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Positiver Ausblick für EM-Anleihen intakt
30.04.24 11:33
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Die meisten Aktienmärkte setzten im März ihre Anstiege fort, wobei die entwickelten Märkte (auf US-Dollarbasis) etwas stärker zulegten als die Aktien in den Emerging Markets, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.
Auch die Anleihemärkte in den Schwellenländern hätten sich zumeist freundlich präsentiert.
In der ersten Aprilhälfte sei die Aufwärtsbewegung bei den Aktien jedoch zunehmend ins Stocken geraten. Hauptverantwortlich dafür dürften vor allem die US-Konjunkturdaten und darauffolgende Äußerungen aus der US-Notenbank gewesen sein, aber auch eine kräftige Eskalation im Nahen Osten und Ölpreisanstiege. Negative Inflationsüberraschungen würden etwaige Zinssenkungen in den USA noch weiter in die Ferne rücken lassen.
Der wieder anziehende Ölpreis schüre Sorgen vor einem neuerlichen Aufleben der Inflation. Neben dem noch immer von den meisten favorisierten "Soft Landing"-Szenario rücke daher die Möglichkeit eines "No Landing" stärker ins Rampenlicht. Das wäre eine Situation, in der die Abschwächungen bei Wachstum, Arbeitsmarkt und Inflation nur marginal seien und die US‑Notenbank die Leitzinsen damit schwerlich senken könne.
Im Zuge dessen hätten die US-Anleiherenditen zuletzt kräftig angezogen und auch der US-Dollar sei nach oben geklettert. Beides sei im Regelfall negativ oder bedeute zumindest Gegenwind für Aktien und Anleihen in den Schwellenländern. Bislang hätten die entwickelten Aktienmärkte allerdings deutlich stärker nach unten als die Aktienkurse in den Emerging Markets korrigiert. Ob dies nur eine Verschnaufpause nach vielerorts erreichten Allzeithochs oder der Beginn einer ausgeprägteren Korrektur sei, lasse sich derzeit noch schwer abschätzen, zumal die angespannte Situation zwischen Israel und dem Iran für erhebliche zusätzliche Unwägbarkeiten sorge.
Die gute Stimmung vom Februar habe sich auf den Aktienmärkten im März fast nahtlos fortgesetzt. Fast überall hätten die Aktienindices per saldo Zugewinne verzeichnet. Mit knapp 2% Wertzuwachs würden die Schwellenländer dabei etwas hinter den entwickelten Aktienmärkten zurückbleiben (+3%), jeweils in US-Dollar gerechnet. Stärkeres Wachstum, robustere Arbeitsmärkte und hartnäckigere Inflationsraten in den USA hätten die Märkte bis dahin gut weggesteckt.
Neuerliche negative Inflationsüberraschungen hätten dann aber doch zunehmende Fragezeichen hinter den bislang favorisierten "Soft Landing" Konjunktur- und Leitzinsszenarien erscheinen lassen. Etwaige Zinssenkungen seien weiter ausgepreist bzw. nach hinten gepreist worden, zumal festere Rohstoffpreise (Industriemetalle, Öl) auch nicht förderlich für den Inflationsausblick seien.
Das Szenario eines "No Landing", also einer weiterhin robusten Konjunktur mit zu hoher Inflation und zu engem Arbeitsmarkt sei zwar noch immer eine Minderheitenposition, werde aber verstärkt diskutiert. Die US-Anleiherenditen für lange Laufzeiten hätten im Zuge dessen in der ersten Aprilhälfte kräftig angezogen, um 0,30% bis 0,40%. Ein nochmaliger Anstieg in dieser Größenordnung würde sie auf ihre Hochs vom vergangenen Jahr zurückbringen.
Das sei umso bemerkenswerter, als Mitte April die Situation im Nahen Osten stark eskaliert habe, speziell zwischen Israel und dem Iran. "Normalerweise" sollten in solch einer Krisensituation der US-Dollar, Gold und US-Staatsanleihen bei Investor:innen als "sichere Häfen" stärker gefragt sein. Während sich der US-Dollar und Gold auch weiter gefestigt hätten, hätten US-Staatsanleihen aber weiterhin unter Abgabedruck gestanden. Im Zuge dessen hätten auch die Aktienmärkte nachgegeben, wobei diesmal die entwickelten Märkte deutlich kräftiger korrigiert hätten als die Schwellenländer.
