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Rendite-Schock: Frankreichs Staatsanleihen fast so riskant wie Italiens


28.08.25 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Lohnstückkosten in der deutschen Industrie lagen einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge im vergangenen Jahr rund 22% höher als der Schnitt von insgesamt 27 untersuchten Industriestaaten, so die Analysten der NORD/LB in ihrer aktuellen Ausgabe von "NORD/LB am Morgen".

Explizit werde in der Analyse die außereuropäische Konkurrenz genannt. Die USA würden 32% niedrigere Lohnstückkosten ausweisen, bei Japan seien es 24% weniger. Positiv zu würdigen sei indes die hohe deutsche Produktivität. Von den großen Industriestaaten werde Deutschland hier nur von den Vereinigten Staaten übertroffen. Ein brisanter Effekt bei den schon rund einem Fünftel höheren Lohnstückkosten gehe vom weiter anhaltenden Fachkräftemangel aus. Christoph Schröder (Autor der Studie): "Der Fachkräftemangel treibt die Löhne weiter nach oben (…) und die Kosten am Standort Deutschland dürften in den kommenden Jahren weiter steigen". Konsequenz: Die Wettbewerbsfähigkeit sinke.

In diesem Umfeld würden Sorgen um den Arbeitsplatz (trotz eines Mangels an Fachkräften) die Verbraucherstimmung der Deutschen eintrüben. Mit einer Verringerung um 1,9 Zähler auf minus 23,6 Punkten sinke das GfK-Konsumklima-Barometer im September den dritten Monat in Folge. Auch bei den Einkommensaussichten gehe es nach zuvor fünf Anstiegen in Serie wieder bergab (auf 4,1 Punkte; das sei der tiefste Wert seit März 2025).

Neben den Verbrauchern blicke auch die Bundesagentur für Arbeit skeptisch in die Zukunft (BA). Unternehmen würden nämlich (auch hier trotz Fachkräftemangel) aufgrund der anhaltenden schwachen Konjunktur stetig Arbeitsplätze reduzieren. Die BA erwarte für den August erstmals seit zehn Jahren wieder mehr als 3 Millionen Arbeitslose. Das ifo-Beschäftigungsbarometer unterstreiche diese Faktenlage. Für den Monat August komme es auch hier zu einem Rückgang auf 93,8 Punkten.

Tagesausblick: Die EU-Kommission liefere am späten Vormittag mit den August-Daten zu den monatlich erhobenen Stimmungsindikatoren eine Bandbreite an neuen Signalen zur konjunkturellen Lage im gemeinsamen Währungsraum. In den USA stünden zwar BIP- und PCE-Daten für Q2 zur Veröffentlichung an, allerdings handle es sich hier nur um Revisionen. Ein Auge würden Beobachter trotzdem darauf werfen wollen, schließlich hätten jüngst größere Revisionen bei Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantiks für Gesprächsstoff gesorgt. Von geldpolitischer Seite werde der Handelstag mit einem Redebeitrag des FED-Offiziellen Barkin flankiert.

Der Markt für europäische Staatsanleihen hebe weiter warnend den Zeigefinger. Renditen 10-jähriger französischer Staatsanleihen (OATs) würden immer noch im Fahrwasser ihrer italienischen Pendants handeln. Der IT-FR-Rendite-Spread lüge nicht. Mit nur noch rund 6 Basispunkten Unterschied würden Investoren vom französischen Staat (im Vergleich zu Italien) relativ gesehen so hohe Risikoprämien wie zuletzt 2003 fordern. (28.08.2025/alc/a/a)