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Powells dovishe Haltung versteilert Zinsstrukturkurve
27.08.25 15:11
Janus Henderson Investors
London (www.anleihencheck.de) - Am 22. August hielt FED-Vorsitzender Jerome Powell seine jährliche Rede auf dem Jackson Hole Economic Policy Symposium der Kansas City FED, so Greg Wilensky, Head of U.S. Fixed Income bei Janus Henderson Investors
Dabei sei ihm aufgefallen, was er gesagt habe, aber auch, was er nicht gesagt habe.
Was Powell gesagt habe:
Zunächst habe der FED-Vorsitzende eingeräumt, dass die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung zugenommen hätten und dass der Arbeitsmarkt möglicherweise nicht so stark sei, wie auf der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) im Juli kommuniziert worden sei. Dies hätten die Märkte als ausgesprochen dovish gewertet.
Insbesondere habe er erklärt: "Der Arbeitsmarkt scheint zwar im Gleichgewicht zu sein, doch handelt es sich dabei um ein ungewöhnliches Gleichgewicht, das aus einer deutlichen Verlangsamung sowohl des Angebots an als auch der Nachfrage nach Arbeitskräften resultiert. Diese unübliche Situation deutet darauf hin, dass die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung zunehmen."
Zweitens habe Powell die Entschlossenheit der FED bekräftigt, zu verhindern, dass Zölle zu einer anhaltenden Inflation führen würden. Janus Henderson Investors interpretiere diese Aussage nicht als hawkisch. Vielmehr halte man es für wichtig, dass Powell ein Zeichen gesetzt und bestätigt habe, dass die Zentralbank ihr Ziel der Preisstabilität nicht aus den Augen verlieren werde. Dies solle die Glaubwürdigkeit der FED wahren und die Inflationserwartungen unter Kontrolle halten, was nach Meinung von Janus Henderson Investors der Zentralbank die Flexibilität geben werde, die Zinsen in Zukunft bei Bedarf zu senken.
Drittens habe der FED-Vorsitzende trotz des politischen Drucks unmissverständlich die Unabhängigkeit der Zentralbank bekräftigt und erklärt, dass der Vorstand bei seinen Entscheidungen weiterhin datenabhängig bleiben und sich auf sein doppeltes Mandat der Preisstabilität und Vollbeschäftigung konzentrieren werde. Seine abschließenden Worte - "wir werden niemals von diesem Ansatz abweichen"- hätten einen klaren Schlussstrich unter diese Angelegenheit gesetzt.
Schließlich habe er den Markt auf mögliche Schwankungen der Inflationszahlen in den kommenden Monaten vorbereitet. Er habe betont: "Natürlich bedeutet ‚einmalig‘ nicht unbedingt ‚auf einmal‘. Es wird also einige Zeit dauern, bis sich die Zollerhöhungen auf die Lieferketten und Vertriebsnetze auswirken. Darüber hinaus entwickeln sich die Zölle weiter, was den Anpassungsprozess möglicherweise verlängern könnte."
Janus Henderson Investors stimme mit den meisten Vertretern der FED überein, dass ein angemessenes Basisszenario davon ausgehe, dass die Zölle weiterhin Aufwärtsdruck auf die Preise ausüben würden, dass die Auswirkungen jedoch nicht zu einem anhaltenden Anstieg des Inflationsdrucks führen würden.
Nach Ansicht von Janus Henderson Investors werde es durch die Unruhe für alle (einschließlich des FOMC) schwieriger werden, die Daten zu bewerten. Außerdem steige dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass Lärm verursachende Inflationszahlen zu Überreaktionen sowohl seitens der Medien als auch der Marktteilnehmer führen könnten.