Weitere Eskalationen im Nahen Osten könnten sich zunächst vor allem über höhere Ölpreise negativ auf Volkswirtschaften und Finanzmärkte auswirken. Es spreche aber einiges dafür, dass letztlich keine Seite derzeit ein Interesse daran habe, dass sich die Lage noch weiter verschärfe oder gar außer Kontrolle gerate. Daher würden auch die Finanzmarktreaktionen bislang moderat bleiben.
Zugleich könnte aber die sehr lockere Ausgabenpolitik der US-Regierung für weiteren Aufwärtsdruck auf Anleiherenditen und Inflationserwartungen sorgen. Das US-Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr zwischen sechs und sieben Prozent liegen und werde auch in den kommenden Jahren hoch bleiben. Das habe es früher nur in Krisenzeiten oder bei Rezessionen gegeben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass anhaltende hohe Haushaltsdefizite in den USA erhebliche Risiken für die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft bergen würden.
Die US-Wirtschaft zeige sich einerseits zwar überraschend stark. Aber dies spiegele auch eine staatliche Ausgabenpolitik wider, die langfristig nicht nachhaltig sei. Washingtons Mehrausgaben, so der Bericht, würden das Risiko bergen, die Inflation wieder anzufachen und die langfristige Haushalts- und Finanzstabilität auf der ganzen Welt zu untergraben, indem die Finanzierungskosten weltweit in die Höhe getrieben würden.
Sorgen bereite dem IWF aber auch Chinas kräftig steigende Verschuldung sowie die Wachstumsprobleme dort. Die Befürchtung: Peking könne versuchen, die Probleme über neuerliche Exportoffensiven zu lösen, das neuerliche globalen Spannungen im Welthandel auslösen könnte. Ob diese Sorge berechtigt sei, werde sich erst zeigen müssen. Schließlich versuche China seit langem, vom exportgetriebenen Wachstumsmodell wegzukommen.
Zudem seien die jüngsten chinesischen Wachstumszahlen überraschend gut gewesen: Die Wirtschaftsleistung sei im ersten Quartal 2024 um rund 5,3% gewachsen. Diese Daten seien für den IWF-Bericht vermutlich zu spät gekommen und zugleich mache ein gutes Quartal natürlich auch noch keinen Trend. Sie würden aber zeigen, dass in China die Talsohle erst einmal durchschritten sein könnte. Und das wären gute Nachrichten, auch für viele Schwellenländer und ihre Finanzmärkte.
Schaue man sich die langfristigen Bewertungsniveaus an, dann würden Schwellenländeraktien insgesamt mit einem signifikanten Bewertungsabschlag gegenüber den entwickelten Märkten handeln. Ein Teil davon spiegele die im Vergleich höheren Risiken (z. B. Kursschwankungen, Liquidität, politische und rechtliche Rahmenbedingungen) wider. Ein weiterer Teil komme durch die aktuell hohe Bewertung der US-Aktienmärkte zustande. Es bleibe aber jenseits dessen auch noch ein erheblicher Teil, der einen echten Discount darstelle.
Langfristig sollte sich dieser Bewertungsabschlag verringern, da das Wachstum in den Emerging Markets weiterhin höher sein werde als in den Industrienationen. Das würde eine überdurchschnittliche Wertentwicklung der Schwellenländer auf Sicht der kommenden fünf bis zehn Jahre bedeuten. Zugegeben, auf eine solche würden Investor:innen bereits seit längerer Zeit vergeblich warten und eine Garantie dafür, dass sie eintrete, könne niemand geben. Die Chancen stünden dafür aber recht gut, umso mehr, als auch das Gewinnwachstum vieler Unternehmen in den Schwellenländern in den kommenden Quartalen und Jahren anziehen und durchaus nach oben überraschen könnte.
