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Präsident Trump - Wie reagieren die Anleihemärkte?


09.11.16 12:09
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Donald Trump hat seine Siegesrede als 45. Präsident der USA gehalten, so Jim Leaviss, Head of Retail Fixed Interest Team bei M&G Investments.

Und was hätten Anleihen und Währungen gemacht, seit man gestern Abend zu Bett gegangen sei? Die Reaktion der Anleihemärkte halte sich bislang in Grenzen - die Aktienmärkte würden sich weit stärker bewegen, der Nikkei etwa habe in der Spitze 5 Prozent eingebüßt. Gestern Nacht sei der Mexikanische Peso das Barometer des Wahlausgangs gewesen, mit einer kurzen Rally und einem nachfolgenden markanten Einbruch. Inzwischen habe er 10 Prozent gegen den US-Dollar verloren. Der US-Dollar selbst sei durch die Aussicht auf weniger FED-Zinsschritte ebenfalls geschwächt. Der DXY-Index, der den Stand des US-Dollar gegenüber einem Korb anderer Währungen nachzeichne, sei über Nacht 0,8 Prozent gesunken. Der Japanische Yen hingegen - ein klassischer Gewinner, wenn Anleger in Krisen Sicherheit suchen würden - sei um 2 Prozent gestiegen.

Als sich die Chancen eines Trump-Sieges letzte Nacht konkretisiert hätten, hätten US-Treasuries aggressiv zugelegt. Das scheine auf den ersten Blick paradox, nachdem Trump laut über einen Haircut für die Eigentümer dieser Papier nachgedacht habe, doch als Flucht in die Qualität mache es Sinn.

Der Markt sei davon ausgegangen, dass die FED im Dezember den Zinssatz um 25 Basispunkte anheben würde, doch in der allgemeinen Unsicherheit nach Trumps Sieg werde dieses Szenario deutlich unwahrscheinlicher (selbst der Verbleib von Janet Yellen an der Spitze der FED sei plötzlich alles andere als sicher). Die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts sei von mehr als 80 Prozent auf 50 Prozent gesunken und auch die Erwartungen für das Zinsniveau 2017 seien nach unten korrigiert worden.

Als sich der Wahlausgang abgezeichnet habe, seien die Renditen zehnjähriger US-Treasuries von 1,88 Prozent um 14 Basispunkte auf 1,74 Prozent abgesackt, hätten sich danach aber wieder bis zum Niveau von 1,81 Prozent erholt. Alles in allem würden die Renditen zehnjähriger US-Treasuries damit ein recht moderates Absinken um lediglich 5 Basispunkte verzeichnen.

Die Zinskurve amerikanischer Staatsanleihen sei dagegen stärker betroffen. Länger laufende US-Treasuries seien abverkauft worden, Titel mit 30-jähriger Laufzeit würden 5 Basispunkte höher rentieren. Noch wisse man sehr wenig über Donald Trumps Wirtschaftspolitik. Konjunkturanreize durch Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen seien aber wahrscheinlich - seine voraussichtliche Politik lasse sich vermutlich mit Ronald Reagans erster Amtszeit vergleichen. Die Staatsverschuldung dürfte mittelfristig steigen, was dann häufig eine steilere Zinskurve nach sich ziehe.

Dabei dürfe man nicht vergessen, dass der Markt für US-Anleihen zu einem großen Teil in den Händen nicht-amerikanischer Investoren liege - auch aus Staaten wie China, über die Trump unfreundliche Aussagen getätigt habe. Ausländer würden die Hälfte aller US-Treasuries halten - China halte 19 Prozent, Japan 18 Prozent - und 30 Prozent der amerikanischen Unternehmensanleihen. Bereits in den letzten sechs Monaten hätten ausländische Investoren, vor allem aus China, US-Staatsanleihen abgestoßen. Bundesanleihen seien ebenfalls um 5 Basispunkte gestiegen.

Bei den Unternehmensanleihen haben wir im Vergleich zu den Aktienmärkten wenig Reaktion gesehen, so die Experten von M&G Investments. Anfangs habe der CDX IG USD Credit Index um vielleicht fünf bis 80 Basispunkte zugenommen. Der europäische iTraxx High Yield Index habe 17 Basispunkte stärker notiert. Das seien relativ bescheidene Bewegungen, obwohl es bisher ja auch wenig Handel im echten Kreditmarkt gegeben habe und heute mit wenig Liquidität zu rechnen sei. Der Preis von Cemex, dem mexikanischen Zementhersteller im High-Yield-Segment, habe etwa einen Punkt niedriger als gestern gestanden. Das sehe nach wenig aus, und wer wisse, ob sich die Bonds zu diesem Kurs aktuell überhaupt verkaufen lassen würden. Die Spreads von US-Bankentiteln stünden rund 12 Basispunkte höher, die europäischer Peripheriebanken um 20 Basispunkte. CoCo-Spreads würden 2 bis 3 Punkte niedriger notieren.

Die eigentliche Konsequenz der Ereignisse der vergangen Nacht für Investoren sei folgende: Da es für die meisten Industrienationen der Welt seit der großen Finanzkrise kein Einkommenswachstum gegeben habe (von einem einzigen Prozent mal abgesehen), würden die etablierten Parteien und ihre Kandidaten in den Wahlen heftig abgestraft. Diese Entwicklung ende nicht mit den US-Wahlen. Nächsten Monat steht uns ein Verfassungsreferendum in Italien bevor, so die Experten von M&G Investments. In Europa stünden für das kommende Jahr etliche Wahlen an (könnte Marine Le Pen zur französischen Präsidentin gewählt werden?).

Nach einer Statistik würden 65 Prozent der Eltern in den G7-Ländern glauben, dass es ihren Kindern einmal schlechter als ihnen selbst gehen werde. Nach den Mehrheitsverschiebungen in Großbritannien beim Brexit und nun in den USA: Würden die etablierten politischen Parteien reagieren, indem sie die staatlichen Ausgaben deutlich ausweiten würden? Könnte die Wahl der vergangenen Nacht das Ende des weltweiten Sparkurses einläuten? (09.11.2016/alc/a/a)