Was Powell nicht gesagt habe:
Erstens habe der FED-Vorsitzende keine Zinssenkung zugesagt, obwohl seine Rede zurückhaltender ausgefallen sei als ursprünglich erwartet. Wie bereits erwähnt, habe Powell bekräftigt, dass die Zentralbank weiterhin datenabhängig agieren werde, wodurch der Vorstand die Flexibilität behalte, die Zinsen unverändert zu lassen, sollten die Arbeitsmarktdaten und die Inflation höher ausfallen als erwartet.
Zweitens habe Powell zwar eingeräumt, dass der Leitzins derzeit restriktiv sei, habe jedoch keine Auskunft darüber gegeben, wie restriktiv ihn der Vorstand tatsächlich einstufe. Bemerkenswert sei, dass er nicht auf den neutralen Zinssatz eingegangen sei, sondern lediglich das Offensichtliche festgestellt habe: Nach Zinssenkungen um insgesamt 100 Basispunkte seit dem Vorjahr sei die Zentralbank weniger restriktiv als noch vor einem Jahr.
Außerdem sei er nicht auf den weiteren geldpolitischen Kurs nach der ersten Zinssenkung eingegangen. Auch hier dürfte die Antwort auf diese Frage wieder "datenabhängig" lauten, und die FED dürfte nach der ersten Zinssenkung weiterhin vorsichtig vorgehen. Daher glaube Janus Henderson Investors nicht, dass die erste Zinssenkung automatisch den Weg für weitere Zinssenkungen ebnen würde - es sei denn, die künftigen Daten würden dies unterstützen.
Zinssenkungserwartungen
Das Basisszenario von Janus Henderson Investors gehe davon aus, dass die FED bei ihrer nächsten Sitzung am 16. und 17. September die Zinsen um 25 Basispunkte senken werde.
Natürlich würden vor der nächsten FOMC-Sitzung noch mehrere Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die die Lage verändern könnten. Nach Ansicht von Janus Henderson Investors sei die Hürde für die FED jedoch ziemlich hoch, um von diesem Kurs abzuweichen.
Um die FED von einer Zinssenkung im September abzuhalten, müsste es nach Meinung von Janus Henderson Investors zu einer starken Erholung des Arbeitsmarktes kommen, wenn das Bureau of Labor Statistics (BLS) am 5. September die Beschäftigungszahlen veröffentliche, und gleichzeitig müsste die Inflation auf dem aktuellen Niveau oder darüber bleiben.
Umgekehrt halte Janus Henderson Investors eine größere Senkung um 50 Basispunkte für äußerst unwahrscheinlich. Nach Ansicht von Janus Henderson Investors wäre ein sehr schlechter Arbeitsmarktbericht erforderlich, um diese Maßnahme zu rechtfertigen.
Auswirkungen für Anleger
Nach Powells Rede sei die Zinsstrukturkurve angestiegen, wobei die Renditen kurzfristiger Treasuries stärker gefallen seien als die Renditen langfristiger Anleihen.
Angesichts der Abschwächung des Arbeitsmarktes halte Janus Henderson Investors das kurze Ende der Zinsstrukturkurve weiterhin für attraktiv und für besser positioniert, um von künftigen Zinssenkungen zu profitieren. Das kurze Ende sei auch vor möglichen Erhöhungen der Laufzeitprämien am langen Ende geschützt, falls die Sorgen über höhere Haushaltsdefizite oder die Unabhängigkeit der FED zunehmen sollten. Kurz gesagt: Im Falle einer Konjunkturabschwächung dürfte das kurze Ende der Kurve die bessere Absicherung darstellen.
