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Notenbanken wollen die Pandemie der Märkte stoppen
06.03.20 11:15
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Nun ist es also doch passiert. Aus Sorglosigkeit wurde innerhalb kürzester Zeit Panik. Mit der Ankunft des neuen Coronavirus in Italien und dem Auftreten weiterer Fälle außerhalb Chinas verließ die Investoren der Mut, so Jens Herdack, CIIA, CEFA bei der Weberbank.
Die Aktienmärkte hätten crashartige Abschläge verzeichnet. So sei der DAX von seinem erreichten Hoch zwischenzeitlich um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Selbst im vermeintlich bislang weniger betroffenen Amerika hätten die Investoren Verluste in ähnlicher Größenordnung verkraften müssen. Damit sei ein Ausmaß erreicht worden, das historisch selten wie beispielsweise bei den Terroranschlägen des 11. September zu verzeichnen gewesen sei. Doch seien die Auswirkungen der aktuellen "grippeähnlichen" Pandemie wirklich mit denen historischer Ereignisse wie der Subprime-Krise oder dem Zwillingsturmanschlag vergleichbar?
Die Angst der Investoren und ihre aktuelle Reaktion lasse sich besser verstehen, wenn wir uns die wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahres genauer anschauen würden: Von vielen weitestgehend unbemerkt hätten wir uns bereits seit gut einem Jahr in der EU in einer Industrierezession mit schwachen Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe und damit schwacher Industrieproduktion befunden. Kompensiert worden sei diese Wachstumsschwäche vom Dienstleistungssektor und insbesondere dem privaten Konsum. Die Konsumenten in Europa und den USA hätten sich überaus ausgabefreudig gezeigt. Schon das Wegfallen chinesischer Touristen, die beispielsweise für ca. 1/3 der Luxusgüterumsätze in Italien stünden, habe zu Jahresbeginn einigen Investoren erste Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. Mit den deutlichen Reaktionen Italiens auf die Ausbreitung des Coronavirus sei für die Akteure am Markt dann aber die vorübergehende Schließung von einzelnen Unternehmen und die Unterbrechung von wichtigen Lieferketten zu einer realen Bedrohung geworden. Der Markt preise also mitnichten die "Mortalität" des neuen Virus ein, sondern vielmehr die wirtschaftlichen Folgen, die die möglichen Gegenmaßnahmen einzelner Länder und Unternehmen haben könnten.
Die OECD habe als eine der ersten großen Organisationen mit der Rücknahme ihrer Wachstumsschätzungen für das Jahr 2020 reagiert. Die US-Notenbank FED habe sich genötigt gesehen, mit einer außerplanmäßigen Zinssenkung um 0,5 Prozent auf die Gefahren der Corona-Epidemie für die globale Wirtschaft zu reagieren, obwohl sich die amerikanische Wirtschaft noch kerngesund zeige. Eine ähnliche Handlungsweise habe sie zuletzt in der Finanzkrise gezeigt, was die Märkte offensichtlich eher zusätzlich verunsichert habe, denn die US-Aktienmärkte hätten nach anfänglichen Zugewinnen mit erneut deutlichen Abschlägen auf die FED-Maßnahme reagiert. In den Augen der Analysten der Weberbank werden wir zumindest im ersten Quartal zunächst deutlich schlechtere Wirtschaftszahlen sehen, und viele Unternehmen werden sich aufgrund ihrer Ad hoc-Publizitätspflichten genötigt sehen, Gewinnwarnungen auszusprechen. Das dürfte die Schwankungen an den Märkten hochhalten, zumal die Corona-Epidemie in den Industriestaaten noch ganz am Anfang stehe, während die in China bereits ihren Höhepunkt überschritten haben könnte.
Im Gegensatz zu den Aktienmärkten hätten die Rentenmärkte neue Kurs-Rekorde gezeigt. So habe die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht. US-Ökonom und Nobelpreisträger Robert Schiller habe in diesem Zusammenhang gar analysiert, dass die Rendite damit den tiefsten Stand seit 150 Jahren erreicht habe und kein Ereignis in dieser langen Zeit bislang ausgereicht habe, die US-Zehnjahresrendite unter ein Prozent zu treiben. Mithin habe man auch bei den deutschen Staatsanleihen Renditerückgänge in Richtung des bisherigen Allzeittiefs verzeichnet. Unternehmensanleihen hätten hingegen mit einer deutlichen Ausweitung der Risikoprämien reagiert, die den Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen beschreiben würden.
