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Quo vadis EZB?
22.11.16 11:00
StarCapital
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - "2017 wird die Verschuldung in der Euro-Zone über 10 Billionen Euro erreichen, nach circa 6 Billionen Euro vor der Krise - ein Anstieg von über 60 Prozent", fasst Peter E. Huber, Vorstand und Fondsmanager der StarCapital, den ernüchternden Ausblick auf das kommende Jahr zusammen.
Nach dem Finanzkollaps im Herbst 2008 hätten die traditionellen Industriestaaten die Rettungsmaßnahmen der Notenbanken nicht für die notwendigen Reformen genutzt, sondern die Verschuldung weiter in die Höhe getrieben. Zinsen seien über Qualitative-Easing-Programme und Geldproduktion nach unten gedrückt worden. "Über den Ankauf von Anleihen in vierstelliger Milliardenhöhe stieg man direkt oder indirekt in die Staatsfinanzierung ein, auch wenn dies öffentlich natürlich immer dementiert wurde", so Huber.
Das hehre Ziel: Die Konjunktur anstoßen - mehr Konsum, mehr Investitionen durch Unternehmen - dadurch eine Erhöhung der Inflationsrate auf zwei Prozent erwirken und so schrittweise die Staatsschulden entwerten. Dafür sei die Einführung von Negativzinsen in Kauf genommen worden. Die Ziele seien jedoch nicht erreicht worden. Stattdessen müssten die Konsumenten mehr sparen, um ihre Altersvorsorge zu gewährleisten. Die Unternehmen würden zwar die zinsgünstigen Kredite nutzen, aber lieber eigene Aktien zurückkaufen. Die StarCapital habe nicht nur einmal prognostiziert, was nun eingetroffen sei: "Null Zinsen, Null Inflation und Null Wachstum".
Die Sparer, die Versicherungen und die Pensionskassen würden nicht mehr wissen, wie die drohende Altersarmut verhindert werden könne. Am schlimmsten treffe es aber die Banken, denen die Geschäftsmodelle abhandenkommen würden. "Die Negativzinsen sind der letzte Sargnagel, der das klassische Kreditgeschäft eliminiert", so der erfahrene Fondsmanager Huber. Die aktuellen Forderungen der Notenbanken nach Fiskalprogrammen zur Infrastrukturfinanzierung bezeichne Huber als aus der Verzweiflung geboren. Es sei ein völlig untaugliches Mittel, über die Aufnahme weiterer Schulden solche Projekte zu finanzieren, zumal aufgrund der Bürokratie eine Planungsphase von mehr als zehn Jahren benötigt werde.
Peter E. Huber scheue sich nicht auch die Frage "Was ist zu tun?" zu beantworten: "Die EZB sollte ihre Negativzinspolitik sofort beenden und das Tapering einleiten. Statt zinslosen Anleihen sollte sie lieber in großem Stil Aktien kaufen und damit in Sachwerte und Produktivkapital investieren." Diese Forderung des etablierten Vermögensverwalters StarCapital habe immer mehr Anhänger gefunden. Andere Länder seien weiter, so Huber. Die Bank of Japan habe in den letzten dreieinhalb Jahren 38% aller Staatsschulden aufgekauft. Unter anderem von Pensionskassen, damit diese Aktien kaufen könnten. Wohl wissend, dass mit zinslosen Staatsanleihen keine solide Altersvorsorge mehr gewährleistet werden könne.
Das progressivste Konzept ließe sich aber bei der Schweizer Notenbank finden. "Sie druckt Geld und kauft damit ausländische Währungen, um den Franken stabil zu halten. Ein Teil dieser Devisen legt sie in Aktien an. Der Bestand an US-Aktien liegt inzwischen bei 62 Mrd. USD (!). Insgesamt hat sie bereits für über 130 Mrd. USD Aktien erworben und kauft weiter zu. Ein einfacheres System der Vermögensbildung kennen wir nicht", sage Huber.