Mit Blick auf das Kreditrisiko sei Janus Henderson Investors weiterhin davon überzeugt, dass die Wirtschaft solide aufgestellt sei und Anleger von den attraktiven Renditen profitieren könnten, insbesondere in verbrieften Sektoren und in bestimmten Bereichen des Unternehmenssektors. Zwar könnten sich die Credit Spreads bei einem schwachen Arbeitsmarktbericht ausweiten. Janus Henderson Investors gehe jedoch davon aus, dass sich Risikoanlagen im Laufe der Zeit wieder erholen würden, sobald der Markt die Bereitschaft der FED verdaut habe, bei Bedarf aggressive Zinssenkungen vorzunehmen. Darüber hinaus würde Janus Henderson Investors in diesem Szenario mit einem Anstieg der Renditen rechnen, der eine mögliche Ausweitung der Spreads ausgleichen würde. (27.08.2025/alc/a/a)
Dabei sei ihm aufgefallen, was er gesagt habe, aber auch, was er nicht gesagt habe.
Was Powell gesagt habe:
Zunächst habe der FED-Vorsitzende eingeräumt, dass die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung zugenommen hätten und dass der Arbeitsmarkt möglicherweise nicht so stark sei, wie auf der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) im Juli kommuniziert worden sei. Dies hätten die Märkte als ausgesprochen dovish gewertet.
Insbesondere habe er erklärt: "Der Arbeitsmarkt scheint zwar im Gleichgewicht zu sein, doch handelt es sich dabei um ein ungewöhnliches Gleichgewicht, das aus einer deutlichen Verlangsamung sowohl des Angebots an als auch der Nachfrage nach Arbeitskräften resultiert. Diese unübliche Situation deutet darauf hin, dass die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung zunehmen."
Zweitens habe Powell die Entschlossenheit der FED bekräftigt, zu verhindern, dass Zölle zu einer anhaltenden Inflation führen würden. Janus Henderson Investors interpretiere diese Aussage nicht als hawkisch. Vielmehr halte man es für wichtig, dass Powell ein Zeichen gesetzt und bestätigt habe, dass die Zentralbank ihr Ziel der Preisstabilität nicht aus den Augen verlieren werde. Dies solle die Glaubwürdigkeit der FED wahren und die Inflationserwartungen unter Kontrolle halten, was nach Meinung von Janus Henderson Investors der Zentralbank die Flexibilität geben werde, die Zinsen in Zukunft bei Bedarf zu senken.
Drittens habe der FED-Vorsitzende trotz des politischen Drucks unmissverständlich die Unabhängigkeit der Zentralbank bekräftigt und erklärt, dass der Vorstand bei seinen Entscheidungen weiterhin datenabhängig bleiben und sich auf sein doppeltes Mandat der Preisstabilität und Vollbeschäftigung konzentrieren werde. Seine abschließenden Worte - "wir werden niemals von diesem Ansatz abweichen"- hätten einen klaren Schlussstrich unter diese Angelegenheit gesetzt.
Schließlich habe er den Markt auf mögliche Schwankungen der Inflationszahlen in den kommenden Monaten vorbereitet. Er habe betont: "Natürlich bedeutet ‚einmalig‘ nicht unbedingt ‚auf einmal‘. Es wird also einige Zeit dauern, bis sich die Zollerhöhungen auf die Lieferketten und Vertriebsnetze auswirken. Darüber hinaus entwickeln sich die Zölle weiter, was den Anpassungsprozess möglicherweise verlängern könnte."
Janus Henderson Investors stimme mit den meisten Vertretern der FED überein, dass ein angemessenes Basisszenario davon ausgehe, dass die Zölle weiterhin Aufwärtsdruck auf die Preise ausüben würden, dass die Auswirkungen jedoch nicht zu einem anhaltenden Anstieg des Inflationsdrucks führen würden.
Nach Ansicht von Janus Henderson Investors werde es durch die Unruhe für alle (einschließlich des FOMC) schwieriger werden, die Daten zu bewerten. Außerdem steige dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass Lärm verursachende Inflationszahlen zu Überreaktionen sowohl seitens der Medien als auch der Marktteilnehmer führen könnten.