Neben der FED deute sich eine mögliche Allianz verschiedener Kräfte zur Stützung der Weltwirtschaft an. So hätten sowohl die Präsidentin der Europäische Zentralbank EZB ihre Bereitschaft zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung, als auch die G7 Finanzminister zu fiskalpolitischen Maßnahmen geäußert. Mithin wäre es in den Augen der Analysten der Weberbank für Investoren falsch, sich aus Furcht nun vollständig aus den Märkten zu verabschieden. Vielmehr dürften die vor uns liegenden Schwankungen auch immer wieder Kaufgelegenheiten hervorbringen. Ein Überwinden der Corona-Epidemie könnte zu einer deutlichen Erholung der Märkte führen. Aufgrund der noch schwer abschätzbaren Lieferkettenprobleme sei es jedoch wahrscheinlich, dass sich diese Entwicklung bis deutlich ins zweite Quartal hinziehe. (06.03.2020/alc/a/a)
Die Aktienmärkte hätten crashartige Abschläge verzeichnet. So sei der DAX von seinem erreichten Hoch zwischenzeitlich um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Selbst im vermeintlich bislang weniger betroffenen Amerika hätten die Investoren Verluste in ähnlicher Größenordnung verkraften müssen. Damit sei ein Ausmaß erreicht worden, das historisch selten wie beispielsweise bei den Terroranschlägen des 11. September zu verzeichnen gewesen sei. Doch seien die Auswirkungen der aktuellen "grippeähnlichen" Pandemie wirklich mit denen historischer Ereignisse wie der Subprime-Krise oder dem Zwillingsturmanschlag vergleichbar?
Die OECD habe als eine der ersten großen Organisationen mit der Rücknahme ihrer Wachstumsschätzungen für das Jahr 2020 reagiert. Die US-Notenbank FED habe sich genötigt gesehen, mit einer außerplanmäßigen Zinssenkung um 0,5 Prozent auf die Gefahren der Corona-Epidemie für die globale Wirtschaft zu reagieren, obwohl sich die amerikanische Wirtschaft noch kerngesund zeige. Eine ähnliche Handlungsweise habe sie zuletzt in der Finanzkrise gezeigt, was die Märkte offensichtlich eher zusätzlich verunsichert habe, denn die US-Aktienmärkte hätten nach anfänglichen Zugewinnen mit erneut deutlichen Abschlägen auf die FED-Maßnahme reagiert. In den Augen der Analysten der Weberbank werden wir zumindest im ersten Quartal zunächst deutlich schlechtere Wirtschaftszahlen sehen, und viele Unternehmen werden sich aufgrund ihrer Ad hoc-Publizitätspflichten genötigt sehen, Gewinnwarnungen auszusprechen. Das dürfte die Schwankungen an den Märkten hochhalten, zumal die Corona-Epidemie in den Industriestaaten noch ganz am Anfang stehe, während die in China bereits ihren Höhepunkt überschritten haben könnte.
Im Gegensatz zu den Aktienmärkten hätten die Rentenmärkte neue Kurs-Rekorde gezeigt. So habe die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht. US-Ökonom und Nobelpreisträger Robert Schiller habe in diesem Zusammenhang gar analysiert, dass die Rendite damit den tiefsten Stand seit 150 Jahren erreicht habe und kein Ereignis in dieser langen Zeit bislang ausgereicht habe, die US-Zehnjahresrendite unter ein Prozent zu treiben. Mithin habe man auch bei den deutschen Staatsanleihen Renditerückgänge in Richtung des bisherigen Allzeittiefs verzeichnet. Unternehmensanleihen hätten hingegen mit einer deutlichen Ausweitung der Risikoprämien reagiert, die den Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen beschreiben würden.
Neben der FED deute sich eine mögliche Allianz verschiedener Kräfte zur Stützung der Weltwirtschaft an. So hätten sowohl die Präsidentin der Europäische Zentralbank EZB ihre Bereitschaft zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung, als auch die G7 Finanzminister zu fiskalpolitischen Maßnahmen geäußert. Mithin wäre es in den Augen der Analysten der Weberbank für Investoren falsch, sich aus Furcht nun vollständig aus den Märkten zu verabschieden. Vielmehr dürften die vor uns liegenden Schwankungen auch immer wieder Kaufgelegenheiten hervorbringen. Ein Überwinden der Corona-Epidemie könnte zu einer deutlichen Erholung der Märkte führen. Aufgrund der noch schwer abschätzbaren Lieferkettenprobleme sei es jedoch wahrscheinlich, dass sich diese Entwicklung bis deutlich ins zweite Quartal hinziehe. (06.03.2020/alc/a/a)


