Neuer Trend: Staatsanleihen als Zockerpapiere, Währungsanleihen - ein Stern über Euroland?


06.12.12 14:52
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - "Athen macht seinen Gläubigern ein attraktives Angebot" war in großen Lettern auf den Titelseiten der Zeitungen zu lesen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Im Rahmen eines 10 Mrd. Euro umfassenden Rückkaufprogramms biete Griechenland für die Bonds mit Laufzeiten von 2023 bis 2042 im Schnitt 33,1% des Nominalwertes. In einer so genannten Holländischen Auktion werde der Anleger die Möglichkeit haben, in vordefinierten Spannen den Preis anzugeben, zu dem er seine Papiere verkaufen würde.

Der Rückkauf beziehe sich auf Anleihen mit einem Volumen von 62 Mrd. Euro, die Griechenland im Rahmen seiner Umstrukturierung im März den Privatinvestoren eingebucht habe. Es sei allerdings ein Irrtum zu glauben, dass dem Anleger beim Verkauf Geld überwiesen werde. Stattdessen würden ihm Zerobonds mit sechsmonatiger Laufzeit vom EFSF ins Depot eingebucht. Die Banken würden sich sicherlich mit entsprechenden Gebühren bei den Privatinvestoren "bedanken".

Das Angebot möge ja mit Blick auf die aktuellen Kurse attraktiv erscheinen, aber es dürfte vielen Anlegern wie der blanke Hohn vorkommen, hätten sie doch bereits im März auf 70% ihres angelegten Kapitals verzichtet. Man stelle sich mal vor, dass ein Schuldner zu seiner Hausbank gehe und vorschlage: "Ich zahle 35% meiner Schulden zurück und dann sind wir quitt". Die Verhaftung bzw. Einweisung in die Psychiatrie wäre die logische Konsequenz.

Attraktiv sei das Angebot allenfalls für den Schuldner, der mit dem Geld der europäischen Steuerzahler Anleihen mit einem Nominalwert von ca. 33 Mrd. Euro zurückkaufen dürfte. Dennoch wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein und Griechenland könnte seine Schulden lediglich um ca. 20 Mrd. Euro senken. Faszinierend hierbei sei dabei, dass man mit geliehenem Geld anderes geliehenes Geld zurückzahle, also aus Nichts etwas schaffe.

Kein Wunder, dass Anlegerschutzvereinigungen ihren Mitgliedern empfehlen würden, nicht auf das Angebot einzugehen, weil sie sonst auch jede rechtliche Grundlage für einen Prozess aus der Hand geben würden.

Die Wiederwahl von Barack Obama sei zwar auch schon wieder Geschichte, aber die Angst vor der Fiskalklippe ("fiscal cliff") sei den Anlegern erhalten geblieben. Auch wenn allen beteiligten Parteien klar sei, dass sich die USA ein Scheitern der Verhandlungen nicht leisten könnten, sei eine Einigung noch nicht in Sicht. Erst kürzlich habe Präsident Obama den Kompromissvorschlag der Republikaner abgelehnt und somit die Muskeln spielen lassen. So könne das Spielchen noch einige Tage ablaufen. Härte demonstrieren und anschließend den Kompromiss als eigenen Erfolg verkaufen, so die Analysten der Baader Bank. Das höre sich nicht nach einer ruhigen und besinnlichen Vorweihnachtszeit an.

Falls allerdings vor dem 1. Januar keine Einigung erzielt werde, könnte das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 4% sinken. Es sei zu befürchten, dass die Amerikaner ohnehin bis spätestens Anfang März die Verschuldungsgrenze erhöhen müssten. Würden die Verhandlungen scheitern, sei für Amerika eine Rezession zu befürchten. Das würde allerdings die Weltwirtschaft ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen. Experten würden sich fragen, wieso die Amerikaner immer wieder mit dem Finger auf die Probleme der Eurozone und insbesondere Griechenlands zeigen würden. Die Gefahr lauere doch eher im eigenen Garten!

