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Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen stiegen um 75 Prozent
06.09.13 15:20
GECAM
Wangen (www.anleihencheck.de) - Seit der Rede von US-Zentralbank Chef Ben Bernanke am 22. Mai geht die Angst um, die Anleihenkäufe könnten zurückgefahren werden, so die Experten von GECAM.
Starke Verwerfungen an den Finanzmärkten seien die Folge gewesen: Die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen seien um 75 Prozent (von 1,67 auf 2,91 Prozent) gestiegen, die Renditen von deutschen 10-jährigen Bundesanleihen um 71 Prozent (von 1,15 auf 1,97 Prozent). Die großen Aktienindices wie der Dow Jones seien dadurch in den Korrekturmodus geschickt worden (minus 5,7 Prozent).
Am stärksten betroffen seien jedoch Anleihen, Aktien und Währungen der Schwellenländer gewesen. Anleihen dieser Länder würden besonders sensibel auf ein mögliches Ende des quantitativen Lockerungsprogramms reagieren, weil die Spreads bei Anleihen in Fremd- und Landeswährung sehr gering seien und die Währungen schnell an Wert gegenüber einem erstarkten Dollar verlieren würden. Aber dieser Effekt sei auch gegenüber dem Euroraum zu verzeichnen gewesen.
Der Brasilianische Real habe zum Euro in der Spitze rund 21 Prozent verloren, die Indische Rupie und die Türkische Lira 18 Prozent, aber auch aus dem Australischen Dollar seien Gelder in den Dollar- und Euroraum zurückgeflossen, was einen Kursverlust von 21 Prozent zur Folge gehabt habe. Verluste aus fallenden Anleihen- und Aktienkursen müssten zu den Währungsverlusten noch dazugezählt werden. Insgesamt also eine wahrlich schwarze Phase für Investments in diesen Ländern!
Seien die Ängste vor dem sogenannten "Tapering" (Reduzierung des Anleihekaufprogramms) gerechtfertigt? Natürlich würden dadurch Refinanzierungen für Unternehmen und Privathaushalte teuerer und Alternativanlagen zu Aktien wieder attraktiver. Aber es gebe auch viele positive Effekte.
Erstens finde eine Reduktion nur statt, wenn sich die Konjunktur signifikant weiter verbessere. Das heiße im Umkehrschluss, es gebe mehr Arbeitsplätze, mehr Konsum, mehr Investitionen und höhere Gewinne für Unternehmen, was gut für Aktien wäre.
Zweitens werde weiterhin mehr Liquidität zur Verfügung gestellt und nicht von den Notenbanken eingesammelt. Es gehe lediglich um die Zuwachsrate des Gelddruckens. Die US-Zentralbank drucke monatlich 85 Mrd. Dollar, die es zu reduzieren gelte. Aber auch die japanische Notenbank pumpe seit dem Frühjahr 60 Mrd. Dollar monatlich in die Märkte. Das bedeutet, wir führen eine Debatte über eine Verringerung des Aufbaus von Überschussliquidität, während erst vor wenigen Monaten ein Aufbau um satte 70 Prozent auf rd. 145 Mrd. Dollar stattgefunden hat, so die Experten von GECAM.
Drittens hätten Unternehmen die günstigen Zinsen in den vergangenen Jahren vorwiegend dazu verwendet, Schuldenabbau zu betreiben, Reserven für die Zukunft anzulegen oder Aktienrückkäufe zu tätigen. Würden nun steigende Zinsen mit einer Wirtschaftserholung einhergehen, würden Unternehmen gezwungen, Investitionen zu tätigen und geliehenes Geld gewinnbringender für unternehmerische Aktivitäten wie Erweiterungsinvestitionen oder Zukäufe zu verwenden.
Viertens verlaufe die Konjunkturerholung in Amerika und Europa vor allem deshalb sehr schleppend, weil die Kreditvergabe-/Nachfrage bei Banken nur sehr zäh vonstatten gehe, bzw. immer weiter falle. Durch anziehende Renditen am langen Ende der Renditekurve und einem anhaltend weiter extrem niedrigen Zins für kurzfristiges Geld (USA 0 Prozent, Europa 0,5 Prozent), versteilere sich die Renditestrukturkurve.
Ein Hauptgeschäftsfeld für Banken sei die Fristentransformation, das heiße Geld kurzfristig hereinzunehmen und langfristig auszuleihen. Durch niedrige Kurzfristzinsen und anziehende Langfristzinsen werde dieses Geschäftsmodell wieder attraktiv und stärke die Kreditvergabebereitschaft. Ein Zurückfahren der Anleihekäufe durch die Zentralbank wäre also unter diesem Aspekt - trotz steigender Zinsen - gut.
