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Positiver Ausblick für Schwellenländer-Anleihen


18.12.23 08:53
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach den Kursrückgängen der Vormonate gab es im November ein wahres Kursfeuerwerk auf den allermeisten Aktien- und Anleihemärkten, so die Analysten von Raiffeisen Capital Management (RCM).

Der globale Schwellenländer-Aktienindex habe um rund 8% zugelegt, jener für die entwickelten Aktienmärkte sei sogar noch etwas stärker angestiegen, um rund 9,2% (jeweils in US-Dollar gerechnet). Auch Emerging-Markets-Anleihen hätten stark zugelegt.
Kursfeuerwerke und Inflationsrückgang

Relativ schwach hätten sich allerdings einmal mehr die chinesischen Aktienindices gezeigt, die nahezu unverändert geblieben seien. Begleitet bzw. stark unterstützt worden sei die Aktienrally durch kräftige Renditerückgänge in den USA und Europa, sowie nachgebende Öl- und Gaspreise. Die Inflations- und Wirtschaftsdaten der vergangenen Wochen würden das Szenario einer "sanften Landung" der US-Konjunktur stützen, also eine wirtschaftliche Abkühlung ohne eine größere oder länger anhaltende Rezession. Im Zuge dessen hätten die Finanzmärkte deutlich raschere und stärkere Zinssenkungen der US-Notenbank sowie der Europäischen Zentralbank eingepreist. Es bleibe abzuwarten, ob sie damit diesmal richtig lägen, oder einmal mehr voreilig seien. Dasselbe gelte für die "sanfte Konjunkturlandung" in den USA, die zwar etwas wahrscheinlicher geworden, aber keinesfalls sicher sei.

Nach den kräftigen Kurszuwächsen der letzten Wochen könnte erst einmal eine Konsolidierung anstehen. Aus heutiger Sicht spreche aber einiges für einen zumindest freundlichen Jahresausklang. Die starken geopolitischen Spannungen sollten als Risikofaktor bei all dem aber nicht aus den Augen verloren werden, auch wenn sie an den Märkten derzeit kaum eine Rolle spielen würden.

Zweistellige Kursanstiege in Lateinamerika

Während chinesische Aktien der Ausreißer nach unten gewesen seien, hätten auf der positiven Seite die lateinamerikanischen Märkte mit zumeist zweistelligen prozentualen Kurssteigerungen herausgeragt. Der Star im November sei zweifellos Argentinien mit rund 40% Kursanstieg gewesen, nachdem die Präsidentschaftswahlen zu einem Machtwechsel an der Spitze des Landes geführt hätten. Was der sehr kontroverse, zum Teil schwer einschätzbare, neue Präsident Argentiniens tatsächlich bewegen könne und werde, müsse sich zwar erst zeigen, die Finanzmärkte der Region seien diesbezüglich aber offenkundig optimistisch.
Inflation gehe teilweise schneller zurück als erwartet

Nicht ganz stimmig mit der Aktieneuphorie der letzten Wochen sei allerdings das globale Konjunkturbild. Zwar würden die Inflationsraten weiter deutlich zurückgehen - und das teilweise schneller als erwartet. Dass dies umgehend zu Zinssenkungen in den USA (noch im ersten Quartal 2024) führen werde, scheine aber eine gewagte Wette der Kapitalmärkte zu sein. Der US-Notenbank (FED) sei zwar nach eigener Aussage bewusst, dass sich die bremsenden Wirkungen ihrer Zinsanhebungen noch gar nicht voll in der Volkswirtschaft entfaltet hätten, und dass von daher noch Risiken für die Konjunktur in den kommenden Quartalen drohen würden. Dass sie darauf aber präventiv mit Zinssenkungen reagieren werde, sei eher unwahrscheinlich, zumal die Kernrate der Inflation im ersten Quartal 2024 voraussichtlich noch nicht auf oder unter das Zielniveau der FED gesunken sein werde.
Rezession in den USA 2024?

Eine Rezession in den USA im kommenden Jahr scheine mit den jüngsten Daten zwar etwas unwahrscheinlicher geworden zu sein, vom Tisch sei sie aber keineswegs. Sollte eine Rezession eintreten, dann aber wohl eher in der zweiten Jahreshälfte und es sehe auch nicht danach aus, dass sie allzu tief verlaufen werde. Für die Aktien- und Anleihemärkte der Schwellenländer sei das insofern relevant, als dass diese erfahrungsgemäß stark auf die Bewegungen der US-Anleiherenditen und des US-Dollars reagieren würden. Beide könnten in einem solchen Rezessionsszenario nachgeben, was im Normalfall positiv für Schwellenländer-Vermögenswerte wäre.

Positiver Ausblick für Schwellenländer-Anleihen

Für Emerging-Markets-Anleihen als Assetklasse sei der Ausblick für die kommenden 12 bis18 Monate recht positiv. Historisch attraktive Renditen für Lokalwährungsanleihen und ein recht hoher Risikoaufschlag bei Schwellenländer-Anleihen in US-Dollar gegenüber US-Staatsanleihen würden gute Grundlagen für ein solides Ertragspotenzial bilden. Das gelte natürlich nicht für jedes Land und jeden Emittenten gleichermaßen - eine gute Selektion bleibe enorm wichtig. Bei den Aktien sei das Bild ebenfalls konstruktiv, dürfte aber auch recht stark von länderspezifischen Faktoren abhängen, ebenso vom Grad der Exponiertheit zu Chinas Wirtschaft. Diese habe sich zwar stabilisiert und zuletzt mit wieder etwas besseren Zahlen aufgewartet. Für das chinesische Wirtschaftswachstum - und damit auch für die Importnachfrage der nächsten Quartale - sei aber keine größere Belebung in Sicht, es sei denn, der Staat greife mit deutlich stärkerem Stimulus ein. Für letzteres gebe es derzeit aber keine Anhaltspunkte, zumal die Stabilisierungstendenzen der letzten Monate ein größeres "Notfallpaket" derzeit auch nicht notwendig erscheinen lassen würden. (18.12.2023/alc/a/a)