Von einer "staden Zeit" zu sprechen, würde den wahren Begebenheiten am Markt für Unternehmensanleihen nicht entsprechen. So habe bereits am vergangenen Donnerstag das Unternehmen Bilfinger & Berger SE (ISIN DE0005909006 / WKN 590900) ein bemerkenswertes Debüt am Primärmarkt für Euro-Corporates gegeben.

Der börsennotierte, international tätige Bau- und Dienstleistungs-Konzern mit S&P-Rating BBB+ habe eine Anleihe über 500 Mio. Euro emittiert. Die Anleihe mit Fälligkeit im Dezember 2019 und einem Kupon von 2,375% sei bei 99,892% gepreist worden, was einem Spread von 115 BP über Midswaps entsprochen habe. Wie groß der Anlagebedarf der Investoren aktuell immer noch sei, verdeutliche die Tatsache, dass die Anleihe nach der Zuteilung bereits in den ersten Handelsstunden bei 102,00% gehandelt worden sei.

Am Dienstag dieser Handelswoche habe die METRO AG (ISIN DE0007257503 / WKN 725750) eine Unternehmensanleihe mit einem Kupon von 2,25% p.a., einer Laufzeit von 5,5 Jahren und einem Volumen von ebenfalls 500 Mio. Euro emittiert. Zeichnungsaufträge im Volumen von ca. 3,2 Mrd. Euro würden wiederum die hohe Nachfrage verdeutlichen und somit sei die Zuteilung bei einem Kurs von 99,488% erfolgt, was einem Spread von 150 BP über Midswaps entsprochen habe.

Ebenso über große Nachfrage habe sich die Deutsche Post AG (Baa1/BBB+) erfreuen können. Emittiert worden seien zwei Tranchen mit einer Laufzeit von acht bzw. zwölf Jahren. Die finalen Orderbücher hätten bei insgesamt 3,5 Mrd. Euro für beide Tranchen zusammengelegt. Die kürzer laufende Anleihe mit Fälligkeit Dezember 2020 sei bei 60 BP über Midswaps gepreist worden. Dies habe einem Kurs von 99,048% für die 300 Mio. Euro große Anleihe mit einem Kupon von 1,875% entsprochen. Die zweite Tranche mit Rückzahlungstermin Dezember 2024 biete ihren Investoren einen Kupon von 2,875%. Dieser 700 Mio. Euro große Teil sei bei 99,75% begeben worden. Dies habe einem Spread von 100 BP über Midswaps entsprochen.

In ebenfalls zwei Tranchen habe Rio Tinto, ein multinationales Bergbauunternehmen mit Sitz in Großbritannien, Anleihen im Wert von 1,25 Mrd. Euro emittiert. Die 750 Mio. Euro Tranche mit Fälligkeit November 2020 sei bei einem Kurs von 99.271% gepreist worden. Dies habe bei einem Kupon von 2,00% einem Spread von 80 BP über Midswaps entsprochen. Für die zweite Tranche im Volumen von 500 Mio. Euro und Fälligkeit im Dezember 2024 sei als Kupon 2.875% fixiert worden. Gepreist worden sei diese halbe Mrd. Euro bei 110 BP über Midswaps.

Griechische Tragödie nächster Akt: "Raus aus den Schulden" oder "Wie zieht Griechenland den Kopf aus der Pleite-Schlinge?" Das Maßnahmenpaket zur Rettung Griechenlands erscheine Außenstehenden wie die Schuldnerberatung von Peter Zwegat in der Sendung von RTL. Aus allen Ecken und Enden hätten die Eurokraten Millionen- und Milliardenbeträge zusammengekratzt, um Griechenland noch einmal vor einem Schuldenschnitt zu bewahren.

Die Beträge sollten Athen noch einmal ein wenig Zeit schenken oder eher Angela Merkel Luft bis zur nächsten Wahl geben. Lange Zeit habe auch die Kanzlerin den Schuldenschnitt kategorisch abgelehnt, doch inzwischen rudere sie mit folgenden Worten vorsichtig zurück: "Wenn Griechenland eines Tages wieder mit seinen Einnahmen auskommt, ohne neue Schulden aufzunehmen, dann müssen wir die Lage anschauen und bewerten." Dadurch seien auch die Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble pulverisiert worden, der einen Schuldenschnitt noch vor wenigen Tagen ausgeschlossen habe.

