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Nervöse Rentenmärkte
06.09.24 13:46
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Mit den anstehenden September-Sitzungen der EZB (12.09.) und der FED (18.09.) haben die Märkte in den letzten Tagen erhebliche Bewegungen gezeigt, insbesondere bei den Renditen auf den Rentenmärkten in den USA und Deutschland, die tendenziell gesunken sind, so Dr. Tariq Chaudhry von der Hamburg Commercial Bank.
Die Renditen der zehnjährigen T-Notes lägen derzeit bei 3,77%, während die der Bunds bei 2,21% stünden. Rezessionsängste in den USA würden sich verstärken, was durch schwache Aussichten im US-Industriesektor, dargestellt durch den ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, sowie eine Abkühlung des Arbeitsmarktes, repräsentiert durch die schwachen JOLTS-Daten, untermauert werde.
Zudem sorge ein Verfahren des US-Justizministeriums gegen den Chipkonzern NVIDIA für Unsicherheit. NVIDIA, ein Schwergewicht im US-Aktienmarkt, habe den größten Kursrutsch seit Anfang August herbeigeführt. Auch am Ölmarkt habe es Bewegung gegeben; der Brent-Preis sei aufgrund von Spekulationen über eine mögliche Wiederaufnahme der Ölförderung in Libyen gefallen.
In der Eurozone seien die konjunkturellen Signale gemischt: Die Verbraucherpreise würden sich dem Inflationsziel der EZB annähern, während die Erzeugerpreise so stark steigen würden wie seit 2022 nicht mehr. Trotz dieser gemischten Signale bleibe HCOB Economics überzeugt, dass eine Zinssenkung der EZB im September fast sicher sei und bis Jahresende die letzte bleiben werde. Bei der FED sei eine Zinssenkung im September ebenfalls wahrscheinlich, und HCOB Economics rechne mit einer weiteren Zinssenkung bis Jahresende.
In der US-Wirtschaft wachse die Nervosität, da Anleger befürchten würden, dass die FED angesichts des aktuellen Wirtschaftszustands bei Zinssenkungen hinterherhinke. Diese Sorgen seien durch jüngste Konjunkturdaten bestärkt worden. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei im August 2024 zwar leicht auf 47,2 geblieben, sei jedoch unter den Erwartungen von 47,5 geblieben und habe den 21. monatlichen Rückgang der US-Fabrikaktivität in den letzten 22 Monaten markiert.
Besonders beunruhigend sei der deutliche Rückgang bei den Auftragseingängen gewesen, die von 47,4 im Vormonat auf 44,6 gefallen seien, was wenig Hoffnung auf eine baldige Erholung im Industriesektor biete. Auch der Arbeitsmarkt zeige Anzeichen einer Abkühlung. Die JOLTS-Daten hätten gezeigt, dass die offenen Stellen im Juli deutlich stärker als erwartet auf rund 7,67 Millionen gesunken seien, den niedrigsten Stand seit Januar 2021. Das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen sei auf 1,07 gefallen, das niedrigste Niveau seit 2018 und weit entfernt von der Ratio von 1,8 im Frühjahr 2023.
Am Aktienmarkt habe der US-Chiphersteller NVIDIA für Turbulenzen gesorgt, nachdem sein Börsenwert an einem einzigen Tag um 279 Milliarden Dollar gefallen sei. Die wachsenden Zweifel der Investoren an der Zukunft des KI-Spezialisten seien verstärkt worden durch Berichte, dass das US-Justizministerium wegen dessen Marktstellung im KI-Chip-Sektor Ermittlungen aufgenommen habe. Auch der Ölmarkt habe einen deutlichen Preisrutsch erlebt. Die Brent-Rohölpreise hätten mit 73,67 USD pro Barrel den Jahrestiefstand erreicht, und die US-Benchmark West Texas Intermediate sei um 4,5% auf 70,25 USD gefallen. Die Rückgänge seien durch Spekulationen ausgelöst worden, dass ein Ende des Konflikts zwischen politischen Gruppierungen in Libyen die Ölförderung wieder ankurbeln könnte.
In der Eurozone hätten jüngst vor allem Inflationsdaten im Fokus gestanden. Die jährliche Inflationsrate sei im August 2024 auf 2,2% von 2,6% im Juli gesunken und damit den Markterwartungen entsprochen. Dies sei der niedrigste Anstieg der Verbraucherpreise seit Juli 2021 und markiere eine Abkehr von der zuvor hartnäckig hohen Inflation über der 2,5%-Schwelle. Ein entgegengesetztes Signal sei jedoch von den Erzeugerpreisen gekommen: Im Juli 2024 seien die Erzeugerpreise im Euroraum um 0,8% gegenüber dem Vormonat gestiegen - der stärkste Anstieg seit Dezember 2022. Dieser Zuwachs habe deutlich über den erwarteten 0,3% gelegen und sei vor allem durch höhere Energiepreise getrieben worden (2,8% gegenüber 1,8% im Juni).