Ganz aktuell bekomme man den Eindruck, die Finanzmärkte würden in erster Linie durch die Entwicklungen in Syrien bestimmt werden. Dies möge kurzfristig die Stimmung eintrüben, doch nachhaltig würden die Experten weder Auswirkungen auf den Ölpreis noch sonstige ökonomische Friktionen erwarten. Es gehe hier um die Gesichtswahrung eines Mannes - Barack Obama - der "rote Linien" gezogen habe, die er nun zu verteidigen habe. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich das Thema relativ bald erledigen werde, ob mit Rückzug aus der Angriffsabsicht durch Vorschieben der Parlamente oder durch einen kurzen Rechtfertigungsschlag, um das Gesicht zu wahren.
Es bleibe die Bundestagswahl als politische Unsicherheit. In der Tat hätten die Experten auf dieses Risiko, vor allem für deutsche Aktien in der Vergangenheit hingewiesen. Da über zwei Drittel des deutschen Aktienindex DAX von ausländischen Investoren gehalten würden, würden diese auch recht sensibel und sehr rational auf Veränderungen in der politischen Landschaft reagieren.
Die Experten würden davon ausgehen, dass, wenn eine bürgerliche Regierung weiter Bestand haben sollte, neue historische Hochs im DAX schnell erreicht würden. Etwas schwieriger werde dies bei einer Großen Koalition - jedoch nur auf der Zeitachse. Mit einem Kapitalabzug würden die Experten bei einem Kanzlerwechsel rechnen, egal in welcher Konstellation.
Konjunkturdaten würden sich rundum verbessern. Selbst Europa schleppe sich aus der Rezession und die Einkaufsmanagerindices für August seien sehr gut. Die USA würden als Konjunktur-Lokomotive fungieren und selbst in einigen Schwellenländern (vor allem China) scheine ein Boden der Abschwächung erreicht zu werden. Die damit verbundenen Rückführungen historisch expansiver Geldpolitik und quantitativen Lockerungsmaßnahmen (Geld drucken) seien logisch und fundamental gerechtfertigt. Der Gewöhnungsprozess der Märkte an steigende Zinsen laufe immer etwas holprig.
Auf jeden Fall sei die Stimmung aktuell viel schlechter als die Lage. Der legendäre Sir John Templeton habe einmal gesagt: "Bullenmärkte werden im Pessimismus geboren; sie reifen im Optimismus und sterben in der Euphorie". Aktuell könnten die Experten in den Märkten und Medien weder Optimismus und schon gar keine Euphorie erkennen. Die aktuellen politischen Ängste und damit verbundene Kursrückgänge, vor allem am Aktienmarkt, seien für die Experten deshalb Kaufgelegenheiten. (06.09.2013/alc/a/a)
Starke Verwerfungen an den Finanzmärkten seien die Folge gewesen: Die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen seien um 75 Prozent (von 1,67 auf 2,91 Prozent) gestiegen, die Renditen von deutschen 10-jährigen Bundesanleihen um 71 Prozent (von 1,15 auf 1,97 Prozent). Die großen Aktienindices wie der Dow Jones seien dadurch in den Korrekturmodus geschickt worden (minus 5,7 Prozent).
Am stärksten betroffen seien jedoch Anleihen, Aktien und Währungen der Schwellenländer gewesen. Anleihen dieser Länder würden besonders sensibel auf ein mögliches Ende des quantitativen Lockerungsprogramms reagieren, weil die Spreads bei Anleihen in Fremd- und Landeswährung sehr gering seien und die Währungen schnell an Wert gegenüber einem erstarkten Dollar verlieren würden. Aber dieser Effekt sei auch gegenüber dem Euroraum zu verzeichnen gewesen.
Der Brasilianische Real habe zum Euro in der Spitze rund 21 Prozent verloren, die Indische Rupie und die Türkische Lira 18 Prozent, aber auch aus dem Australischen Dollar seien Gelder in den Dollar- und Euroraum zurückgeflossen, was einen Kursverlust von 21 Prozent zur Folge gehabt habe. Verluste aus fallenden Anleihen- und Aktienkursen müssten zu den Währungsverlusten noch dazugezählt werden. Insgesamt also eine wahrlich schwarze Phase für Investments in diesen Ländern!
Seien die Ängste vor dem sogenannten "Tapering" (Reduzierung des Anleihekaufprogramms) gerechtfertigt? Natürlich würden dadurch Refinanzierungen für Unternehmen und Privathaushalte teuerer und Alternativanlagen zu Aktien wieder attraktiver. Aber es gebe auch viele positive Effekte.
