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Neue Schweizer Banknoten und die Implikationen für die Geldpolitik


05.04.16 10:36
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die Erstausgabe des neuen 50-CHF-Scheins wird keinen direkten Einfluss auf den Frankenkurs habe, so Ursina Kubli, Ökonomin, Bank J. Safra Sarasin AG.

Bemerkenswert sei die Neulancierung trotzdem. Die SNB werde auch in der neuen Banknotenserie an der Höchstnotierung, dem 1.000-Franken-Schein festhalten. Die Noten würden sogar etwas kleiner sein, sodass die Lagerhaltungskosten von Franken noch tiefer würden. Bereits bei Negativzinsen von -0,75% lasse sich eine vermehrte Hortung von Bargeld beobachten und limitiere den geldpolitischen Handlungsspielraum der SNB.

Monopoly-Fans dürften sich freuen. Bei der neuen 50er Note handle es sich nicht um Spielgeld, sondern um die erste Note der bereits lange geplanten Banknotenserie, welche die Schweizerische Nationalbank ab dem 12. April in Umlauf bringen werde. Während die Lancierung der neuen Noten und insbesondere deren langen Verzögerung viel Gerede ergeben habe, werde die Ausgabe des neuen 50er Scheins keinen direkten Einfluss auf den Frankenkurs haben. Bemerkenswert sei die neue Lancierung trotzdem. Schließlich werde die SNB auch in der neuen Banknotenserie an der höchsten Notierung, dem 1.000-Franken-Schein, festhalten. Dies sei ganz im Gegensatz zu den Plänen der Europäischen Zentralbank, den 500-Euro-Schein in naher Zukunft abzuschaffen. Die 500-Euro-Note werde insbesondere für illegale Aktivitäten genutzt, habe der EZB-Präsident Mario Draghi im Februar betont.

Der Entscheid der SNB, die 1.000er Franken-Note weiterzuführen, dürfte direkte Implikationen für die Schweizer Geldpolitik haben. Schließlich gelte die einfache Regel: je höher die Notierungen der Währungen seien, desto einfacher und damit auch günstiger könne Bargeld gelagert werden. Ein möglicher Ansturm auf Bargeld limitiere jedoch den Wirkungsgrad von Negativzinsen. In der akademischen Literatur gebe es viele Verfechter der Meinung, dass Negativzinsen nur dann funktionieren würden, wenn das Bargeld sogar ganz abgeschafft werde. Tatsächlich dürfte die Schmerzensgrenze bei Negativzinsen an einem bestimmten Punkt erreicht sein, ab welchem die Bankguthaben abgezogen würden, um Negativzinsen zu umgehen.

Das unabhängige Forschungsinstitut Capital Economics habe in einem Report im Februar berechnet, wie leicht sich 1 Milliarde US-Dollar in den einzelnen Währungen verstauen lassen würden. In keiner einzigen Währung lasse sich 1 Milliarde US-Dollar so einfach lagern wie beim Schweizer Franken. Dem Franken komme sogar eine höhere Wertedichte zu als Gold. Da die neuen Banknoten noch kleiner seien als die bisherigen Scheine, werde sich 1 Milliarde künftig sogar auf noch geringerem Raum verstauen lassen. Damit dürfte die Schmerzensgrenze in der Schweiz früher erreicht sein.

Mit Negativzinsen von -0,75% sei die SNB im internationalen Vergleich bereits sehr weit gegangen. Mit den gegenwärtigen Ausnahmeregelungen sei der Bankkunde in der Regel jedoch von Negativzinsen verschont geblieben. Trotzdem sei bereits heute eine vermehrte Bargeldhortung auszumachen. Die 1.000er Scheine würden mehr als 60% des Wertes der sich im Umlauf befindlichen Noten ausmachen. Dieser Anteil sei in den letzten Jahren gestiegen. Ein erster sprunghafter Anstieg sei im September 2008 zu beobachten gewesen aufgrund der Ängste, dass weitere Banken dem Zahlungsausfall von Lehman folgen könnten. Ein zweiter merklicher Anstieg habe im Januar 2015 stattgefunden, als die SNB die Negativzinsen auf -0,75% erhöht habe. Seither sei die Bargeldhortung stabil geblieben. Die Schmerzensgrenze sei offenbar noch nicht erreicht. Doch die Negativzinsen würden ein Experiment bleiben. Die 1.000er Noten würden die geldpolitischen Entscheide der SNB nicht erleichtern. (05.04.2016/alc/a/a)