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Renten: Anstieg der Risikoaufschläge in Europa
20.02.17 09:15
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Jeden Tag eine "gute" Tat! - so scheint das Motto des neuen US-Präsidenten, Donald Trump, zu sein, so Daniel Schär, CFA bei der Weberbank.
Wem gehe es auch so, dass er bei der morgendlichen Lektüre der Tageszeitung oder beim Hören der Nachrichten während der Fahrt ins Büro schon gespannt auf den Moment warte, in dem neue unkonventionelle Maßnahmen des umtriebigen Präsidenten verkündet würden? Man dürfe gespannt sein, wie lange sich dieses Momentum durchhalten lasse. Mit Blick auf die Finanzmarktpolitik könne eine deutlich andere Prägung als in den letzten Jahren erwartet werden.
Der neue US-Finanzminister und ehemalige Goldman Sachs-Banker, Steven Mnuchin, habe starkes Interesse, die Zügel für die Finanzindustrie deutlich zu lockern. So werde der so genannte Dodd-Frank-Act, der als Folge der Finanzkrise im Jahr 2010 verabschiedet worden sei und den Spielraum der Banken stark begrenzt habe, infrage gestellt. Der damals für die Verschärfung der Regularien federführende Vertreter der US-Notenbank habe bereits seinen Rücktritt angekündigt. Damit verschaffe er Donald Trump die Möglichkeit, auch im Gremium der wichtigsten Zentralbank der Welt seinen Einfluss durch personelle Neubesetzungen stärker geltend zu machen. An den Kapitalmärkten sorge der stetige Strom an Entscheidungen für ein Wechselbad der Gefühle, der grundsätzliche Trend der Märkte sei allerdings positiv.
Auch in Europa spiele die Politik derzeit die erste Geige. Der Überraschungscoup der SPD lasse plötzlich einen sozialdemokratischen deutschen Kanzler Martin Schulz möglich werden. Dass lasse auch mögliche politische Konstellationen in Europa in einem anderen Licht erscheinen.
Die anstehenden Wahlen in den Niederlanden und Frankreich, aber auch der unklare Kurs der Euroländer über den weiteren Umgang mit den griechischen Staatsschulden hätten die Risikoaufschläge europäischer Staatsanleihen ansteigen lassen. Vor allem Portugal und Italien hätten Aufschläge bei der Rendite hinnehmen müssen. Die Inflationsrate im Euroraum steigt, wie von den Analysten der Weberbank erwartet, weiter an und könnte die Renditen weiter steigen lassen. Haupttreiber seien nach wie vor die gestiegenen Rohstoffpreise. Der Effekt sollte in den kommenden Monaten jedoch langsam auslaufen und in der zweiten Jahreshälfte für Entspannung sorgen.
Deutsche Staatsanleihen, die für eine Vielzahl der Investoren als Stabilitätsanker im Portfolio fungieren würden, hätten von den Unsicherheiten bezüglich der anstehenden Wahlen in Europa profitierten. Die Analysten der Weberbank präferieren weiter eine defensive Positionierung mit kurzlaufenden Unternehmensanleihen ergänzt um Schwellenländer- und Wandelanleihen.
Die Aktienmärkte hätten ihren positiven Jahresstart fortgesetzt. Zur Überraschung der meisten Investoren würden sich die Schwellenländer am dynamischsten zeigen. Das sei vor allem mit Blick auf die im Jahresverlauf anstehenden US-Zinserhöhungen und die damit einhergehend erwartete weitere Aufwertung des US-Dollar ungewöhnlich. Historisch hätten in einem solchen Umfeld die aufstrebenden Volkswirtschaften, speziell die mit einem Haushalts- und einem Leistungsbilanzdefizit, zur Schwäche tendiert. Derzeit werde dieser Zusammenhang verdrängt und im Vordergrund stehe die Erholung der Rohstoffpreise, die für viele Länder zu wichtigen Säulen der Wirtschaft gehören würden.
Neben den Schwellenländern hätten auch US-Aktien eine dynamische Entwicklung ausgewiesen. Die Berichterstattung zum vierten Quartal 2016 neige sich dort langsam dem Ende entgegen und die Mehrzahl der Unternehmen habe positiv überraschen können. Vor allem Titel aus den Branchen Technologie, Finanzen und Gesundheit hätten sehr gute Ergebnisse berichtet. Unterstützung habe der Aktienmarkt auch von der Seite des US-Präsidenten erhalten, der umfangreiche Änderungen des Steuersystems in Aussicht gestellt habe. Noch mangele es jedoch an Details, um mögliche Auswirkungen auf Unternehmensebene abschätzen zu können.
Europäische Aktienunternehmen würden in der Berichtssaison zeitlich etwas hinterherhinken. Dafür seien die bisherigen Ergebnisse sehr Hoffnung stiftend. Nach einem langen Zeitraum mit rückläufigen Gewinnen sei nun eine deutlich positive Tendenz festzustellen. Bei gleichzeitig moderaten Bewertungskennzahlen würden somit europäische Aktien langsam wieder in den Blickwinkel der Investoren rücken. Speziell im Vergleich zu US-Aktien bestehe Nachholbedarf. Fraglich sei jedoch, wie sich die Unsicherheit über den Ausgang der europäischen Wahlen in der Stimmung der Anleger niederschlage. Die Analysten der Weberbank bleiben vorerst in US-Aktien übergewichtet und aufgrund der lauernden politischen Unwägbarkeiten in europäischen Aktien untergewichtet.