Erstens finde eine Reduktion nur statt, wenn sich die Konjunktur signifikant weiter verbessere. Das heiße im Umkehrschluss, es gebe mehr Arbeitsplätze, mehr Konsum, mehr Investitionen und höhere Gewinne für Unternehmen, was gut für Aktien wäre.
Zweitens werde weiterhin mehr Liquidität zur Verfügung gestellt und nicht von den Notenbanken eingesammelt. Es gehe lediglich um die Zuwachsrate des Gelddruckens. Die US-Zentralbank drucke monatlich 85 Mrd. Dollar, die es zu reduzieren gelte. Aber auch die japanische Notenbank pumpe seit dem Frühjahr 60 Mrd. Dollar monatlich in die Märkte. Das bedeutet, wir führen eine Debatte über eine Verringerung des Aufbaus von Überschussliquidität, während erst vor wenigen Monaten ein Aufbau um satte 70 Prozent auf rd. 145 Mrd. Dollar stattgefunden hat, so die Experten von GECAM.
Viertens verlaufe die Konjunkturerholung in Amerika und Europa vor allem deshalb sehr schleppend, weil die Kreditvergabe-/Nachfrage bei Banken nur sehr zäh vonstatten gehe, bzw. immer weiter falle. Durch anziehende Renditen am langen Ende der Renditekurve und einem anhaltend weiter extrem niedrigen Zins für kurzfristiges Geld (USA 0 Prozent, Europa 0,5 Prozent), versteilere sich die Renditestrukturkurve.
Ein Hauptgeschäftsfeld für Banken sei die Fristentransformation, das heiße Geld kurzfristig hereinzunehmen und langfristig auszuleihen. Durch niedrige Kurzfristzinsen und anziehende Langfristzinsen werde dieses Geschäftsmodell wieder attraktiv und stärke die Kreditvergabebereitschaft. Ein Zurückfahren der Anleihekäufe durch die Zentralbank wäre also unter diesem Aspekt - trotz steigender Zinsen - gut.
Ganz aktuell bekomme man den Eindruck, die Finanzmärkte würden in erster Linie durch die Entwicklungen in Syrien bestimmt werden. Dies möge kurzfristig die Stimmung eintrüben, doch nachhaltig würden die Experten weder Auswirkungen auf den Ölpreis noch sonstige ökonomische Friktionen erwarten. Es gehe hier um die Gesichtswahrung eines Mannes - Barack Obama - der "rote Linien" gezogen habe, die er nun zu verteidigen habe. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich das Thema relativ bald erledigen werde, ob mit Rückzug aus der Angriffsabsicht durch Vorschieben der Parlamente oder durch einen kurzen Rechtfertigungsschlag, um das Gesicht zu wahren.
Es bleibe die Bundestagswahl als politische Unsicherheit. In der Tat hätten die Experten auf dieses Risiko, vor allem für deutsche Aktien in der Vergangenheit hingewiesen. Da über zwei Drittel des deutschen Aktienindex DAX von ausländischen Investoren gehalten würden, würden diese auch recht sensibel und sehr rational auf Veränderungen in der politischen Landschaft reagieren.
Die Experten würden davon ausgehen, dass, wenn eine bürgerliche Regierung weiter Bestand haben sollte, neue historische Hochs im DAX schnell erreicht würden. Etwas schwieriger werde dies bei einer Großen Koalition - jedoch nur auf der Zeitachse. Mit einem Kapitalabzug würden die Experten bei einem Kanzlerwechsel rechnen, egal in welcher Konstellation.
Konjunkturdaten würden sich rundum verbessern. Selbst Europa schleppe sich aus der Rezession und die Einkaufsmanagerindices für August seien sehr gut. Die USA würden als Konjunktur-Lokomotive fungieren und selbst in einigen Schwellenländern (vor allem China) scheine ein Boden der Abschwächung erreicht zu werden. Die damit verbundenen Rückführungen historisch expansiver Geldpolitik und quantitativen Lockerungsmaßnahmen (Geld drucken) seien logisch und fundamental gerechtfertigt. Der Gewöhnungsprozess der Märkte an steigende Zinsen laufe immer etwas holprig.
Auf jeden Fall sei die Stimmung aktuell viel schlechter als die Lage. Der legendäre Sir John Templeton habe einmal gesagt: "Bullenmärkte werden im Pessimismus geboren; sie reifen im Optimismus und sterben in der Euphorie". Aktuell könnten die Experten in den Märkten und Medien weder Optimismus und schon gar keine Euphorie erkennen. Die aktuellen politischen Ängste und damit verbundene Kursrückgänge, vor allem am Aktienmarkt, seien für die Experten deshalb Kaufgelegenheiten. (06.09.2013/alc/a/a)


