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Renditeanstieg: Aufgeschoben oder aufgehoben?


23.07.14 11:35
Meriten IM

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die US-Konjunktur hat sich gefangen, so die Experten von Meriten Investment Management.

Frühindikatoren würden für die zweite Jahreshälfte und für 2015 steigende Produktion und Beschäftigung, ja sogar ein BIP-Wachstum von zeitweise über drei Prozent erwarten lassen. Normalerweise würde vor allem ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit unter die 6 Prozent-Marke einen Zinsanstieg auslösen. Solange in der US-Wirtschaft allerdings noch freie Kapazitäten vorhanden seien, zeige Janet Yellen keine Eile. Der Markt gehe daher nicht von höheren Leitzinsen in den USA vor der zweiten Jahreshälfte 2015 aus.

Etwas anders sei die Lage im Vereinigten Königreich. Aufgrund der drohenden Immobilienblase scheine die Bank of England bereit zu sein, als erste der großen Notenbanken das Zinsniveau zumindest leicht nach oben zu schrauben - möglicherweise noch vor dem Jahresende.

Der bereits für die erste Jahreshälfte erwartete Zinsanstieg in den angelsächsischen Ländern dürfte also nur verschoben, aber nicht aufgehoben sein.

Die EZB sei dagegen noch auf Lockerungskurs. Einige Kommentatoren würden die am 5. Juni angekündigten liquiditätszuführenden Maßnahmen sogar lediglich als Vorstufe einer breiter angelegten quantitativen Lockerung betrachten. Dies sei ein Grund für den deutlichen Rückgang der Renditen von Bundesanleihen, aber auch der Staatsanleihen von EWU-Peripheriestaaten.

Die Experten von Meriten Investment Management glauben, dass die EZB zunächst die Effekte der im Juni vorgestellten Maßnahmen beobachten und analysieren wird, was bis weit in das kommende Jahr hinein dauern wird. Gemäß ihren Prognosen für Inflation und Wachstum dürfte sie dann feststellen, dass ein weitergehender Stimulus für die Eurozone obsolet sei. Sollten die Experten Recht behalten, würden die hohen Erwartungen an eine lockere EZB-Politik enttäuscht und der jüngste Renditerückgang konterkariert. Sie würden zusätzlich das Risiko sehen, dass Bundesanleihen in Sippenhaft genommen würden, wenn die geldpolitische Wende in den USA konkreter werde.

Dies wäre für Deutschland dank der guten Konjunktur und der vergleichsweise geringen Staatsverschuldung verkraftbar. Kritischer wäre ein Anstieg der Finanzierungskosten dagegen für die EWU-Krisenländer. Sie würden derzeit von deutlich gesunkenen Renditen profitieren, was den Reformdruck mindere und die Tragfähigkeit der Staatsschulden verbessere.

Die erste Zinserhöhung der EZB lasse sich nicht prognostizieren. Wachstumsschwäche und Rekordarbeitslosigkeit in vielen Ländern der Eurozone, eine riesige Produktionslücke und hohe öffentliche Schuldenstände würden weiterhin für eine extrem lockere Geldpolitik, allerdings nicht für eine Einführung von Staatsanleihekäufen sprechen.

In der Eurozone dürften die noch zu Jahresbeginn vorherrschenden Erwartungen steigender Renditen daher eher aufgehoben denn aufgeschoben sein - auch wenn eine Erhöhung der EZB-Zinsen noch in weiter Ferne liege. (Ausgabe Juli 2014) (23.07.2014/alc/a/a)