Der US-Dollar habe sich in den vergangenen Wochen als Spiegelbild der Politik der neuen US-Regierung präsentiert. Die überraschenden Einreisebeschränkungen hätten belastet, die versöhnlichen Gespräche mit Japan, Kanada und China hätten entlastet. Der positive US-Zinstrend sollte nach Meinung der Analysten der Weberbank den US-Dollar mittelfristig unterstützen. (Ausgabe vom 17.02.2017) (20.02.2017/alc/a/a)
Wem gehe es auch so, dass er bei der morgendlichen Lektüre der Tageszeitung oder beim Hören der Nachrichten während der Fahrt ins Büro schon gespannt auf den Moment warte, in dem neue unkonventionelle Maßnahmen des umtriebigen Präsidenten verkündet würden? Man dürfe gespannt sein, wie lange sich dieses Momentum durchhalten lasse. Mit Blick auf die Finanzmarktpolitik könne eine deutlich andere Prägung als in den letzten Jahren erwartet werden.
Der neue US-Finanzminister und ehemalige Goldman Sachs-Banker, Steven Mnuchin, habe starkes Interesse, die Zügel für die Finanzindustrie deutlich zu lockern. So werde der so genannte Dodd-Frank-Act, der als Folge der Finanzkrise im Jahr 2010 verabschiedet worden sei und den Spielraum der Banken stark begrenzt habe, infrage gestellt. Der damals für die Verschärfung der Regularien federführende Vertreter der US-Notenbank habe bereits seinen Rücktritt angekündigt. Damit verschaffe er Donald Trump die Möglichkeit, auch im Gremium der wichtigsten Zentralbank der Welt seinen Einfluss durch personelle Neubesetzungen stärker geltend zu machen. An den Kapitalmärkten sorge der stetige Strom an Entscheidungen für ein Wechselbad der Gefühle, der grundsätzliche Trend der Märkte sei allerdings positiv.
Auch in Europa spiele die Politik derzeit die erste Geige. Der Überraschungscoup der SPD lasse plötzlich einen sozialdemokratischen deutschen Kanzler Martin Schulz möglich werden. Dass lasse auch mögliche politische Konstellationen in Europa in einem anderen Licht erscheinen.
Deutsche Staatsanleihen, die für eine Vielzahl der Investoren als Stabilitätsanker im Portfolio fungieren würden, hätten von den Unsicherheiten bezüglich der anstehenden Wahlen in Europa profitierten. Die Analysten der Weberbank präferieren weiter eine defensive Positionierung mit kurzlaufenden Unternehmensanleihen ergänzt um Schwellenländer- und Wandelanleihen.
Die Aktienmärkte hätten ihren positiven Jahresstart fortgesetzt. Zur Überraschung der meisten Investoren würden sich die Schwellenländer am dynamischsten zeigen. Das sei vor allem mit Blick auf die im Jahresverlauf anstehenden US-Zinserhöhungen und die damit einhergehend erwartete weitere Aufwertung des US-Dollar ungewöhnlich. Historisch hätten in einem solchen Umfeld die aufstrebenden Volkswirtschaften, speziell die mit einem Haushalts- und einem Leistungsbilanzdefizit, zur Schwäche tendiert. Derzeit werde dieser Zusammenhang verdrängt und im Vordergrund stehe die Erholung der Rohstoffpreise, die für viele Länder zu wichtigen Säulen der Wirtschaft gehören würden.
Neben den Schwellenländern hätten auch US-Aktien eine dynamische Entwicklung ausgewiesen. Die Berichterstattung zum vierten Quartal 2016 neige sich dort langsam dem Ende entgegen und die Mehrzahl der Unternehmen habe positiv überraschen können. Vor allem Titel aus den Branchen Technologie, Finanzen und Gesundheit hätten sehr gute Ergebnisse berichtet. Unterstützung habe der Aktienmarkt auch von der Seite des US-Präsidenten erhalten, der umfangreiche Änderungen des Steuersystems in Aussicht gestellt habe. Noch mangele es jedoch an Details, um mögliche Auswirkungen auf Unternehmensebene abschätzen zu können.
Europäische Aktienunternehmen würden in der Berichtssaison zeitlich etwas hinterherhinken. Dafür seien die bisherigen Ergebnisse sehr Hoffnung stiftend. Nach einem langen Zeitraum mit rückläufigen Gewinnen sei nun eine deutlich positive Tendenz festzustellen. Bei gleichzeitig moderaten Bewertungskennzahlen würden somit europäische Aktien langsam wieder in den Blickwinkel der Investoren rücken. Speziell im Vergleich zu US-Aktien bestehe Nachholbedarf. Fraglich sei jedoch, wie sich die Unsicherheit über den Ausgang der europäischen Wahlen in der Stimmung der Anleger niederschlage. Die Analysten der Weberbank bleiben vorerst in US-Aktien übergewichtet und aufgrund der lauernden politischen Unwägbarkeiten in europäischen Aktien untergewichtet.
Der US-Dollar habe sich in den vergangenen Wochen als Spiegelbild der Politik der neuen US-Regierung präsentiert. Die überraschenden Einreisebeschränkungen hätten belastet, die versöhnlichen Gespräche mit Japan, Kanada und China hätten entlastet. Der positive US-Zinstrend sollte nach Meinung der Analysten der Weberbank den US-Dollar mittelfristig unterstützen. (Ausgabe vom 17.02.2017) (20.02.2017/alc/a/a)


