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Politik der FED stabilisiert das Boot


13.12.18 12:00
Robeco Deutschland

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bei einer "chinesischen Halse" legt sich ein Boot plötzlich nach Luv auf die Seite, was oft durch eine Veränderung der Windgeschwindigkeit verursacht wird. Die jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten sind gut mit diesem Segelmanöver vergleichbar, sagt Peter van der Welle, Stratege bei Robeco Investment Solutions.

Um im Bild zu bleiben: An den Märkten könne das Boot wieder aufgerichtet werden. Notwendig dafür seien beispielsweise eine Gezeitenwende in der Geldpolitik der US-Notenbank FED, schwindende politische Unsicherheit, die Tatsache, dass sich die Weltwirtschaft an einem Wendepunkt befinde, und niedrigere Bewertungskennzahlen von Aktien.

"In letzter Zeit sind die Finanzmärkte durch alles andere als eine ruhige See gegangen. Obwohl die Unternehmensgewinne in diesem Jahr kräftig gestiegen sind, haben gerade Aktien seit Jahresbeginn kaum zugelegt, und die Anleger hatten mit heftigem Gegenwind zu kämpfen", so van der Welle.

"Dazu gehören die Handelskonflikte zwischen China und den USA, negative Überraschungen beim Wirtschaftswachstum, der Übergang der FED zu einer eher neutralen Geldpolitik, die Konfrontation zwischen der EU und Italien über den Haushalt des Mitgliedslandes, der Eintritt des Brexit-Verfahrens in seine entscheidende Phase, das Absacken der Ölpreise und die Sorge über eine nachlassende weltweite Gesamtnachfrage."

"Infolgedessen erzielten die Aktienmärkte bei Betrachtung in Landeswährung bis Ende November nur eine magere Rendite von 0,5 Prozent. Noch komplexer macht das derzeitige Investmentklima, dass noch nicht einmal das traditionell als sicherer Hafen geltende Gold während der jüngsten Turbulenzen glänzen konnte. Ganz im Gegenteil verlor das Edelmetall seit Jahresbeginn in US-Dollar 7,2 Prozent an Wert." In der weltweiten Geldpolitik würden sich also die Gezeiten ändern, und die Realzinssätze (die Opportunitätskosten des Haltens von Gold) würden steigen, während überschüssige Liquidität abgebaut werde.

Für van der Welle sei die entscheidende Frage für Anleger jetzt, wie diese "chinesische Halse" an den Finanzmärkten korrigiert werden könne. "Können die Anleger ihr Boot letztlich retten? Es gibt einige Hinweise darauf, dass ihnen das tatsächlich gelingen könnte", meine er.

"Erstens könnten jüngste Äußerungen von FED-Chef Jerome Powell, dass der Leitzins der US-Notenbank möglicherweise "knapp unter" der Bandbreite der neutralen Zinsprognosen der FED-Mitglieder liegt, als Bestätigung interpretiert werden, dass wir kurz vor einem Wendepunkt stehen."

"Anleger brauchen aber keine Angst vor Wendepunkten zu haben, denn eine Wachstumsverlangsamung ist immer noch etwas anderes als eine richtige Kontraktion. Diese bewusst sanfteren Töne der FED schließen weitere Zinserhöhungen in der Zukunft nicht aus. Sie signalisieren höchstens, dass die Hürde für kontinuierliche Anhebungen um 25 Basispunkte in jedem Quartal höher geworden ist, weil vorangegangene Schritte durch die FED jetzt allmählich die Gesamtnachfrage und die Kerninflation zügeln."

"Außerdem hat die FED seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Zinserhöhungszyklus nie beendet, ohne den realen Leitzins auf ein Niveau von 2 Prozent anzuheben. Dieses Mal mag es anders sein. Doch in Anbetracht dessen, dass der reale US-Leitzins bei außergewöhnlich niedrigen 0,25 Prozent verharrt, wäre es voreilig anzunehmen, die FED würde die Zinsen im laufenden Zyklus nicht weiter erhöhen. Zukünftige Zinsschritte durch die FED werden wahrscheinlich das gegenwärtig an den Terminmärkten eingepreiste Tempo überschreiten, denn diese erwarten derzeit für 2019 nur eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte."

Unterdessen könnte die geopolitische und wirtschaftspolitische Unsicherheit ihren Höhepunkt erreicht haben, sodass das Schlimmste bereits hinter uns liegen könnte, meine van der Welle. "Die Gespräche zwischen den USA und China am Rande des jüngsten G20-Gipfeltreffens haben vielleicht keinen großartigen Deal hervorgebracht, zumindest aber einen 90-tägigen Waffenstillstand im Handelskrieg der beiden Länder. Und von der italienischen Regierung kommen erste versöhnliche Signale, dass sie der Europäischen Kommission bei ihren Forderungen zum Haushalt des Landes entgegenkommen und ihr Haushaltsdefizit auf unter 2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt nach unten revidieren könnte."

"Weniger Unsicherheit in Bezug auf die Wirtschaftspolitik sollte an den Finanzmärkten ex-ante niedrigere Risikoprämien erforderlich machen. Außerdem könnte dadurch ein Teil des beim jüngsten Markteinbruch generierten Wertpotenzials freigesetzt werden. Dies könnte insbesondere für Wertpapiere aus Schwellenländern gelten."

"Die Stimmung hat sich eingetrübt, und auch der Bulle-Bär-Indikator für Kleinanleger in den USA liegt jetzt im Bearmarket-Bereich. Von einer solchen Entwicklung ist in der Vergangenheit oft ein konträres Signal für die Märkte ausgegangen."

"Auf die Stimmung drückende Impulse wie die jüngste Inversion der Zinsstrukturkurve für drei- bis fünfjährige US-Anleihen muss man ernst nehmen. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass in der Vergangenheit eine Rezession mit erheblicher zeitlicher Verzögerung (von durchschnittlich 17 Monaten) nach einer deutlichen Inversion des wichtigeren zwei- bis zehnjährigen Bereichs der Zinsstrukturkurve eingetreten ist - und da haben wir bisher keine solche Entwicklung."

Allerdings würden wir noch nicht wieder durch eine ruhige See segeln, auch wenn Aktien relativ betrachtet günstiger geworden seien. "Bewertungskennzahlen bieten keine gute Orientierung für das Timing. Doch am Rande hat sich das zukünftige Renditepotenzial erhöht, während durch die Kursverluste die Hürde für eine Erholung von Aktien gesenkt wurde, wenn es beim Wachstum allmählich wieder positive Überraschungen gibt und die politischen Risiken abnehmen", betone van der Welle.

"Um zu unserem Bild zurückzukehren: Es wird den Anlegern wahrscheinlich gelingen, ihr Boot nach der "chinesischen Halse" wieder aufzurichten. Das heißt aber nicht, dass wir bereits zu Jahresbeginn 2019 wieder durch eine ruhige See gleiten werden. Da sich das Weltwirtschaftswachstum jetzt allmählich verlangsamt, die Sorge um anhaltende geopolitische Risiken im Raum steht und die FED mit der Verschärfung ihrer Geldpolitik im laufenden Zinserhöhungszyklus noch nicht fertig ist, bleibt die Situation schwierig. Wir von Robeco Investment Solutions bleiben in Aktien übergewichtet. Gleichzeitig steuern wir aber auf eine insgesamt defensive Haltung im Aktienbereich zu." (13.12.2018/alc/a/a)