Auch für Schwellenländer-Anleihen bleibe der mittel- und langfristige Ausblick positiv. Historisch attraktive Renditen für Lokalwährungsanleihen und attraktive absolute Renditen für EM-Anleihen in US-Dollar würden aber gute Grundlagen für ein noch immer recht solides Ertragspotenzial bilden. Besonders gutes Potenzial würden die Experten für dieses Jahr in Hartwährungsanleihen der Schwellenländer sehen. Das gelte selbstverständlich nicht für jedes Land und jede/n Emittent:in gleichermaßen. Gute Selektion war und bleibt hier unabdingbar für Investor:innen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. (Ausgabe vom 23.04.2024) (30.04.2024/alc/a/a)
Auch die Anleihemärkte in den Schwellenländern hätten sich zumeist freundlich präsentiert.
In der ersten Aprilhälfte sei die Aufwärtsbewegung bei den Aktien jedoch zunehmend ins Stocken geraten. Hauptverantwortlich dafür dürften vor allem die US-Konjunkturdaten und darauffolgende Äußerungen aus der US-Notenbank gewesen sein, aber auch eine kräftige Eskalation im Nahen Osten und Ölpreisanstiege. Negative Inflationsüberraschungen würden etwaige Zinssenkungen in den USA noch weiter in die Ferne rücken lassen.
Der wieder anziehende Ölpreis schüre Sorgen vor einem neuerlichen Aufleben der Inflation. Neben dem noch immer von den meisten favorisierten "Soft Landing"-Szenario rücke daher die Möglichkeit eines "No Landing" stärker ins Rampenlicht. Das wäre eine Situation, in der die Abschwächungen bei Wachstum, Arbeitsmarkt und Inflation nur marginal seien und die US‑Notenbank die Leitzinsen damit schwerlich senken könne.
Im Zuge dessen hätten die US-Anleiherenditen zuletzt kräftig angezogen und auch der US-Dollar sei nach oben geklettert. Beides sei im Regelfall negativ oder bedeute zumindest Gegenwind für Aktien und Anleihen in den Schwellenländern. Bislang hätten die entwickelten Aktienmärkte allerdings deutlich stärker nach unten als die Aktienkurse in den Emerging Markets korrigiert. Ob dies nur eine Verschnaufpause nach vielerorts erreichten Allzeithochs oder der Beginn einer ausgeprägteren Korrektur sei, lasse sich derzeit noch schwer abschätzen, zumal die angespannte Situation zwischen Israel und dem Iran für erhebliche zusätzliche Unwägbarkeiten sorge.
Die gute Stimmung vom Februar habe sich auf den Aktienmärkten im März fast nahtlos fortgesetzt. Fast überall hätten die Aktienindices per saldo Zugewinne verzeichnet. Mit knapp 2% Wertzuwachs würden die Schwellenländer dabei etwas hinter den entwickelten Aktienmärkten zurückbleiben (+3%), jeweils in US-Dollar gerechnet. Stärkeres Wachstum, robustere Arbeitsmärkte und hartnäckigere Inflationsraten in den USA hätten die Märkte bis dahin gut weggesteckt.
Neuerliche negative Inflationsüberraschungen hätten dann aber doch zunehmende Fragezeichen hinter den bislang favorisierten "Soft Landing" Konjunktur- und Leitzinsszenarien erscheinen lassen. Etwaige Zinssenkungen seien weiter ausgepreist bzw. nach hinten gepreist worden, zumal festere Rohstoffpreise (Industriemetalle, Öl) auch nicht förderlich für den Inflationsausblick seien.
Das Szenario eines "No Landing", also einer weiterhin robusten Konjunktur mit zu hoher Inflation und zu engem Arbeitsmarkt sei zwar noch immer eine Minderheitenposition, werde aber verstärkt diskutiert. Die US-Anleiherenditen für lange Laufzeiten hätten im Zuge dessen in der ersten Aprilhälfte kräftig angezogen, um 0,30% bis 0,40%. Ein nochmaliger Anstieg in dieser Größenordnung würde sie auf ihre Hochs vom vergangenen Jahr zurückbringen.
Weitere Eskalationen im Nahen Osten könnten sich zunächst vor allem über höhere Ölpreise negativ auf Volkswirtschaften und Finanzmärkte auswirken. Es spreche aber einiges dafür, dass letztlich keine Seite derzeit ein Interesse daran habe, dass sich die Lage noch weiter verschärfe oder gar außer Kontrolle gerate. Daher würden auch die Finanzmarktreaktionen bislang moderat bleiben.
