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Performance der US-Staatsanleihen beflügelt, gesunkene Risikoprämien bei Unternehmensanleihen


13.12.23 11:44
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Gegen Ende des Jahres versuchen Volkswirte, Investmentbanken und Asset Manager traditionell, die Entwicklungen des kommenden Jahres zu prognostizieren, so Karin Kunrath, Chief Investment Officer der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Heuer falle die überwiegende Anzahl dieser Ausblicke positiv aus. Viele der vorgebrachten Argumente könnten die Experten weitgehend teilen. Die globale Wirtschaft werde demgemäß sehr schwach sein, eine Rezession aber vermeiden können. Im Jahresverlauf werde eine Verbesserung der Wirtschaftsdynamik erwartet. Dieses Szenario für die Wirtschaft werde oft auch mit dem Begriff Soft Landing umschrieben.

Gleichzeitig werde ein weiterer Rückgang der Inflationsraten erwartet. Damit würden viele Notenbanken nicht nur die Möglichkeit haben, auf weitere Zinsanhebungen zu verzichten. Sie würden im Verlauf von 2024 bereits wieder erste Zinssenkungen vornehmen können. Wann genau die Währungshüter an der Zinsschraube nach unten drehen würden, sei Gegenstand der Debatte. Vor wenigen Wochen habe die diesbezügliche Erwartung noch bei Mitte des Jahres gelegen. Mittlerweile bestehe eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass bereits im ersten Quartal 2024 Zinsen gesenkt werden könnten.

Was bedeute das für die Kapitalmärkte? Ein Umfeld wie das beschriebene sei sowohl für Aktien als auch für Anleihen als unterstützend einzuschätzen, weil sinkende Inflation und sinkende Zinsen auf beide Assetklassen positiv wirken würden. Für die Aktien sei es allerdings entscheidend, dass eine Rezession vermieden werden könne. Dass man dies nach dem extremen Anziehen der geldpolitischen Zügel der letzten zwei Jahre unterstelle, sei sicherlich als eher optimistische Annahme zu werten.

Immerhin sei es in der Vergangenheit recht selten gelungen, nach Zinsanhebungszyklen eine Rezession zu vermeiden. Das bedeute aber nicht, dass eine solche Entwicklung ausgeschlossen sei. Trotzdem sei bei Prognosen immer eine Prise Vorsicht angebracht. Erinnern wir uns zurück: Anfang 2023 war weithin die Überzeugung gegeben, dass die USA in eine Rezession schlittern würden, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Dies sei rückblickend eine krasse Fehleinschätzung gewesen. Für die Asset Allocation bedeute dies, dass immer auf Sicht gefahren werde und die Annahmen laufend einer kritischen Überprüfung unterzogen würden. Aktuell würden die Analysen der Experten ein ausgewogenes Gesamtbild ergeben, weshalb Aktien neutral gesehen würden. Anleihen würden präferiert bleiben.

Seit im Oktober die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen erstmals seit Juli 2007 im Intraday-Handel kurzfristig die 5% Marke überschritten habe, lasse sie sich nur noch immer weiter südwärts davon blicken, was die Performance von US-Staatsanleihen beflügelt habe.

Die Experten hätten US-Staatsanleihen positiv gesehen und würden diese weiter präferieren. Die Erwartung eines Endes des US-Zinsanhebungszyklus, sinkende Inflationsraten und ein moderat schwächerer Arbeitsmarkt lassen uns niedrigere Renditen (nicht nur in den USA) erwarten, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Euro-Staatsanleihen (DE-Staatsanleihen) würden ebenfalls bevorzugt bleiben.

Am Markt für Unternehmensanleihen hätten zuletzt v.a. US Corporate Bonds durch deutlich gesunkene Risikoprämien überzeugt. Europäische Credits hätten an dieser Entwicklung ebenfalls partizipiert, jedoch nicht mit dieser Dynamik. Die globale High Yield-Ausfallsrate habe sich zuletzt bei 4,5% befunden. Die Ratingagentur Moody's erwarte, dass sie bis Q1 2024 weiter in Richtung 4,8% ansteige. Der langfristige Durchschnitt befinde sich bei 4,1%. Die Experten würden bei Investment Grade- und High Yield-Unternehmensanleihen zurückhaltend bleiben und in Richtung moderat höherer Risikoprämien gehen.

Gesunkene Rohstoffpreise und ordentlicher Stress am chinesischen Immobilienmarkt würden für die Experten entsprechende Pricing-Risiken in dieser Anleiheklasse bergen. In Summe würden sie kein Abkoppeln der Emerging Markets-Anleihe-Spreads von den Risikoprämien in den entwickelten Märkten erwarten, wo sie derzeit mit einem Anstieg derselben rechnen würden.

Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen deutlich stärker präsentiert. Neben den in Summe besser als erwarteten Konjunkturdaten (vor allem in den USA) sei in den letzten Wochen auch von einem deutlichen Rückgang bei den Anleiherenditen (und gleichzeitig aufkommenden Zinssenkungshoffnungen) Rückenwind für die Aktienmärkte gekommen. Die Gewinnseite der Unternehmen präsentiere sich weiter gut und auch die Stabilisierung bei den Konjunkturvorlaufindikatoren unterstütze.

In China gebe es nun erste leichte Anzeichen einer konjunkturellen Stabilisierung. Stützungsmaßnahmen seien von Seiten der Regierung ergriffen worden, zwar nur sehr schaumgebremst, aber immerhin. Diese scheinen nun erste Wirkungen zu zeigen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Der Immobiliensektor insbesondere falle nun nicht mehr weiter zurück. Die Gewinnentwicklung in den Emerging Markets sei weiter äußerst durchwachsen, was dazu führe, dass die relative Wertentwicklung gegenüber den entwickelten Märkten weiterhin sehr schwach sei.

In den letzten Wochen habe sich vor allem der Edelmetallbereich deutlich stärker präsentiert. Rückgänge bei den Renditen und aufkommende Zinssenkungshoffnungen hätten diesen Sektor beflügelt. Der Energiesektor sei in den letzten Wochen unter Druck gekommen. Dabei habe zuletzt vor allem die Angebotsseite belastet (Zweifel an der Umsetzung der angekündigten Angebotsreduktionen). (13.12.2023/alc/a/a)