinnen.
Die Europäische Zentralbank EZB mache jedenfalls derzeit keine Anstalten ihr Paradigma einer lockeren Geldpolitik in naher Zukunft zu überdenken und stütze dadurch ebenfalls die Kurse der Rentenpapiere. Auch wenn Donald Trump derzeit viel Einfluss auf die Märkte ausübe, die EZB werde er von diesem expansiven Kurs so schnell nicht abbringen, selbst wenn sein Wirtschaftsberater Peter Navarro jüngst die künstliche Stärke des Euro moniert habe. (03.02.2017/alc/a/a)
Die Antwort auf diese Frage könne an einem wichtigen amerikanischen Aktienindex veranschaulicht werden. Der Dow Jones habe Anfang letzter Woche die psychologisch wichtige Marke von 20.000 Punkten geknackt. Die positive Entwicklung des Index seit der US-Wahl hänge vor allem mit den Ankündigungen Trumps zusammen, den Binnenmarkt zu stärken. Die Pläne würden von Abbau der Bürokratie über Infrastrukturprogramme bis hin zu einer umfassenden Steuerreform reichen. Das werde von den Investoren positiv aufgenommen.
An dieser Stelle aber die Beantwortung der Eingangsfrage zu stoppen, wäre zu kurz gegriffen. Denn Anfang dieser Woche seien alle Reiter der "Trump-Welle" erneut auf die Risiken aufmerksam gemacht worden - der Dow Jones sei wieder unter die 20.000er Marke abgetaucht. Grund sei eine Anordnung des US-Präsidenten gewesen, die Einreise bestimmter ausländischer Staatsbürger zu beschränken. Das habe den Fokus der Märkte wieder auf den Teil der Wahlversprechen Trumps gelenkt, die nicht zu den wirtschaftsfreundlichen zählen würden. Dazu würden beispielsweise die angekündigten protektionistischen Maßnahmen gehören, die u.a. große US-Konzerne, die ihr Geld mit Importen in die USA verdienen würden, treffen würden.
Daneben wäre aber auch China betroffen, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, deren Exportanteil in die USA knapp 30% ausmache - ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für das Schwellenland. Denn dort habe sich das Wachstum seit der globalen Finanzkrise stetig verlangsamt und sich mittlerweile zwischen 6 und 7 Prozent eingependelt. Dieses Niveau sei zwar für westliche Maßstäbe hoch, habe aber nur durch massiv angestiegene Schuldenniveaus gehalten werden können. Vor diesem Hintergrund würde ein Handelskrieg mit den USA der "gehebelten" chinesischen Wirtschaft deutlichen Schaden zufügen und dadurch auch dem weltwirtschaftlichen Wachstum einen Schuss vor den Bug geben.
Aus Sicht eines deutschen Investors komme noch die positive Aussicht für den US-Dollar hinzu, der maßgeblich von den steigenden US-Zinsen abhänge. Hier erwarten die Analysten der Weberbank, dass die Amerikanische Zentralbank FED in diesem Jahr weiter an der Zinsschraube drehen wird. Konkret würden die Analysten zwei bis vier Leitzinserhöhungen für realistisch halten. Nichtsdestotrotz würden sie aufgrund der oben genannten Risiken aufmerksam für jenen Punkt bleiben, an dem die negativen Folgen der protektionistischen Maßnahmen die positiven Folgen der fiskalischen Stimuli übersteigen würden. Für die Analysten wäre dies das entscheidende Signal, um das Übergewicht in den USA wieder zurückzufahren.
Mit Blick auf die Rentenmärkte in Übersee und in Europa könne man sich der "Trump-Welle" gleichermaßen nicht entziehen. Positive Konjunkturerwartungen hätten die Inflationserwartungen in den USA, und, wenn auch schwächer, in Europa anziehen lassen. Die tatsächliche Inflation sei bereits hinterhergezogen. Sei das ein Paradigmenwechsel hin zu langfristig höherer Inflation und damit zu höheren Zinsniveaus? Aus Sicht der Analysten der Weberbank ist das zumindest für Europa grundsätzlich noch nicht der Fall, denn bei dem Inflationsanstieg lässt sich vieles auf die steigenden Energiepreise zurückführen.
Dieser Sondereffekt sollte in den nächsten Monaten nachlassen und dadurch die Inflation in der Eurozone wieder sinken lassen. Das bedeute aber auch, dass die aktuell gestiegenen Zinsen Chancen zum Einstieg in den Rentenmarkt bergen könnten. Denn wenn die Zinsen in Europa mit abnehmender Inflation im Verlauf der nächsten Monate wieder auf moderatere Niveaus zurückkämen, sollten die Anleihekurse wieder an Fahrt gewinnen.
Die Europäische Zentralbank EZB mache jedenfalls derzeit keine Anstalten ihr Paradigma einer lockeren Geldpolitik in naher Zukunft zu überdenken und stütze dadurch ebenfalls die Kurse der Rentenpapiere. Auch wenn Donald Trump derzeit viel Einfluss auf die Märkte ausübe, die EZB werde er von diesem expansiven Kurs so schnell nicht abbringen, selbst wenn sein Wirtschaftsberater Peter Navarro jüngst die künstliche Stärke des Euro moniert habe. (03.02.2017/alc/a/a)


