Politische Turbulenzen in Europa - Globale Anleihen gehören ins Programm


20.03.17 12:45
AB

München (www.anleihencheck.de) - Die britische Regierung steht kurz davor, als erstes EU-Land offiziell die Verhandlungen zum Austritt aus der Union aufzunehmen, so John Taylor, Manager des Diversified Yield Plus Portfolios (ISIN LU1005411068/ WKN A115CJ) beim Asset Manager AB.

Dennoch dürfte ein vorab derart lange angekündigtes Ereignis nur begrenzte Auswirkungen auf die Märkte haben, wenn selbst die politischen Schocks des vergangenen Jahres - US-Wahl, Brexit- und Italien-Referendum - nur kurzfristige Schwankungen bewirkt hätten. Trotzdem sollten Anleiheinvestoren die politischen Risiken jetzt nicht ignorieren.

Beim Brexit dürfe die Entwicklung in Schottland nicht aus dem Auge verloren werden. Die dortige Regierung wolle ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum. Wenngleich sich dieser Prozess noch lange hinziehen werde, sei das Ergebnis völlig unklar. Doch Fakt sei: Wie auch beim Ablauf der Brexit-Verhandlungen werde viel von der Politik abhängen.

Eine weitaus dringlichere Sorge sei der potenzielle Austritt Frankreichs aus der EU - der so genannte "Frexit". Die Kandidatin der rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, liege in den Umfragen vorn und dürfte die erste Runde am 23. April voraussichtlich für sich entscheiden. Sie habe angekündigt, Frankreich aus der Eurozone zu führen. Sollte Le Pen darüber hinaus auch im zweiten Wahlgang siegen, sei ein Frexit dennoch keineswegs sicher, denn in der Nationalversammlung dürfte der Front National die dafür notwendige Mehrheit verfehlen. Sollte dies entgegen den Erwartungen doch geschehen, werde es sehr wahrscheinlich ein Frexit-Referendum geben. Das französische Volk entscheide dann selbst über diesen tief greifenden Einschnitt.

Angesichts der schwankenden Umfrageergebnisse im vergangenen Jahr erscheine es wahrscheinlich, dass die Anleger nervöser würden, je näher der Wahltermin rücke. Die Experten von AB erwarten daher, dass der Renditeaufschlag (Spread) für französische Anleihen gegenüber deutschen Papieren bis zum ersten Wahlgang steigt. Als fast sicher gelte, dass Le Pen die zweite Runde erreiche. Jedoch rechne man damit, dass entweder Emmanuel Macron oder François Fillon die Rechtspopulistin im entscheidenden zweiten Wahlgang besiegen werde. Daher dürften die Spreads zwischen den Wahlrunden volatil sein, siege einer der etablierten Kandidaten, würden sie jedoch rasch wieder auf gewohnte Niveaus zurückgehen.

Sollte aber Le Pen die zweite Runde gewinnen, könnten sich die Spreads auf die Niveaus von 2012 oder sogar darüber hinaus ausweiten. Daraufhin würden sich mehrere dringliche Fragen stellen: Habe die Front National die nötigen Sitze, um Le Pens Politik im Parlament durchzusetzen? Werde es ihr gelingen, die französischen Staatsschulden in Franc umzuwandeln? Werde es zu einer Bankenpanik in Frankreich kommen? Diese Unsicherheiten würden die Vorhersage von Umfang und Dauer einer drohenden Kapitalmarktbaisse erschweren.

Auch wenn, wie erwartet, Macron oder Fillon als nächster Präsident Frankreichs ernannt werde, könnte es schon bald Turbulenzen geben. Dann werde sich das Augenmerk auf die Europäische Zentralbank (EZB) richten. Sowohl Wachstum als auch Inflation in Europa würden weitgehend positiv tendieren und so seien die konjunkturellen Grundlagen für die EZB gegeben, ihr Quantitative Easing (QE) Kaufprogramm Ende 2017 oder Anfang 2018 zurückzufahren. Betrachte man das Verhältnis von US-Treasuries zu Bundesanleihen vor Auflegung des EZB-QE-Programms, lasse sich schließen, dass die Bund-Renditen ohne QE um rund 100 Basispunkte höher wären. Ein Ende von QE könnte somit einen gewissen Schock auslösen. Daher werde die EZB behutsam vorgehen müssen, da ein plötzliches Ende der Stützung europäischer Staatsanleihen eine neuerliche Schuldenkrise heraufbeschwören könnte.

Nach Ansicht der Experten von AB sollten Anleger angesichts der bestehenden Unsicherheiten globale Zinspapiere ins Programm nehmen. Denn ein solcher Investitionsansatz biete nicht nur Schutz vor Europas politischen Risiken, sondern darüber hinaus den Diversifikationseffekt asynchroner Inflationszyklen in Industrie- und Schwellenländern. So könnten etwa die Renditen von Schwellenländeranleihen fallen, während die Erträge in der entwickelten Welt gleichzeitig steigen würden.

Eine weitere Quelle für Diversifikation und Einkommen würden zum Beispiel verbriefte Wertpapiere aus den USA bieten. Credit-Risk-Transfer Securities (CRT) der halbstaatlichen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac würden Anlegern Zugang zum starken US-Immobilienmarkt ermöglichen. Ihre variablen Zinssätze würden sie insbesondere im Umfeld steigender US-Zinsen interessant machen. Im Unterschied zu herkömmlichen "Agency"-Anleihen bestehe bei CRT zwar Kreditrisiko. Doch dies werde mit hohen Renditen mehr als adäquat kompensiert. Und diese Investments befänden sich zumeist in frühen Stadien des Kreditzyklus.

Nicht zuletzt sollten Anleger auch sicherstellen, dass sie auf Emittentenebene angemessen differenziert seien. Oft würden europäische Unternehmensanleihen in Fremdwährung höhere Spreads bieten. Damit könnten Investoren ihre Portfolios global streuen und sich gut für die politische Achterbahnfahrt - ob Brexit oder gar Frexit - in Europa wappnen. (20.03.2017/alc/a/a)





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