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Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich
10.04.24 16:00
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Seit geraumer Zeit werden die Märkte von zwei großen Themen dominiert, so Karin Kunrath, Chief Investment Officer von Raiffeisen Capital Management.
Zum einen von der Aussicht auf Zinssenkungen und zum anderen vom Megatrend "Artificial Intelligence" (AI). Während Ersteres infolge der zähen Inflationsdynamik noch mit einer gewissen Unsicherheit verbunden sei, die insbesondere auf dem Anleihenmarkt laste, habe sich Letzteres spätestens seit dem Frühjahr 2023 als Antriebsfaktor für den Aktienmarkt fest etabliert und sei seitdem nicht mehr abgeflaut. Die wiederholten Berichte der in AI exponierten Unternehmen über die enorme Nachfrage und das damit verbundene Wachstumspotential für Technologie zur Implementierung entsprechender AI-Anwendungen und zur Steigerung der Produktivität in vielen Bereichen hätten den Trend zunehmend untermauert.
Immer öfter werde angesichts der jüngsten Kursrally der Vergleich mit der Marktphase rund um den Höhenflug der Internetaktien gegen Ende der 1990iger Jahre bemüht, denn natürlich würden am Aktienmarkt immer wieder bestehende Trends temporär übertrieben, Bewertungen hochgezogen und Zukunftspotenziale vorweg eingepreist. Das liege wohl in der vorauseilenden Charakteristik des Aktienmarktes. Der Vergleich mit den späten 1990iger Jahren hinke aber insofern, als die damals gehypten Internetaktien oftmals nach euphorischen Börsengängen erst kurz am Markt gewesen seien und viele dieser Firmen noch keine nennenswerten Umsätze oder gar Gewinne aufzuweisen gehabt hätten.
Die heutigen, nun auch im AI-Bereich dominierenden großen Tech-Unternehmen seien seit Jahren bzw. Jahrzehnten am Markt, würden über starke Geschäftsmodelle und Marktpositionen sowie einen langen Track-Record in der Umsatz- und Gewinnentwicklung verfügen. Darüber hinaus habe sich im Gegensatz zu damals die Marktbreite zuletzt deutlich ausgeweitet, wodurch der Aufwärtstrend von wesentlich mehr Sektoren und Einzeltiteln getragen werde.
Und im Bereich der Notenbankpolitik seien 1999/2000 die Leitzinsen merklich angehoben worden, während bislang für 2024 und auch für die Folgejahre von Zinssenkungen ausgegangen werde. Die jetzigen Rahmenbedingungen würden somit nicht wirklich vergleichbar mit jenen rund um die Jahrtausendwende erscheinen. Auch wenn es derzeit insbesondere an geopolitischen Spannungen nicht mangele und gewisse Risikofaktoren für temporäre Marktkorrekturen zweifelsfrei bestünden, würden die Experten weiterhin ein insgesamt konstruktives Marktumfeld für "risky assets" sehen. Ihre Positionierung bleibe daher offensiv ausgerichtet.
Staatsanleiherenditen hätten zuletzt keine eindeutige Richtung gefunden und seitwärts tendiert. Im Fokus des Interesses würden Inflationsraten bleiben. Diese würden zwar weiter sinken, doch die Zweifel an einer baldigen Rückkehr zum Inflationsziel von zwei Prozent würden bestehen bleiben. Womit die Manövriermöglichkeiten der Notenbanken hinsichtlich Zinssenkungen beschränkt bleiben würden.
An den Creditmärkten seien die High-Yield-Corporate-Risikoprämien im Vormonat angestiegen, während jene von Investmentgrade-Unternehmensanleihen weiter gesunken seien. Dies dürfte damit zu tun haben, dass kleiner High-Yield-Unternehmen zunehmend Probleme mit dem relativ hohen Zinsniveau bekämen und diese Anleiheklasse gleichzeitig aus bewertungstechnischer Sicht teuer bewertet sei. Für Investmentgrade-Unternehmensanleihen gelte dies hingegen weniger. Die Experten würden davon ausgehen, dass sie die Spreadrally hier noch nicht erschöpft habe.
Bei den Schwellenländeranleihen würden die Experten in Summe kein Abkoppeln der Anleihespreads von den Risikoprämien in den entwickelten Märkten erwarten. Emerging-Markets-Anleihen würden sich allerdings bewertungstechnisch ähnlich teuer wie High-Yield-Unternehmensanleihen zeigen.
Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen deutlich stärker präsentiert. Neben besser als erwarteten Konjunkturdaten (vor allem in den USA) hätten die Aktienmärkte in den letzten Wochen auch von einer guten Berichtssaison profitieren können. Die erneut gestiegenen Anleiherenditen seien hingegen fast spurlos an den Aktienmärkten vorübergegangen. Auch wenn die Gefahr für kurzfristige Rücksetzer angesichts der Performance in den letzten Wochen steige, würden die Experten aufgrund der günstigen Rahmenbedingungen im Aktienbereich positiv gestimmt bleiben.
Aktien aus den Emerging Markets hätten im März weiter zulegen können. Dennoch sei der Trend von schlechterer Wertentwicklung gegenüber entwickelten Aktien weiterhin aufrecht. Dies liege sehr stark darin begründet, dass das Gewinnmomentum in dieser Assetklasse weiterhin sehr durchwachsen sei. Die Positionierung internationaler Investoren gegenüber Emerging-Markets-Aktien sei weiterhin sehr vorsichtig, wenngleich die Bewertung einen langfristig guten Ertrag verspreche.