Seiner Ansicht nach würde ein Schuldenschnitt Anreize für ein Nachlassen der griechischen Reformbemühungen setzen und mit einem Haircut oder ähnlichen Maßnahmen würde man sich auch den Weg für weitere Garantien verstellen. Doch es sei tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis die Bundesregierung ein weiteres Versprechen brechen werde. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit werde das deutlich vor dem von Merkel in Aussicht gestellten Zeitraum 2014/15 der Fall sein.

Da ein Gesamtkonzept mit Reformen und ein Plan zum Wiederaufbau fehlen würden, werde Griechenland ein Krisenland bleiben. Der Schuldenberater Peter Zwegat würde sicherlich zur Privatinsolvenz raten oder die weitere Betreuung wegen der fehlenden Reformbereitschaft ablehnen. Aber nicht unsere Politiker, so die Analysten der Baader Bank.

Die Großzügigkeit gegenüber Griechenland habe inzwischen Begehrlichkeiten anderer Staatsregierungen geweckt. Denn wenn einem Land mit solch einer geringen Wirtschaftsleistung bereits Sonderkonditionen eingeräumt würden, dann dürfe es nicht verwunderlich sein, wenn volkswirtschaftlich wichtigere Staaten nun ihre Karten ausspielen würden.

Wie werden unsere Politiker auf die nun auf uns zurollenden Nachverhandlungen reagieren, fragen sich die Analysten der Baader Bank. Das sei die große Gretchenfrage. Man könne nur immer wieder betonen, dass die Fehler bereits vor vielen Jahren gemacht worden seien, als man ein Scheitern kategorisch von sich gewiesen habe und die Möglichkeit einer Auszeit oder einen Austritt für einzelne Mitgliedsstaaten nicht bedacht habe. Normalerweise müsste man diese blauäugigen Politiker nachträglich noch zur Verantwortung ziehen.

Das wird aber nicht mehr geschehen und so stehen wir nun den Solidaritätsforderungen der "Lebenskünstler" gegenüber, so die Analysten der Baader Bank.

Noch vor Monaten hätten sich Investoren pro Sicherheit und contra Risiko entschieden. Infolge der niedrigen zu erzielenden Renditen bei den bisher sicheren Emittenten habe sich dieser Trend aber inzwischen umgekehrt. Nicht zuletzt durch die Ankündigung seitens des EZB-Präsidenten Mario Draghi, unbegrenzt Staatsanleihen von Eurostaaten unter bestimmten Voraussetzungen anzukaufen, sei der Markt in Bewegung geraten. Die Renditeunterschiede der Anleihen von Wackelkandidaten gegenüber deutschen Staatsanleihen seien kräftig zusammengeschmolzen. Auch die Ankündigung Athens bezüglich des Rückkaufs eigener Schuldentitel habe diesen Trend noch verstärkt.

Anscheinend hätten die Uneinigkeit und das zeitweise fehlende Konzept in Euroland dazu geführt, dass sich die "Pennystock-Liebhaber" eine neue Assetklasse zum Spielen ausgeschaut hätten. Dennoch hätten sicherlich viele dieser Spieler bei der ersten Griechenlandkrise Lehrgeld bezahlen müssen, denn damals sei das Muster noch anders gewesen.

Auch in dieser Woche habe am Markt für Zinsprodukte reges Treiben geherrscht. Weiterhin seien insbesondere die US-Fiskalklippe und die finanzpolitische Lage in Griechenland und Spanien die marktbestimmenden Themen gewesen. Zu Beginn der Handelswoche sei das Sorgenbarometer Euro-Bund-Future, nach dem Hilfsantrag Spaniens für notleidende Banken und der Veröffentlichung des relativ "großzügigen" Rückkaufangebots der Hellenen, bis auf 142,07% zurückgefallen.

