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Mittelflüsse und Bestände im Anleihemarkt


23.08.21 10:51
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - State Street Global Markets hat Indikatoren entwickelt, die über das kumulierte langfristige Verhalten von Anleiheinvestoren Auskunft geben, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrer aktuellen Ausgabe von "Bond Compass".

Sie würden auf einer signifikanten Teilmenge des bei State Street verwahrten Vermögens an festverzinslichen Anlagen in Höhe von 10 Billionen US-Dollar basieren. Auf diese Weise würden nicht nur Tendenzen von zehntausenden Portfolios, sondern schätzungsweise auch knapp über 10% der weltweit ausstehenden Anleihen erfasst.

Nachdem bei der Wiedereröffnung der Wirtschaft einige Wendepunkte erreicht worden seien, lasse sich das zweite Quartal wohl als Übergangsquartal beschreiben. Auch wenn die Impfprogramme weltweit schleppend angelaufen seien, hätten sie sich in den USA und Großbritannien mittlerweile so beschleunigt, dass eine Herdenimmunität zu einem realistischen Ziel geworden sei. Doch nicht alle Länder würden gleich schnell impfen. So hätten anfängliche Schwierigkeiten im Euroraum und in Kanada rasch überwunden werden können, die Industrienationen Asiens würden aber nach wie vor hinterherhinken. Noch langsamer gehe es in den Schwellenländern voran, wo das Risiko infektiöserer Virusvarianten aufgrund eines unzureichenden Impfstoffzugangs höher sei.

Dennoch seien die Inflationsraten weltweit deutlich gestiegen. Die Kombination aus einer mit der Wirtschaft wieder erstarkenden Nachfrage und Störungen der Lieferketten habe zu den größten Preissteigerungen der letzten Jahrzehnte geführt. Auch wenn diese zum Teil einer Umkehr des letztjährigen Preisverfalls zuzuschreiben seien, sei die Inflation dank der starken Nachfrage im Kontext der Wiedereröffnung unerwartet heiß gelaufen. Für die meisten Zentralbanken seien diese Preissprünge nach wie vor temporär, auch wenn es nun wohl länger dauern dürfte, bis man wisse, ob die Prognosen stimmen würden. Gleichwohl hätten steigende Preise in vielen Industrieländern eine Diskussion über eine Normalisierung der Geldpolitik in Gang gesetzt und in einigen Schwellenländern seien die Zinsen bereits angehoben worden, um die Preise im Zaum zu halten.

Nach einem recht volatilen ersten Quartal mit weltweit steigenden Renditen habe der Zinsmarkt über weite Teile des zweiten Quartals stagniert, bevor steigende Anleihepreise die Renditen zum Quartalsende nach unten gedrückt hätten. Durch die Aussicht auf frühere Zinsanhebungen in den Schwellenländern seien die Mittelflüsse in Staatsanleihen von Schwellenländern (EM) gegenüber Industrieländern relativ schwach ausgefallen. Zu Beginn des Quartals hätten die Käufe von US-Staatsanleihen insbesondere aus dem Ausland angezogen, als die Renditen ihr bisheriges Jahreshoch erreicht hätten. Zuletzt habe die internationale Nachfrage nachgelassen, aber die Gesamtnachfrage bleibe leicht positiv. Nachdem der Markt zunehmend damit rechne, dass die US-Notenbank FED im dritten Quartal ganz offiziell über die Drosselung der Anleihekäufe, das sogenannte Tapering, zu sprechen beginne, müssten Investoren im Interesse der Marktstabilität im Hinblick auf das Jahr 2022 über den Rückgang der FED-Nachfrage hinwegsehen.

Im zweiten Quartal hätten institutionelle Investoren ihre Jagd nach Rendite in Unternehmensanleihen fortgesetzt. Besonders beliebt gewesen seien Hochzinsanleihen, da Investoren eine geldpolitische Normalisierung, höhere Inflationsraten und Emissionen von Unternehmensanleihen fast auf Rekordniveau ausgeblendet hätten. Die Mittelflüsse hätten sich sowohl für Investment-Grade- als auch für Hochzins-Unternehmensanleihen in den USA unlängst moderat rückläufig auf neutral entwickelt, während die Nachfrage nach Euro-Unternehmensanleihen stabil geblieben sei. (Ausgabe Q3/2021) (23.08.2021/alc/a/a)