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Renditen von Bundesanleihen spürbar gestiegen
03.07.12 16:16
Alte Leipziger Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die deutsche Wirtschaft gerät immer mehr in den Sog der Schuldenkrise, so die Experten der Alte Leipziger Trust.
Sowohl der ZEW-Index als auch das ifo-Geschäftsklima würden signalisieren, dass die Finanzanalysten bzw. Unternehmer die nächsten Monate pessimistisch sehen würden. Die Daten zum Auftragseingang (-1,9% gegenüber dem Vorjahr) und zur Industrieproduktion (-2,2% gegenüber dem Vorjahr) aus dem April würden zeigen, dass die deutsche Wirtschaft schwach in das zweite Quartal gestartet sei.
Nachdem die Aufträge aus der Eurozone schon längere Zeit sinken würden, seien diesmal auch deutlich weniger Bestellungen aus Ländern außerhalb der Währungsunion eingegangen. Mittlerweile verliere auch der Arbeitsmarkt an Schwung, die Arbeitslosigkeit sei zwar nach wie vor auf dem niedrigsten Stand seit 21 Jahren, saisonbereinigt sei die Zahl der Arbeitslosen aber in den letzten drei Monaten wieder gestiegen.
In der Eurozone indes könne sich die Stimmung derzeit kaum noch weiter verschlechtern, die Einkaufsmanagerindices würden jetzt schon seit drei Monaten im rezessiven Bereich notieren. Die anhaltenden Spekulationen über einen Zerfall der Eurozone würden ein Aufhellen der Stimmung in den nächsten Monaten sehr unwahrscheinlich machen. Die Inflation im Euroraum liege weiter bei 2,4%.
Bei den erneuten Wahlen in Griechenland habe die konservative Nea Demokratia die meisten Stimmen erhalten, das Syriza Bündnis sei zweitstärkste Kraft geworden. Eine Koalition aus Konservativen, Sozialisten und der Demokratischen Linken werde das Land zukünftig regieren. Die Erleichterung über den Wahlausgang sei allerdings nur von kurzer Dauer gewesen. Die Koalition habe zwar den Verbleib Griechenlands in der Eurozone als Ziel ausgegeben, eine Aufweichung der Sparauflagen für Griechenland gehöre aber ebenfalls zu den Zielen.
Die spanische Regierung habe mittlerweile offiziell Finanzhilfen für den angeschlagenen Bankensektor beantragt. Über die Höhe und die Bedingungen der Hilfsgelder bestehe allerdings immer noch Unklarheit, diskutiert würden Hilfszahlungen von bis zu 100 Mrd. Euro.
Auch Zypern habe sich in der Zwischenzeit ebenfalls mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an seine EU-Partner gewandt. Der Inselstaat sei damit das fünfte Mitgliedsland der Eurozone, das unter den Rettungsschirm flüchte. Des Weiteren stehe noch nicht fest, ob der EFSF oder der ESM die neu zugesagten Hilfszahlungen leisten werde. Der ESM sei momentan noch nicht einsatzbereit.
Da das deutsche Verfassungsgericht mit einer Klage gegen die Einrichtung des dauerhaften Rettungsschirms ESM verhandeln müsse, habe es Bundespräsident Gauck gebeten, das entsprechende Gesetz erst nach der Prüfung durch das Verfassungsgericht zu unterschreiben. Somit habe der ESM nicht, wie zunächst geplant am 1. Juli seine Geschäfte aufnehmen können.
Beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel hätten Italien und Spanien scheinbar die besseren Karten gehabt und hätten eine weitere Aufweichung der "No-Bail Out"-Klausel des Maastricht-Vertrags erreichen können: Der Zugriff auf die Rettungstöpfe werde erleichtert. Angeschlagene Banken könnten Gelder direkt aus dem ESM erhalten. Da auch das Thema Eurobonds nicht explizit vom Tisch gewischt worden sei - der italienische Präsident sehe durch die jüngsten Beschlüsse sogar eine Basis hierfür geschaffen - stelle sich aus Anlegersicht erneut die Frage eines sich allmählich verändernden Risikoprofils deutscher Staatsanleihen.
Die 10-jährige Bundrendite habe, nachdem sie zum Monatsanfang ein neues Allzeittief bei 1,13% erreicht habe, deutlich auf 1,58% zugelegt. Insbesondere die Sorge, dass Deutschland sich bei der Rettung der Eurozone übernehme, habe zu dem Renditeanstieg geführt. Diese Sorge sei allerdings nicht neu und habe auch im letzten Jahr schon einmal zu einem plötzlichen Renditeanstieg bei den Bunds geführt.