Trotz der deutlich gesunkenen Inflation in der Eurozone bleibe der künftige geldpolitische Kurs der EZB umstritten. EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau befürworte eine Zinssenkung im September, um eine mögliche Unterschreitung des Inflationsziels zu vermeiden. Dem widerspreche Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, der vor einer zu schnellen Lockerung warne, da die Inflation noch nicht auf 2% gesenkt sei.
Die Futuremärkte scheinen sich jedoch auf Zinssenkungen einzustellen und würden bereits zweieinhalb Schritte bis Jahresende einpreisen. Ähnliche Vorsicht zeige sich bei der FED. Raphael Bostic, Präsident der Atlanta FED, sehe noch keinen ausreichenden Fortschritt bei der Inflation und rate, auf weitere Daten zu warten, bevor Zinssenkungen erfolgen würden. Er warne davor, die Zinsen zu senken, nur um sie später wieder anheben zu müssen. Die Futuremärkte hingegen seien optimistischer und würden viereinhalb Zinssenkungen bei der FED bis Jahresende einpreisen.
Für die FED könnten in den kommenden Tagen entscheidende Konjunkturdaten anstehen, die ihre geldpolitische Entscheidung am 18.09. stark beeinflussen würden. An erster Stelle stehe der US-Arbeitsmarktbericht (06.09.), der eine Vielzahl wichtiger Datenpunkte enthalte. Sollten diese die Erwartungen deutlich verfehlen, könnte dies zu erheblichen Kursrückgängen bei den Renditen führen.
Auch die US-Verbraucherpreise (11.09.) würden aufmerksam verfolgt. Ein stärker als erwarteter Rückgang würde die Rezessionsspekulationen verstärken und den Druck auf FED-Chef Jerome Powell erhöhen, im September eine kräftigere Zinssenkung vorzunehmen und weitere Zinssenkungen bis Jahresende einzuplanen. Der HCOB Nowcast rechne mit einem Rückgang der Inflation von 2,9% auf 2,6% im Jahresvergleich für August.
In der Eurozone stünden ebenfalls wichtige Veröffentlichungen bevor. Die kommenden Industrieproduktionsdaten aus Deutschland stünden im Fokus, da sie als zentraler Indikator für die wirtschaftliche Aktivität gelten würden. Während der LKW-Mautindex im Juli kaum Bewegung gezeigt habe und auf eine stabile Produktionsentwicklung hindeute, gebe es auch besorgniserregende Signale: Jüngst seien die Industrieumsätze gesunken, was darauf hindeuten könnte, dass die Industrieproduktion doch unter Druck geraten sein könnte. Ein Rückgang könnte die bestehenden Konjunktursorgen verstärken und die Debatte über den künftigen geldpolitischen Kurs der EZB beeinflussen.
Auch die Einzelhandelsumsätze der Eurozone (09.09.) würden von der EZB genau beobachtet. Laut Bloomberg-Konsensprognose dürften diese im Mai um 0,1% gegenüber dem Vormonat gestiegen sein, nach einem Rückgang von 0,2% im Vormonat. (Ausgabe vom 05.09.2024) (06.09.2024/alc/a/a)
Die Renditen der zehnjährigen T-Notes lägen derzeit bei 3,77%, während die der Bunds bei 2,21% stünden. Rezessionsängste in den USA würden sich verstärken, was durch schwache Aussichten im US-Industriesektor, dargestellt durch den ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, sowie eine Abkühlung des Arbeitsmarktes, repräsentiert durch die schwachen JOLTS-Daten, untermauert werde.
Zudem sorge ein Verfahren des US-Justizministeriums gegen den Chipkonzern NVIDIA für Unsicherheit. NVIDIA, ein Schwergewicht im US-Aktienmarkt, habe den größten Kursrutsch seit Anfang August herbeigeführt. Auch am Ölmarkt habe es Bewegung gegeben; der Brent-Preis sei aufgrund von Spekulationen über eine mögliche Wiederaufnahme der Ölförderung in Libyen gefallen.
In der Eurozone seien die konjunkturellen Signale gemischt: Die Verbraucherpreise würden sich dem Inflationsziel der EZB annähern, während die Erzeugerpreise so stark steigen würden wie seit 2022 nicht mehr. Trotz dieser gemischten Signale bleibe HCOB Economics überzeugt, dass eine Zinssenkung der EZB im September fast sicher sei und bis Jahresende die letzte bleiben werde. Bei der FED sei eine Zinssenkung im September ebenfalls wahrscheinlich, und HCOB Economics rechne mit einer weiteren Zinssenkung bis Jahresende.
In der US-Wirtschaft wachse die Nervosität, da Anleger befürchten würden, dass die FED angesichts des aktuellen Wirtschaftszustands bei Zinssenkungen hinterherhinke. Diese Sorgen seien durch jüngste Konjunkturdaten bestärkt worden. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei im August 2024 zwar leicht auf 47,2 geblieben, sei jedoch unter den Erwartungen von 47,5 geblieben und habe den 21. monatlichen Rückgang der US-Fabrikaktivität in den letzten 22 Monaten markiert.
