Niederlande-Anleihe: Attraktiver Nachbar


13.06.12 16:09
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN NL0009348242 / WKN A1AS9E) der Niederlande unverändert für eine interessante Alternative gegenüber Bundesanleihen.

Die Staatsanleihe, emittiert vom Königreich der Niederlande, sei mit einem Kupon von 3,50% ausgestattet, laufe noch bis zum 15.07.2020 und weise eine Stückelung von 1,00 auf. Bei einem aktuellen Kurs von 113,01% biete das Papier eine jährliche Rendite von 1,62%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit der Bestnote von "Aaa" bewertet worden. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten nur ein minimales Kreditrisiko.

Nachdem sich die Lage an den Finanzmärkten zu Beginn des Jahres spürbar entspannt habe, seien die Märkte zuletzt wieder von mehr Unsicherheit geprägt gewesen. Vor allem die jüngsten Wahlergebnisse in Griechenland hätten die Kapitalmärkte auf eine harte Probe gestellt und nun stünden die Sparzusagen von Griechenland auf der Kippe. Die Märkte würden mit Spannung am Wochenende auf die Neuwahlen in Griechenland warten. Auch der angeschlagene spanische Bankensektor habe den Marktteilnehmern zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Am Wochenende sei nun bekannt geworden, dass der europäische Rettungsfonds EFSF dem spanischen Bankensektor Hilfsmittel von bis zu 100 Mrd. Euro zur Verfügung stellen werde, was nur kurzfristig für Entspannung an den Märkten gesorgt habe.

Es gebe sie noch: Staaten mit relativ geringer Verschuldung, einer stabilen Wirtschaft sowie Währung und soliden Aussichten. Neben den skandinavischen Ländern sei innerhalb Europas u.a. auch die Niederlande zu nennen, auch wenn das Land durch die jüngste Regierungskrise zuletzt stark in der Kritik gestanden habe.

Denn die Minderheitsregierung sei an dem neuen Sparpaket zerbrochen. Der Ministerpräsident Mark Rutte habe daraufhin seinen Rücktritt erklärt. Auf Bitte von Königin Beatrix übernehme er aber vorläufig noch die Regierungsgeschäfte. Neuwahlen seien erst für Herbst 2012 zu erwarten. Dennoch habe sich die Übergangsregierung Ende April auf einen Kompromiss verständigen können, um das geforderte Defizitziel für 2013 von 3% zu erreichen. Dies sei positiv zu werten, da ansonsten Ratingabstufungen durch die großen Ratingagenturen gedroht hätten.

Das Land habe sich von den Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise schnell erholt und nach einem BIP-Rückgang in 2009 um 4% sei es in 2010 wieder zu einem Wirtschaftswachstum von 1,7% gekommen. Im Verlaufe des Jahres 2011 seien die Niederlande aber im Zuge der europäischen Schuldenkrise wieder in eine Rezession gerutscht. Für 2012 rechne das Centrale Planbüro CPB, dessen Prognosen ausschlaggebend für den Haushalt der Regierung seien, mit einem Wirtschaftswachstum von 1%.

Die Staatsverschuldung der Niederlande sei mit 63,9% des Bruttoinlandsproduktes relativ moderat. Das Haushaltsdefizit solle bis Ende 2012 bei 2,9% des BIPs liegen. Ein wesentliches Problem der Niederlande sei jedoch die vergleichsweise hohe Verschuldung der privaten Haushalte.

Ähnlich wie Deutschland seien die Niederlande stark vom Export abhängig. Vor dem Hintergrund der Abkühlung der Weltkonjunktur dürfte somit die Exporttätigkeit der Niederlande, zumindest in der ersten Jahreshälfte, schwächer ausfallen. Ab der zweiten Jahreshälfte könnte dann im Zuge der zu erwartenden Stabilisierung der Weltwirtschaft auch der niederländische Export wieder anziehen. Diese Erwartung werde auch vom ZEW-Index aus Deutschland gestützt, der im April zum fünften Mal hintereinander gestiegen sei.

Nachdem die Risikoprämien für niederländische Anleihen im April kurz angezogen hätten, habe sich die Lage inzwischen wieder entspannt. Offensichtlich rechne der Markt mit einer politischen Stabilisierung.

Für Anleger, die nach Emittenten mit einem Top-Rating suchen würden und keine Währungsrisiken eingehen wollten, könnte die o.a. Anleihe der Niederlande weiterhin interessant sein. Denn diese notiere gut 0,6 Prozentpunkte über vergleichbaren Bundesanleihen. (Analyse vom 13.06.2012) (13.06.2012/alc/a/a)


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