Solange die Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone bestehe, werde der Bund weiterhin als sicherer Hafen gesehen. Ein weiterer deutlicher Renditeanstieg sei damit nicht zu erwarten. In den USA habe sich die Rendite 10-jährigen Treasuries im letzten Monat seitwärts bewegt. Auch hier dürfte die hohe Unsicherheit einen deutlichen Renditeanstieg verhindern. (Ausgabe Juli 2012) (03.07.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Sowohl der ZEW-Index als auch das ifo-Geschäftsklima würden signalisieren, dass die Finanzanalysten bzw. Unternehmer die nächsten Monate pessimistisch sehen würden. Die Daten zum Auftragseingang (-1,9% gegenüber dem Vorjahr) und zur Industrieproduktion (-2,2% gegenüber dem Vorjahr) aus dem April würden zeigen, dass die deutsche Wirtschaft schwach in das zweite Quartal gestartet sei.
Nachdem die Aufträge aus der Eurozone schon längere Zeit sinken würden, seien diesmal auch deutlich weniger Bestellungen aus Ländern außerhalb der Währungsunion eingegangen. Mittlerweile verliere auch der Arbeitsmarkt an Schwung, die Arbeitslosigkeit sei zwar nach wie vor auf dem niedrigsten Stand seit 21 Jahren, saisonbereinigt sei die Zahl der Arbeitslosen aber in den letzten drei Monaten wieder gestiegen.
In der Eurozone indes könne sich die Stimmung derzeit kaum noch weiter verschlechtern, die Einkaufsmanagerindices würden jetzt schon seit drei Monaten im rezessiven Bereich notieren. Die anhaltenden Spekulationen über einen Zerfall der Eurozone würden ein Aufhellen der Stimmung in den nächsten Monaten sehr unwahrscheinlich machen. Die Inflation im Euroraum liege weiter bei 2,4%.
Bei den erneuten Wahlen in Griechenland habe die konservative Nea Demokratia die meisten Stimmen erhalten, das Syriza Bündnis sei zweitstärkste Kraft geworden. Eine Koalition aus Konservativen, Sozialisten und der Demokratischen Linken werde das Land zukünftig regieren. Die Erleichterung über den Wahlausgang sei allerdings nur von kurzer Dauer gewesen. Die Koalition habe zwar den Verbleib Griechenlands in der Eurozone als Ziel ausgegeben, eine Aufweichung der Sparauflagen für Griechenland gehöre aber ebenfalls zu den Zielen.
Auch Zypern habe sich in der Zwischenzeit ebenfalls mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an seine EU-Partner gewandt. Der Inselstaat sei damit das fünfte Mitgliedsland der Eurozone, das unter den Rettungsschirm flüchte. Des Weiteren stehe noch nicht fest, ob der EFSF oder der ESM die neu zugesagten Hilfszahlungen leisten werde. Der ESM sei momentan noch nicht einsatzbereit.
Da das deutsche Verfassungsgericht mit einer Klage gegen die Einrichtung des dauerhaften Rettungsschirms ESM verhandeln müsse, habe es Bundespräsident Gauck gebeten, das entsprechende Gesetz erst nach der Prüfung durch das Verfassungsgericht zu unterschreiben. Somit habe der ESM nicht, wie zunächst geplant am 1. Juli seine Geschäfte aufnehmen können.
Beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel hätten Italien und Spanien scheinbar die besseren Karten gehabt und hätten eine weitere Aufweichung der "No-Bail Out"-Klausel des Maastricht-Vertrags erreichen können: Der Zugriff auf die Rettungstöpfe werde erleichtert. Angeschlagene Banken könnten Gelder direkt aus dem ESM erhalten. Da auch das Thema Eurobonds nicht explizit vom Tisch gewischt worden sei - der italienische Präsident sehe durch die jüngsten Beschlüsse sogar eine Basis hierfür geschaffen - stelle sich aus Anlegersicht erneut die Frage eines sich allmählich verändernden Risikoprofils deutscher Staatsanleihen.
Die 10-jährige Bundrendite habe, nachdem sie zum Monatsanfang ein neues Allzeittief bei 1,13% erreicht habe, deutlich auf 1,58% zugelegt. Insbesondere die Sorge, dass Deutschland sich bei der Rettung der Eurozone übernehme, habe zu dem Renditeanstieg geführt. Diese Sorge sei allerdings nicht neu und habe auch im letzten Jahr schon einmal zu einem plötzlichen Renditeanstieg bei den Bunds geführt.
Solange die Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone bestehe, werde der Bund weiterhin als sicherer Hafen gesehen. Ein weiterer deutlicher Renditeanstieg sei damit nicht zu erwarten. In den USA habe sich die Rendite 10-jährigen Treasuries im letzten Monat seitwärts bewegt. Auch hier dürfte die hohe Unsicherheit einen deutlichen Renditeanstieg verhindern. (Ausgabe Juli 2012) (03.07.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.