In den letzten Wochen habe sich der Energiebereich etwas fester präsentiert. Dieser habe von den geopolitischen Unsicherheiten und einer Angebotszurückhaltung profitiert. Das Ausmaß der Anstiege habe sich aber in Grenzen gehalten. Der Edelmetallbereich habe trotz gestiegener Anleiherenditen zuletzt weiter zulegen können, während sich die Industriemetalle unverändert schwach präsentieren würden. (10.04.2024/alc/a/a)
Zum einen von der Aussicht auf Zinssenkungen und zum anderen vom Megatrend "Artificial Intelligence" (AI). Während Ersteres infolge der zähen Inflationsdynamik noch mit einer gewissen Unsicherheit verbunden sei, die insbesondere auf dem Anleihenmarkt laste, habe sich Letzteres spätestens seit dem Frühjahr 2023 als Antriebsfaktor für den Aktienmarkt fest etabliert und sei seitdem nicht mehr abgeflaut. Die wiederholten Berichte der in AI exponierten Unternehmen über die enorme Nachfrage und das damit verbundene Wachstumspotential für Technologie zur Implementierung entsprechender AI-Anwendungen und zur Steigerung der Produktivität in vielen Bereichen hätten den Trend zunehmend untermauert.
Immer öfter werde angesichts der jüngsten Kursrally der Vergleich mit der Marktphase rund um den Höhenflug der Internetaktien gegen Ende der 1990iger Jahre bemüht, denn natürlich würden am Aktienmarkt immer wieder bestehende Trends temporär übertrieben, Bewertungen hochgezogen und Zukunftspotenziale vorweg eingepreist. Das liege wohl in der vorauseilenden Charakteristik des Aktienmarktes. Der Vergleich mit den späten 1990iger Jahren hinke aber insofern, als die damals gehypten Internetaktien oftmals nach euphorischen Börsengängen erst kurz am Markt gewesen seien und viele dieser Firmen noch keine nennenswerten Umsätze oder gar Gewinne aufzuweisen gehabt hätten.
Die heutigen, nun auch im AI-Bereich dominierenden großen Tech-Unternehmen seien seit Jahren bzw. Jahrzehnten am Markt, würden über starke Geschäftsmodelle und Marktpositionen sowie einen langen Track-Record in der Umsatz- und Gewinnentwicklung verfügen. Darüber hinaus habe sich im Gegensatz zu damals die Marktbreite zuletzt deutlich ausgeweitet, wodurch der Aufwärtstrend von wesentlich mehr Sektoren und Einzeltiteln getragen werde.
Und im Bereich der Notenbankpolitik seien 1999/2000 die Leitzinsen merklich angehoben worden, während bislang für 2024 und auch für die Folgejahre von Zinssenkungen ausgegangen werde. Die jetzigen Rahmenbedingungen würden somit nicht wirklich vergleichbar mit jenen rund um die Jahrtausendwende erscheinen. Auch wenn es derzeit insbesondere an geopolitischen Spannungen nicht mangele und gewisse Risikofaktoren für temporäre Marktkorrekturen zweifelsfrei bestünden, würden die Experten weiterhin ein insgesamt konstruktives Marktumfeld für "risky assets" sehen. Ihre Positionierung bleibe daher offensiv ausgerichtet.
An den Creditmärkten seien die High-Yield-Corporate-Risikoprämien im Vormonat angestiegen, während jene von Investmentgrade-Unternehmensanleihen weiter gesunken seien. Dies dürfte damit zu tun haben, dass kleiner High-Yield-Unternehmen zunehmend Probleme mit dem relativ hohen Zinsniveau bekämen und diese Anleiheklasse gleichzeitig aus bewertungstechnischer Sicht teuer bewertet sei. Für Investmentgrade-Unternehmensanleihen gelte dies hingegen weniger. Die Experten würden davon ausgehen, dass sie die Spreadrally hier noch nicht erschöpft habe.
Bei den Schwellenländeranleihen würden die Experten in Summe kein Abkoppeln der Anleihespreads von den Risikoprämien in den entwickelten Märkten erwarten. Emerging-Markets-Anleihen würden sich allerdings bewertungstechnisch ähnlich teuer wie High-Yield-Unternehmensanleihen zeigen.
Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen deutlich stärker präsentiert. Neben besser als erwarteten Konjunkturdaten (vor allem in den USA) hätten die Aktienmärkte in den letzten Wochen auch von einer guten Berichtssaison profitieren können. Die erneut gestiegenen Anleiherenditen seien hingegen fast spurlos an den Aktienmärkten vorübergegangen. Auch wenn die Gefahr für kurzfristige Rücksetzer angesichts der Performance in den letzten Wochen steige, würden die Experten aufgrund der günstigen Rahmenbedingungen im Aktienbereich positiv gestimmt bleiben.
Aktien aus den Emerging Markets hätten im März weiter zulegen können. Dennoch sei der Trend von schlechterer Wertentwicklung gegenüber entwickelten Aktien weiterhin aufrecht. Dies liege sehr stark darin begründet, dass das Gewinnmomentum in dieser Assetklasse weiterhin sehr durchwachsen sei. Die Positionierung internationaler Investoren gegenüber Emerging-Markets-Aktien sei weiterhin sehr vorsichtig, wenngleich die Bewertung einen langfristig guten Ertrag verspreche.
In den letzten Wochen habe sich der Energiebereich etwas fester präsentiert. Dieser habe von den geopolitischen Unsicherheiten und einer Angebotszurückhaltung profitiert. Das Ausmaß der Anstiege habe sich aber in Grenzen gehalten. Der Edelmetallbereich habe trotz gestiegener Anleiherenditen zuletzt weiter zulegen können, während sich die Industriemetalle unverändert schwach präsentieren würden. (10.04.2024/alc/a/a)