Allerdings habe der Zinsfuture wie ein Bungeeseil reagiert und binnen Kürze sei er wieder in den Bereich von 143,35% zurückgekehrt. Die bisher bekannten Unterstützungs- und Widerstandslinien würden sich infolge des heutigen Kontraktwechsels allerdings um ca. 170 BP nach oben verschieben. Somit werde von den Chartanalysten die neue Tradingrange im Bereich zwischen 143,75% (Tief vom 03.12.) und 145,23% (Hoch vom 13.11.) gesehen.

Die Volatilität wird uns auch im neuen Jahr erhalten bleiben, denn die Fiskalklippe ist noch lange nicht umschippert, um nur einen Einflussfaktor zu benennen, so die Analysten der Baader Bank. Eine Lösung werde es zwar geben, aber die Frage werde sein: "Wann und wie viel Vertrauen wurde bis zu diesem Zeitpunkt an den Börsen bereits zerstört?"

Auch in dieser Woche hätten diverse Staaten Altemissionen aufgestockt und so den Investoren die erforderlichen Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten zur Verfügung stellen können.

So habe zum Beispiel Spanien Anleihen mit verschiedenen Fälligkeiten im Volumen von 4,3 Mrd. Euro platzieren können. Die Begebung der Anleihen könne durchaus als gelungen bezeichnet werden. So sei u.a. die Tranche bis 2019 2,5-fach überzeichnet gewesen und die zehnjährige Anleihe sei bei einer Rendite von 5,29% (nach 5,458%) zugeteilt worden.

Auch der EFSF habe trotz der kürzlichen Herabstufung durch die Rating-Agentur Moody's 3-Monatstitel im Volumen von 1,432 Mrd. Euro begeben können. Die Nachfrage sei bei einer 3,6-fachen Überzeichnung sogar höher als vorher gewesen und die Rendite von -0,047% (nach -0,029%) spiegle ebenfalls eine andere Wertschätzung seitens der Investoren wider.

Im Gegensatz zum EFSF habe Deutschland noch sein AAA Rating und könne für sich auch bei längeren Laufzeiten negative Renditen in Anspruch nehmen. So habe beispielsweise am gestrigen Mittwoch im Zuge der Aufstockung der aktuellen zweijährigen Bundesschatzanweisungen die Zuteilung der 1,9-fach überzeichneten Wertpapiere bei einer Durchschnittsrendite von -0,01% erfolgen können. Das Gesamtvolumen belaufe sich nach der Aufstockung um 4 Mrd. Euro nun auf insgesamt 9 Mrd. Euro.

In der Eurozone helle sich aktuell die Stimmung etwas auf und Zuversicht bezüglich der Zukunft des Euros mache sich breit. Angesichts der vorweihnachtlichen Zeit könne man zwar nicht von einem Stern über Euroland sprechen, aber die europäische Gemeinschaftswährung habe kräftig von den Entscheidungen in Griechenland und Spanien profitiert. Somit konnte die Hürde bei 1,30 USD mit Leichtigkeit überwunden werden und der Euro habe sich angeschickt, bei 1,3126 USD ein neues 6-Wochen-Hoch zu erklimmen.

Momentan scheine es so, dass die psychologisch wichtige Marke von 1,30 USD nachhaltig gehalten werden könne. Denn an einem schwachen Euro seien die anderen Industrienationen grundsätzlich nicht interessiert und sollte sich in den USA keine fiskal-politische Lösung ergeben, so wäre auch dies positiv für den Euro.

Allerdings nicht nur gegenüber dem Greenback, sondern auch im Vergleich zu den anderen Dollarwährungen habe die Gemeinschaftswährung fester tendiert. Zusätzlich habe der Euro mit 2,7873 BRL ein neues 3,5- Jahres-Hoch zum Brasilianischen Real markiert, was wiederum in Brasilien sicherlich zum Schutze der heimischen Wirtschaft positiv gesehen werde.

Auch wenn sich die Lage in der Eurozone etwas entspanne, würden die Anleger weiter auf der Suche nach Alternativen zum Euro bleiben. So würden Fremdwährungsanleihen, insbesondere auf Norwegische Kronen, Australische Dollar sowie Brasilianische Real lautend, immer wieder in den Fokus der Privatanleger geraten. Denn speziell die Korrektur des Brasilianischen Reals könnte auch eine Chance für Euroskeptiker darstellen.

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