Zugleich könnte aber die sehr lockere Ausgabenpolitik der US-Regierung für weiteren Aufwärtsdruck auf Anleiherenditen und Inflationserwartungen sorgen. Das US-Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr zwischen sechs und sieben Prozent liegen und werde auch in den kommenden Jahren hoch bleiben. Das habe es früher nur in Krisenzeiten oder bei Rezessionen gegeben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass anhaltende hohe Haushaltsdefizite in den USA erhebliche Risiken für die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft bergen würden.
Die US-Wirtschaft zeige sich einerseits zwar überraschend stark. Aber dies spiegele auch eine staatliche Ausgabenpolitik wider, die langfristig nicht nachhaltig sei. Washingtons Mehrausgaben, so der Bericht, würden das Risiko bergen, die Inflation wieder anzufachen und die langfristige Haushalts- und Finanzstabilität auf der ganzen Welt zu untergraben, indem die Finanzierungskosten weltweit in die Höhe getrieben würden.
Sorgen bereite dem IWF aber auch Chinas kräftig steigende Verschuldung sowie die Wachstumsprobleme dort. Die Befürchtung: Peking könne versuchen, die Probleme über neuerliche Exportoffensiven zu lösen, das neuerliche globalen Spannungen im Welthandel auslösen könnte. Ob diese Sorge berechtigt sei, werde sich erst zeigen müssen. Schließlich versuche China seit langem, vom exportgetriebenen Wachstumsmodell wegzukommen.
Zudem seien die jüngsten chinesischen Wachstumszahlen überraschend gut gewesen: Die Wirtschaftsleistung sei im ersten Quartal 2024 um rund 5,3% gewachsen. Diese Daten seien für den IWF-Bericht vermutlich zu spät gekommen und zugleich mache ein gutes Quartal natürlich auch noch keinen Trend. Sie würden aber zeigen, dass in China die Talsohle erst einmal durchschritten sein könnte. Und das wären gute Nachrichten, auch für viele Schwellenländer und ihre Finanzmärkte.
Schaue man sich die langfristigen Bewertungsniveaus an, dann würden Schwellenländeraktien insgesamt mit einem signifikanten Bewertungsabschlag gegenüber den entwickelten Märkten handeln. Ein Teil davon spiegele die im Vergleich höheren Risiken (z. B. Kursschwankungen, Liquidität, politische und rechtliche Rahmenbedingungen) wider. Ein weiterer Teil komme durch die aktuell hohe Bewertung der US-Aktienmärkte zustande. Es bleibe aber jenseits dessen auch noch ein erheblicher Teil, der einen echten Discount darstelle.
Langfristig sollte sich dieser Bewertungsabschlag verringern, da das Wachstum in den Emerging Markets weiterhin höher sein werde als in den Industrienationen. Das würde eine überdurchschnittliche Wertentwicklung der Schwellenländer auf Sicht der kommenden fünf bis zehn Jahre bedeuten. Zugegeben, auf eine solche würden Investor:innen bereits seit längerer Zeit vergeblich warten und eine Garantie dafür, dass sie eintrete, könne niemand geben. Die Chancen stünden dafür aber recht gut, umso mehr, als auch das Gewinnwachstum vieler Unternehmen in den Schwellenländern in den kommenden Quartalen und Jahren anziehen und durchaus nach oben überraschen könnte.
Auch für Schwellenländer-Anleihen bleibe der mittel- und langfristige Ausblick positiv. Historisch attraktive Renditen für Lokalwährungsanleihen und attraktive absolute Renditen für EM-Anleihen in US-Dollar würden aber gute Grundlagen für ein noch immer recht solides Ertragspotenzial bilden. Besonders gutes Potenzial würden die Experten für dieses Jahr in Hartwährungsanleihen der Schwellenländer sehen. Das gelte selbstverständlich nicht für jedes Land und jede/n Emittent:in gleichermaßen. Gute Selektion war und bleibt hier unabdingbar für Investor:innen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. (Ausgabe vom 23.04.2024) (30.04.2024/alc/a/a)


