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Das Rätsel von Jackson Hole


29.08.23 08:45
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit großer Spannung haben die Finanzmärkte die Ergebnisse der Konferenz der Präsidenten der wichtigsten Notenbanken der Welt in Jackson Hole am 25. - 27. August 2023 erwartet, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Im Mittelpunkt hätten die Ausführungen des US-Notenbankchefs Jerome Powell gestanden, der eine Änderung der gegenwärtigen US-Geldpolitik nicht ausdrücklich angekündigt habe. Dort, am Fuße der Rocky Mountains, halte das Rätsel über die nächsten Schritte in der Geldpolitik weiter an. Die Tendenzen auf den weltweiten Finanzmärkten seien damit nicht festgelegt.

Bisher sei an den Börsen die Hoffnung auf ein Ende der Leitzinserhöhungen hochgehalten und im weiten Vorausblick schon auf den ersten Lockerungsschritt spekuliert worden. Doch dies sei trotz des Rätsels weiter ungewiss. Obwohl bei der Inflationsbekämpfung schon deutliche Fortschritte erzielt worden seien, seien die Teuerungsraten auf beiden Seiten des Atlantiks noch immer zu hoch. Die Erhaltung der Preisstabilität bleibe die oberste Aufgabe einer Zentralbank. Als "Preisstabilität" sei schon seit längerer Zeit eine Erhöhung der Verbraucherpreise um die Rate von 2% festgelegt worden.

Mit Spannung sei der mehrmalige Hinweis von Powell aufgenommen worden, die US-Notenbank wolle dabei "vorsichtig" vorgehen. Die Tatsache, dass die Zentralbanken in ihrer Geldpolitik immer vorsichtig handeln würden, gebe der Spekulation daher Anlass zu der Annahme, dass im September zumindest keine Erhöhung zu befürchten sei. Doch um diese Spekulationen einzudämmen, habe Powell betont, dass die Zinsen "gegebenenfalls weiter angehoben" würden.

Die Notenbanken würden in einer Zwickmühle stecken. Werde der Leitzins zu stark erhöht, könne der globalen Wirtschaft erheblicher Schaden zugefügt werden. Schon jetzt tendiere die Weltwirtschaft in Richtung Stagnation, in Deutschland sogar in Richtung Rezession. Würden aber die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik allzu expansiv bleiben, dann könne sich die Inflation weiter festsetzen und die Geldpolitik müsse anschließend noch restriktiver gehandhabt werden. Jetzt räche sich, dass die Geldpolitik in den Zeiten der Pandemie viel zu lange ultra-expansiv gefahren worden sei.

"Die Märkte müssen sich auf weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank einstellen. Der Kampf gegen die Inflation ist noch nicht gewonnen", habe Lagarde bei ihrer Rede am Freitag betont. Sie wolle die Zinssätze so lange "auf einem restriktiven Niveau halten wie nötig, um die Inflation zurück zu unserem mittelfristigen Ziel von zwei Prozent zu bringen".

Allerdings habe Lagarde offengelassen, was das für die kommende EZB-Sitzung Mitte September bedeute. Diskutiert werde, ob die Notenbank den Leitzins ein weiteres Mal anheben oder eine Pause einlegen werde, um die vergangenen Zinsschritte erst einmal wirken zu lassen.

Lagarde habe in ihrer Rede zudem vor den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels und der jüngsten geopolitischen Spannungen gewarnt. Diese Entwicklungen könnten auch den Inflationsdruck aufrechterhalten und die Arbeit der Notenbanker erschweren. "Wenn wir uns auf größere und häufigere Schocks einstellen müssen, könnten die Unternehmen die Kostensteigerungen konsequenter weitergeben", glaube die EZB-Chefin.

Folgerung: Das Rätsel über die weitere Geldpolitik der Zentralbanken bleibe ungelöst. Das Pendel der Spekulation neige dahin, dass zumindest im September die Leitzinsen unverändert bleiben würden. Möglicherweise werde aber weniger spektakulär das Wachstum der Geldmenge eingedämmt und das wiederum könne die Aktienmärkte belasten. (Ausgabe vom 28.08.2023) (29.08.2023/alc/a/a)