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Positiver Ausblick für EM-Anleihen intakt


27.05.24 12:47
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Der im historischen Mittel meist sehr positive Monat April erwies sich diesmal als schwierig, sowohl für die Aktien- als auch die Anleihemärkte, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

Neuerlich robustes Wirtschaftswachstum in den USA und negative Überraschungen nach oben bei der Inflationsentwicklung hätten die Befürchtungen geschürt, dass etwaige Zinssenkungen in den USA noch weiter nach hinten verschoben werden könnten. Hinzugekommen seien weiter eskalierende Spannungen im Mittleren Osten.

Nachdem sich jedoch recht rasch herauskristallisiert habe, dass die wesentlichen Konfliktparteien vorerst keine weiteren Zuspitzungen wünschen würden, und sich US-Notenbankchef Powell eher "sanft" zum Zinsausblick geäußert habe, habe die erste Maihälfte wieder im Zeichen von Kursanstiegen bei Aktien und Anleihen gestanden. Von Ende März bis Mitte Mai sei letztlich nur noch ein minimaler Rückgang für die entwickelten Aktienmärkte verblieben, während die Schwellenländer in diesem Zeitraum sogar deutlich zugelegt hätten (um knapp 4%, alles jeweils in US-Dollar gerechnet). Dabei seien vor allem chinesische H-Aktien in Hongkong sowie die europäischen Schwellenländer-Aktienmärkte positiv hervorgestochen.

In den vergangenen Wochen hätten die europäischen Schwellenländer überdurchschnittlich stark zulegen können, während Lateinamerika erneut die schwächste Region der Emerging Markets gewesen sei. Dabei hätten zweifellos auch die etwas verbesserten Konjunkturindikatoren in Europa geholfen. Indien, langjähriger Favorit vieler ausländischer Investor: innen und einer der Top-Märkte des vergangenen Jahres, trete in diesem Jahr hingegen weitgehend auf der Stelle. Sehr stark hätten sich zuletzt die in Hongkong gehandelten chinesischen H-Aktien präsentiert, die auch für ausländische Investor: innen leicht zugänglich seien. Es dürften aber nicht nur ausländische Käufe die Kurse dort besonders stark getrieben haben. Ebenso hätten auch viele chinesische Anleger: innen gekauft.

Die künftige US-Geldpolitik, die Konjunktur in den USA und China sowie geopolitische Konflikte und Risiken würden aktuell die beherrschenden Themen auf den Finanzmärkten bleiben. Daneben seien es aber auch die Unternehmensergebnisse und Geschäftsausblicke, die die Kurse maßgeblich treiben würden, auch wenn diese weniger für Schlagzeilen sorgen würden. Die Gewinnentwicklung biete weiterhin überwiegend Rückenwind für die Aktienkurse, speziell in den USA, aber auch in etlichen europäischen Aktienmärkten.

In Sachen US-Geldpolitik würden sich die Märkte derzeit von einer Datenveröffentlichung zur nächsten hangeln, wobei nach wie vor mehrere Szenarien möglich seien. Sowohl eine "sanfte Landung" der Konjunktur (d. h. eine moderate Wachstumsabschwächung und Inflation zurück in der Zielzone der Notenbank) als auch "keine Landung" (fortgesetztes robustes Wachstum mit Inflationsrisiken) wären derzeit von der Datenlage her denkbar. Wichtig zu verstehen sei dabei, dass diese aber keinen Endzustand darstellen würden, sondern sich daran trotzdem auch ein Abgleiten in eine Rezession oder ein neuer Aufschwung mit Inflationsrisiken anschließen könne. Letztlich versuche die US-Notenbank derzeit mit ihren geldpolitischen Mitteln, die Folgen einer extrem ausgabenfreudigen Haushaltspolitik der US-Regierung abzufangen. Ob diese Konstellation nach den Wahlen im November völlig verschwinde, sei sehr fraglich. Von daher könnten die damit verbundenen Unwägbarkeiten die Märkte auch im kommenden Jahr beschäftigen.

Für den weiteren Jahresverlauf spreche allerdings erst einmal einiges für einen zumindest moderaten Rückgang der US-Anleiherenditen, was tendenziell positiv für Anleihen und Aktien der Schwellenländer wäre. Die wirtschaftliche Erholung in China verlaufe unterdessen weiterhin recht schleppend, was kein gutes Umfeld für eine durchgreifende Erholung im weltweiten Produzierenden Gewerbe sei. Dieses werde derzeit vor allem von der US-Konjunktur gestützt. Wenig hilfreich seien in diesem Zusammenhang die neuen Strafzölle und Importbeschränkungen, die die US-Regierung vor wenigen Tagen gegen China verhängt habe.

Den eher mauen globalen Wachstumsaussichten stünden die weiterhin recht günstigen langfristigen Bewertungsniveaus vieler Schwellenländer-Aktienmärkte gegenüber. Letztere würden nach wie vor mit einem signifikanten Bewertungsabschlag gegenüber den entwickelten Märkten handeln. Langfristig sollte sich dieser Bewertungsabschlag zumindest etwas verringern, zumal das Wachstum in den Emerging Markets weiterhin höher sein werde als in den Industrienationen.

Auch für Schwellenländer-Anleihen bleibe der mittel- und langfristige Ausblick positiv. Historisch attraktive Renditen für Lokalwährungsanleihen und gute absolute Renditen für Schwellenländer-Anleihen in US-Dollar würden aber gute Grundlagen für ein noch immer recht solides Ertragspotenzial bilden. Besonders gutes Potenzial würden die Experten für dieses Jahr in Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen sehen. Das gelte selbstverständlich nicht für jedes Land und jeden Emittenten gleichermaßen. Eine gute Selektion war und bleibt hier unabdingbar für Investor: innen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. (Ausgabe vom 22.05.2024) (27.05.2024/alc/a/a)