Was Powell nicht gesagt habe:
Zweitens habe Powell zwar eingeräumt, dass der Leitzins derzeit restriktiv sei, habe jedoch keine Auskunft darüber gegeben, wie restriktiv ihn der Vorstand tatsächlich einstufe. Bemerkenswert sei, dass er nicht auf den neutralen Zinssatz eingegangen sei, sondern lediglich das Offensichtliche festgestellt habe: Nach Zinssenkungen um insgesamt 100 Basispunkte seit dem Vorjahr sei die Zentralbank weniger restriktiv als noch vor einem Jahr.
Außerdem sei er nicht auf den weiteren geldpolitischen Kurs nach der ersten Zinssenkung eingegangen. Auch hier dürfte die Antwort auf diese Frage wieder "datenabhängig" lauten, und die FED dürfte nach der ersten Zinssenkung weiterhin vorsichtig vorgehen. Daher glaube Janus Henderson Investors nicht, dass die erste Zinssenkung automatisch den Weg für weitere Zinssenkungen ebnen würde - es sei denn, die künftigen Daten würden dies unterstützen.
Zinssenkungserwartungen
Das Basisszenario von Janus Henderson Investors gehe davon aus, dass die FED bei ihrer nächsten Sitzung am 16. und 17. September die Zinsen um 25 Basispunkte senken werde.
Natürlich würden vor der nächsten FOMC-Sitzung noch mehrere Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die die Lage verändern könnten. Nach Ansicht von Janus Henderson Investors sei die Hürde für die FED jedoch ziemlich hoch, um von diesem Kurs abzuweichen.
Um die FED von einer Zinssenkung im September abzuhalten, müsste es nach Meinung von Janus Henderson Investors zu einer starken Erholung des Arbeitsmarktes kommen, wenn das Bureau of Labor Statistics (BLS) am 5. September die Beschäftigungszahlen veröffentliche, und gleichzeitig müsste die Inflation auf dem aktuellen Niveau oder darüber bleiben.
Umgekehrt halte Janus Henderson Investors eine größere Senkung um 50 Basispunkte für äußerst unwahrscheinlich. Nach Ansicht von Janus Henderson Investors wäre ein sehr schlechter Arbeitsmarktbericht erforderlich, um diese Maßnahme zu rechtfertigen.
Auswirkungen für Anleger
Nach Powells Rede sei die Zinsstrukturkurve angestiegen, wobei die Renditen kurzfristiger Treasuries stärker gefallen seien als die Renditen langfristiger Anleihen.
Angesichts der Abschwächung des Arbeitsmarktes halte Janus Henderson Investors das kurze Ende der Zinsstrukturkurve weiterhin für attraktiv und für besser positioniert, um von künftigen Zinssenkungen zu profitieren. Das kurze Ende sei auch vor möglichen Erhöhungen der Laufzeitprämien am langen Ende geschützt, falls die Sorgen über höhere Haushaltsdefizite oder die Unabhängigkeit der FED zunehmen sollten. Kurz gesagt: Im Falle einer Konjunkturabschwächung dürfte das kurze Ende der Kurve die bessere Absicherung darstellen.
Mit Blick auf das Kreditrisiko sei Janus Henderson Investors weiterhin davon überzeugt, dass die Wirtschaft solide aufgestellt sei und Anleger von den attraktiven Renditen profitieren könnten, insbesondere in verbrieften Sektoren und in bestimmten Bereichen des Unternehmenssektors. Zwar könnten sich die Credit Spreads bei einem schwachen Arbeitsmarktbericht ausweiten. Janus Henderson Investors gehe jedoch davon aus, dass sich Risikoanlagen im Laufe der Zeit wieder erholen würden, sobald der Markt die Bereitschaft der FED verdaut habe, bei Bedarf aggressive Zinssenkungen vorzunehmen. Darüber hinaus würde Janus Henderson Investors in diesem Szenario mit einem Anstieg der Renditen rechnen, der eine mögliche Ausweitung der Spreads ausgleichen würde. (27.08.2025/alc/a/a)