Besonders beunruhigend sei der deutliche Rückgang bei den Auftragseingängen gewesen, die von 47,4 im Vormonat auf 44,6 gefallen seien, was wenig Hoffnung auf eine baldige Erholung im Industriesektor biete. Auch der Arbeitsmarkt zeige Anzeichen einer Abkühlung. Die JOLTS-Daten hätten gezeigt, dass die offenen Stellen im Juli deutlich stärker als erwartet auf rund 7,67 Millionen gesunken seien, den niedrigsten Stand seit Januar 2021. Das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen sei auf 1,07 gefallen, das niedrigste Niveau seit 2018 und weit entfernt von der Ratio von 1,8 im Frühjahr 2023.
In der Eurozone hätten jüngst vor allem Inflationsdaten im Fokus gestanden. Die jährliche Inflationsrate sei im August 2024 auf 2,2% von 2,6% im Juli gesunken und damit den Markterwartungen entsprochen. Dies sei der niedrigste Anstieg der Verbraucherpreise seit Juli 2021 und markiere eine Abkehr von der zuvor hartnäckig hohen Inflation über der 2,5%-Schwelle. Ein entgegengesetztes Signal sei jedoch von den Erzeugerpreisen gekommen: Im Juli 2024 seien die Erzeugerpreise im Euroraum um 0,8% gegenüber dem Vormonat gestiegen - der stärkste Anstieg seit Dezember 2022. Dieser Zuwachs habe deutlich über den erwarteten 0,3% gelegen und sei vor allem durch höhere Energiepreise getrieben worden (2,8% gegenüber 1,8% im Juni).
Trotz der deutlich gesunkenen Inflation in der Eurozone bleibe der künftige geldpolitische Kurs der EZB umstritten. EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau befürworte eine Zinssenkung im September, um eine mögliche Unterschreitung des Inflationsziels zu vermeiden. Dem widerspreche Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, der vor einer zu schnellen Lockerung warne, da die Inflation noch nicht auf 2% gesenkt sei.
Die Futuremärkte scheinen sich jedoch auf Zinssenkungen einzustellen und würden bereits zweieinhalb Schritte bis Jahresende einpreisen. Ähnliche Vorsicht zeige sich bei der FED. Raphael Bostic, Präsident der Atlanta FED, sehe noch keinen ausreichenden Fortschritt bei der Inflation und rate, auf weitere Daten zu warten, bevor Zinssenkungen erfolgen würden. Er warne davor, die Zinsen zu senken, nur um sie später wieder anheben zu müssen. Die Futuremärkte hingegen seien optimistischer und würden viereinhalb Zinssenkungen bei der FED bis Jahresende einpreisen.
Für die FED könnten in den kommenden Tagen entscheidende Konjunkturdaten anstehen, die ihre geldpolitische Entscheidung am 18.09. stark beeinflussen würden. An erster Stelle stehe der US-Arbeitsmarktbericht (06.09.), der eine Vielzahl wichtiger Datenpunkte enthalte. Sollten diese die Erwartungen deutlich verfehlen, könnte dies zu erheblichen Kursrückgängen bei den Renditen führen.
Auch die US-Verbraucherpreise (11.09.) würden aufmerksam verfolgt. Ein stärker als erwarteter Rückgang würde die Rezessionsspekulationen verstärken und den Druck auf FED-Chef Jerome Powell erhöhen, im September eine kräftigere Zinssenkung vorzunehmen und weitere Zinssenkungen bis Jahresende einzuplanen. Der HCOB Nowcast rechne mit einem Rückgang der Inflation von 2,9% auf 2,6% im Jahresvergleich für August.
In der Eurozone stünden ebenfalls wichtige Veröffentlichungen bevor. Die kommenden Industrieproduktionsdaten aus Deutschland stünden im Fokus, da sie als zentraler Indikator für die wirtschaftliche Aktivität gelten würden. Während der LKW-Mautindex im Juli kaum Bewegung gezeigt habe und auf eine stabile Produktionsentwicklung hindeute, gebe es auch besorgniserregende Signale: Jüngst seien die Industrieumsätze gesunken, was darauf hindeuten könnte, dass die Industrieproduktion doch unter Druck geraten sein könnte. Ein Rückgang könnte die bestehenden Konjunktursorgen verstärken und die Debatte über den künftigen geldpolitischen Kurs der EZB beeinflussen.
Auch die Einzelhandelsumsätze der Eurozone (09.09.) würden von der EZB genau beobachtet. Laut Bloomberg-Konsensprognose dürften diese im Mai um 0,1% gegenüber dem Vormonat gestiegen sein, nach einem Rückgang von 0,2% im Vormonat. (Ausgabe vom 05.09.2024) (06.09.2024/alc/a/a)


