Erweiterte Funktionen

OeNB-Gouverneur Martin Kocher: Nächster Zinsschritt kann in beide Richtungen gehen


21.10.25 11:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), hält eine Zinssenkung oder eine Zinserhöhung gleichermaßen für möglich, so die Experten von "FONDS professionell".

Vorerst sei es aber sinnvoll, die aktuellen Leitzinsen beizubehalten, habe das EZB-Ratsmitglied am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington gesagt.

"Der nächste Schritt könnte eine Senkung oder eine Erhöhung sein - ich habe keine Präferenz", habe Kocher erklärt und betont: "Es bräuchte deutliche Änderungen im wirtschaftlichen Ausblick, um unsere Haltung zu ändern."

Flexibilität statt vorschneller Schritte

Kocher habe von einer Phase großer Unsicherheit gesprochen. "Es ist wichtig, flexibel zu bleiben und bei Bedarf handlungsfähig zu sein", habe er gesagt. Aktuell seien die Zinsen jedoch angemessen, so Kocher: "Angesichts der bisherigen Daten ist unser Zinsniveau richtig gewählt."

Nach acht Zinssenkungen innerhalb eines Jahres würden die meisten EZB-Vertreter derzeit wenig Neigung zu weiteren Lockerungen zeigen. Einige würden jedoch zusätzliche Schritte nach unten für möglich halten - insbesondere, falls Wachstum und Inflation schwächer ausfallen sollten als erwartet.

Uneinigkeit im EZB-Rat

Frankreichs Notenbankchef François Villeroy de Galhau habe jüngst gesagt, der nächste Schritt der EZB werde wahrscheinlicher eine Senkung als eine Erhöhung sein. EZB-Chefökonom Philip Lane habe erklärt, derzeit gebe es keinen Handlungsbedarf - die Optionen lägen zwischen "Stillhalten oder Senken". Andere wie Spaniens Jose Luis Escriva und Lettlands Martins Kazaks würden dagegen keine klare Tendenz sehen und auch Zinserhöhungen nicht ausschließen.

Kocher warnt vor Zickzack-Kurs

Kocher, der seit September die OeNB leite, plädiere für Kontinuität: "Eine Politik der ruhigen Hand ist im aktuellen Umfeld sinnvoll", habe er gesagt. "Wenn wir jetzt die Zinsen senken würden, um sie sechs oder neun Monate später wieder zu erhöhen, wäre das keine gute Strategie." Zudem habe er davor gewarnt, Geldpolitik zu übersteuern: "Wir sollten nicht versuchen, zu viel zu justieren."

Risiken und Chancen im Gleichgewicht

Kocher sehe die Wachstumsaussichten insgesamt ausgewogen. Zwar würden geopolitische Spannungen die Konjunktur belasten, doch gebe es auch positive Impulse. "Das deutsche Fiskalpaket wird im kommenden Jahr helfen, aber wohl noch stärker 2027 und 2028", habe Kocher gesagt. "Und die Menschen verfügen weiterhin über erhebliche Ersparnisse." Auch bei der Inflation sehe Kocher keine einseitigen Risiken. "Wir sollten nicht überreagieren, wenn die Inflation leicht über oder unter zwei Prozent liegt", habe er gesagt. Laut den jüngsten EZB-Prognosen dürfte die Teuerungsrate 2026 auf 1,7 Prozent fallen und 2027 bei 1,9 Prozent liegen - nahe dem Preisstabilitätsziel. (mb/Bloomberg) (News vom 20.10.2025) (21.10.2025/alc/a/a)