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Optionen für eine weniger expansive EZB-Politik
28.03.17 11:27
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die guten Konjunkturdaten und höhere Inflationsraten haben zu der Spekulation geführt, dass die EZB bereits dieses Jahr ihre Anleihekäufe weiter reduziert und ihre Zinsen erhöht, so Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG.
Die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG halten beides für unwahrscheinlich. Allerdings biete der geldpolitische Rahmen andere Optionen für eine etwas restriktivere Politik.
Die ersten graduellen Schritte zum Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik habe die EZB gemacht. Ab April 2017 reduziere sie das monatliche Volumen der Anleihekäufe und offeriere keine mehrjährigen Refinanzierungsoperationen mehr. Die Geldmärkte würden nun aber bereits Spekulationen reflektieren, dass auch die Zinsen dieses Jahr schon angehoben werden könnten. Reines Wunschdenken? Vermutlich schon. Die Wachstumsaussichten seien zwar deutlich besser. Die USA hätten aber auch gezeigt, dass es lange dauern könne, bis dies zu höheren Löhnen und Inflationsraten führe.
Zudem werde sich die EZB in einem von politischer Unsicherheit geprägten Umfeld mit wichtigen Wahlen in Frankreich, Deutschland und Italien kaum einen Politikfehler leisten wollen. Die Erfahrungen mit den vorschnellen Zinserhöhungen aus dem Jahr 2011 würden ihr noch nachhängen. Sie werde daher vermutlich nach weniger plakativen Möglichkeiten suchen, ihre Politik weniger expansiv gestalten zu können. Bei der Frage, welche das sein könnten, helfe die Systematik, mit der die EZB ihre geldpolitischen Entscheidungen einteile. Dies seien Zinspolitik, außergewöhnliche Maßnahmen und die Erwartungssteuerung bezüglich der zukünftigen Zinspolitik.
Dieses Jahr bereits an der Zinsschraube zu drehen, würde der Erwartungssteuerung widersprechen und hätte für die Glaubwürdigkeit der EZB negative Folgen. Sie sollte als ersten Schritt daher ihre Kommunikation verändern. Auch dadurch könne sie zu höheren Marktzinsen beitragen: Zu höheren Geldmarktzinsen, wenn sie signalisiere, dass Zinsanhebungen bereits nächstes Jahr möglich seien; und höheren Zinsen für längerfristige Obligationen, wenn sie signalisiere, die Anleihekäufe im nächsten Jahr relativ schnell zu beenden. Sie könnte dann die Marktreaktionen abwarten, bevor sie tatsächlich handle.
Vor allem die Entwicklung der Zinsaufschläge für Anleihen der Euro-Peripherie gelte es genau zu beobachten. Ähnlich vorsichtig könnte sie bei anderen Maßnahmen vorgehen und zunächst den Markt höhere Renditen einpreisen lassen. Dies würde ihr beispielsweise durch eine Erhöhung des Mindestreservesatzes zurück auf 2% gelingen, oder wenn sie von der Vollzuteilung ihrer Refinanzierungsoperationen zurück zum Zinstender ginge.
Andere außergewöhnliche Maßnahmen seien in der kurzen Frist schwieriger zu verändern. So sei die temporäre Ausweitung der refinanzierungsfähigen Sicherheiten mindestens bis September 2018 - eventuell aber sogar für die nächsten vier Jahre festgelegt. Nicht verändern werde die EZB wohl das OMT-Programm, mit dem Präsident Draghi versprochen habe, alles zu tun, um die Integrität der Währungsunion zu verteidigen, falls die Finanzmärkte auf den Austritt einzelner Länder spekulieren würden.
Die Optionen der EZB, ihre Geldpolitik zu straffen, würden daher eher für ein langsames Vorgehen sprechen. Für das europäische Wachstum seien das positive Perspektiven - und sicherlich auch Balsam für die Seele in institutionell weiter schwierigen Zeiten. (28.03.2017/alc/a/a)
Die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG halten beides für unwahrscheinlich. Allerdings biete der geldpolitische Rahmen andere Optionen für eine etwas restriktivere Politik.
Die ersten graduellen Schritte zum Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik habe die EZB gemacht. Ab April 2017 reduziere sie das monatliche Volumen der Anleihekäufe und offeriere keine mehrjährigen Refinanzierungsoperationen mehr. Die Geldmärkte würden nun aber bereits Spekulationen reflektieren, dass auch die Zinsen dieses Jahr schon angehoben werden könnten. Reines Wunschdenken? Vermutlich schon. Die Wachstumsaussichten seien zwar deutlich besser. Die USA hätten aber auch gezeigt, dass es lange dauern könne, bis dies zu höheren Löhnen und Inflationsraten führe.
Dieses Jahr bereits an der Zinsschraube zu drehen, würde der Erwartungssteuerung widersprechen und hätte für die Glaubwürdigkeit der EZB negative Folgen. Sie sollte als ersten Schritt daher ihre Kommunikation verändern. Auch dadurch könne sie zu höheren Marktzinsen beitragen: Zu höheren Geldmarktzinsen, wenn sie signalisiere, dass Zinsanhebungen bereits nächstes Jahr möglich seien; und höheren Zinsen für längerfristige Obligationen, wenn sie signalisiere, die Anleihekäufe im nächsten Jahr relativ schnell zu beenden. Sie könnte dann die Marktreaktionen abwarten, bevor sie tatsächlich handle.
Vor allem die Entwicklung der Zinsaufschläge für Anleihen der Euro-Peripherie gelte es genau zu beobachten. Ähnlich vorsichtig könnte sie bei anderen Maßnahmen vorgehen und zunächst den Markt höhere Renditen einpreisen lassen. Dies würde ihr beispielsweise durch eine Erhöhung des Mindestreservesatzes zurück auf 2% gelingen, oder wenn sie von der Vollzuteilung ihrer Refinanzierungsoperationen zurück zum Zinstender ginge.
Andere außergewöhnliche Maßnahmen seien in der kurzen Frist schwieriger zu verändern. So sei die temporäre Ausweitung der refinanzierungsfähigen Sicherheiten mindestens bis September 2018 - eventuell aber sogar für die nächsten vier Jahre festgelegt. Nicht verändern werde die EZB wohl das OMT-Programm, mit dem Präsident Draghi versprochen habe, alles zu tun, um die Integrität der Währungsunion zu verteidigen, falls die Finanzmärkte auf den Austritt einzelner Länder spekulieren würden.
Die Optionen der EZB, ihre Geldpolitik zu straffen, würden daher eher für ein langsames Vorgehen sprechen. Für das europäische Wachstum seien das positive Perspektiven - und sicherlich auch Balsam für die Seele in institutionell weiter schwierigen Zeiten. (28.03.2017/alc/a/a)