Die EZB habe sich in eine prekäre Sackgasse manövriert. Durch entsprechende Regulierungsmaßnahmen habe sie Banken und Versicherungen quasi gezwungen, in die Staatsfinanzierung einzusteigen. Es sei fragwürdig, warum Staatsanleihen weiterhin als risikolos eingestuft würden und kein Kapital zu hinterlegen sei, während für Aktien 35% fällig würden. Eine Zinswende könne nur ganz behutsam durch die EZB eingeleitet werden, wenn eine Katastrophe vermieden werden solle. "Denn", so Huber, "wenn die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den nächsten zwölf Monaten nur leicht um zwei Prozent steigen würde, hätte dies Kursverluste von 17% (!) zur Folge. Ein Crash an den Rentenmärkten wäre die Folge. Na dann viel Spaß!" (22.11.2016/alc/a/a)
Nach dem Finanzkollaps im Herbst 2008 hätten die traditionellen Industriestaaten die Rettungsmaßnahmen der Notenbanken nicht für die notwendigen Reformen genutzt, sondern die Verschuldung weiter in die Höhe getrieben. Zinsen seien über Qualitative-Easing-Programme und Geldproduktion nach unten gedrückt worden. "Über den Ankauf von Anleihen in vierstelliger Milliardenhöhe stieg man direkt oder indirekt in die Staatsfinanzierung ein, auch wenn dies öffentlich natürlich immer dementiert wurde", so Huber.
Das hehre Ziel: Die Konjunktur anstoßen - mehr Konsum, mehr Investitionen durch Unternehmen - dadurch eine Erhöhung der Inflationsrate auf zwei Prozent erwirken und so schrittweise die Staatsschulden entwerten. Dafür sei die Einführung von Negativzinsen in Kauf genommen worden. Die Ziele seien jedoch nicht erreicht worden. Stattdessen müssten die Konsumenten mehr sparen, um ihre Altersvorsorge zu gewährleisten. Die Unternehmen würden zwar die zinsgünstigen Kredite nutzen, aber lieber eigene Aktien zurückkaufen. Die StarCapital habe nicht nur einmal prognostiziert, was nun eingetroffen sei: "Null Zinsen, Null Inflation und Null Wachstum".
Peter E. Huber scheue sich nicht auch die Frage "Was ist zu tun?" zu beantworten: "Die EZB sollte ihre Negativzinspolitik sofort beenden und das Tapering einleiten. Statt zinslosen Anleihen sollte sie lieber in großem Stil Aktien kaufen und damit in Sachwerte und Produktivkapital investieren." Diese Forderung des etablierten Vermögensverwalters StarCapital habe immer mehr Anhänger gefunden. Andere Länder seien weiter, so Huber. Die Bank of Japan habe in den letzten dreieinhalb Jahren 38% aller Staatsschulden aufgekauft. Unter anderem von Pensionskassen, damit diese Aktien kaufen könnten. Wohl wissend, dass mit zinslosen Staatsanleihen keine solide Altersvorsorge mehr gewährleistet werden könne.
Das progressivste Konzept ließe sich aber bei der Schweizer Notenbank finden. "Sie druckt Geld und kauft damit ausländische Währungen, um den Franken stabil zu halten. Ein Teil dieser Devisen legt sie in Aktien an. Der Bestand an US-Aktien liegt inzwischen bei 62 Mrd. USD (!). Insgesamt hat sie bereits für über 130 Mrd. USD Aktien erworben und kauft weiter zu. Ein einfacheres System der Vermögensbildung kennen wir nicht", sage Huber.
Die EZB habe sich in eine prekäre Sackgasse manövriert. Durch entsprechende Regulierungsmaßnahmen habe sie Banken und Versicherungen quasi gezwungen, in die Staatsfinanzierung einzusteigen. Es sei fragwürdig, warum Staatsanleihen weiterhin als risikolos eingestuft würden und kein Kapital zu hinterlegen sei, während für Aktien 35% fällig würden. Eine Zinswende könne nur ganz behutsam durch die EZB eingeleitet werden, wenn eine Katastrophe vermieden werden solle. "Denn", so Huber, "wenn die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den nächsten zwölf Monaten nur leicht um zwei Prozent steigen würde, hätte dies Kursverluste von 17% (!) zur Folge. Ein Crash an den Rentenmärkten wäre die Folge. Na dann viel Spaß!" (22.11.2016/alc/a/a)


