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Marktkommentar: "Die Temperatur an den Finanzmärkten könnte steigen"


06.06.25 11:30
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Angeführt von US-Staatsanleihen sanken die weltweiten Renditen in der vergangenen Woche, da die Daten im Vorfeld der heute veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen auf eine gewisse Abschwächung hindeuteten, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Aufgrund der US-Handelspolitik werde eine gewisse konjunkturelle Verlangsamung erwartet. Aus Sicht von Dowding habe sich der wirtschaftliche Ausblick allerdings nicht entscheidend verändert.

Die US-Regierung verschärfe die Situation am Arbeitsmarkt, indem sie die Einwanderung einschränke. Daher bezweifle Dowding, dass die Arbeitslosenquote so stark ansteigen werde, dass die Rezessionsängste zurückkehren würden. Vor diesem Hintergrund bleibe die Richtung der Renditen in den Augen von Dowding relativ unklar.

Die Inflation in der Eurozone sei im Mai etwas niedriger gewesen als erwartet. Derweil sei das Thema Verteidigungsausgaben wieder in den Mittelpunkt gerückt. Die politischen Entscheidungsträger in der Europäischen Union (EU) - allen voran Deutschland - würden ihre geplanten Verpflichtungen erhöhen. Dass die deutschen Ausgaben jährlich 5 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen könnten, sei beachtlich. Dowding sei der Meinung, dass der bevorstehende Anstieg der Staatsdefizite und des Angebots an deutschen Bundesanleihen an den Märkten derzeit zu wenig Beachtung finde.

Kurzfristig hätten europäische Vermögenswerte von den erhöhten Kapitalströmen profitiert. Das habe in den letzten Wochen zu einer gewissen regionalen Outperformance geführt. "Wir wären jedoch vorsichtig, wenn die Renditen zu weit fallen, da die fiskalischen Risiken unterschätzt werden könnten", so Dowding.

Die US-Arbeitsmarktdaten stünden heute im Mittelpunkt des Interesses. Dowding sei jedoch der Meinung, dass das Hauptaugenmerk der Marktteilnehmer im weiteren Monatsverlauf auf der Handelspolitik liegen werde. In Richtung Sommer bestehe die Gefahr, dass auch an den Finanzmärkten die Temperatur steige.

Die Bedenken bezüglich der Handelsrisiken seien im Mai geringer geworden. Nun scheine es, dass die Spannungen erneut eskalieren könnten: In den letzten Tagen hätten sich die USA einen Schlagabtausch mit der EU und China geliefert. Die Marktteilnehmer würden zu der Annahme neigen, dass sich die Handelssorgen in Luft auflösen würden. Mit Blick auf das G7-Treffen in Kanada Mitte des Monats sehe Dowding jedoch das Risiko, dass sie wieder aufflammen und der Druck auf Risikoanlagen steige. Die Marktteilnehmer würden indessen auf den 9. Juli schauen - dem Tag, an dem die Frist von US-Präsident Donald Trump für neue EU-Zölle ende.

Im Umfeld der US-Regierung herrsche die Meinung, dass die Dinge für die USA ganz gut laufen würden: Die Wirtschaft halte sich vorerst gut, die Inflation steige - noch - nicht an, die Aktienmärkte würden sich in der Nähe ihrer Höchststände befinden und die Zolleinnahmen würden bereits fließen. Diese Sichtweise scheine jedoch die zunehmenden Risiken außer Acht zu lassen. Daher halte Dowding es für angebracht, vorsichtig zu bleiben.

Einem Sprichwort zufolge komme Hochmut vor dem Fall. Dowding habe derzeit den Eindruck, dass die Anleger für das Eingehen großer Risiken relativ gesehen unterkompensiert würden. Daher könnte es sinnvoll sein, etwas trockenes Pulver zu halten und dieses einzusetzen, wenn die Bewertungen attraktiver würden. (06.06.2025/alc/a/a)