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Markterholung mit Vorsicht zu genießen


09.08.22 11:48
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die positiven Meldungen in den USA hinsichtlich Konsumentenstimmung, Arbeitsmarkt, Konsum sowie Unternehmensgewinnen sind äußerst untypisch für eine Rezession. Deshalb führen wir die beiden vergangenen Quartale mit negativem Wachstum eher auf Basiseffekte und nicht auf eine schwache Wirtschaft zurück, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Eine bald wieder tiefere Inflation aufgrund von teilweise stark fallenden Rohstoffpreisen und abnehmenden Lieferkettenproblemen dürfte zusätzlich für eine bessere Konsumentenstimmung sorgen. Eine vergleichbare Kombination aus stabilerem Wirtschaftswachstum und abnehmender Inflationsdynamik sei derzeit auch in Europa zu beobachten. Außerdem würden eine moderate Geldpolitik der EZB und das angekündigte Kaufprogramm der EZB für Staatsanleihen der Peripheriestaaten (TPI) sehr unterstützend wirken. Für die Aktien- und Kreditmärkte ergebe sich daraus für die kommenden Wochen ein günstiges Umfeld. Zudem dürften auch die Zinsen langfristiger Staatsanleihen nur noch moderaten Aufwärtsdruck erhalten.

Allerdings bleibe das Aufwärtspotenzial global beschränkt, solange die FED ihren restriktiven geldpolitischen Kurs weiterführe. Insbesondere die Bilanzreduzierung bleibe eine unterschätzte Gefahr. Zudem würden die Geldmengen M1 und M2 in den USA deutlich fallen. In einem derartigen monetären Umfeld seien Markterholungen nach Ansicht der Experten klar beschränkt und mit Vorsicht zu genießen. Historische Vergleiche würden auf stark erhöhte Korrekturgefahren spätestens ab Oktober dieses Jahres hindeuten.

Die US-Zinskurve (Fed Funds vs. 10 Jahre) sei zwar noch nicht invertiert, aber mittlerweile flach. Der Grund dafür könnten die fallenden Inflationserwartungen sein, was sehr positiv wäre. Es könnte aber auch der Vorbote einer Rezession im nächsten Jahr sein, mit entsprechenden Folgen für die Börsen nach den Sommermonaten. Beachtenswert sei auch die Investorenstimmung. Sie nähere sich wieder euphorischen Levels und könnte mittelfristig ebenfalls ein markttechnisches Problem darstellen. Trotz des positiven globalen Umfelds würden sich die Experten deshalb in ihren Strategien neutral bis leicht defensiv positionieren, bis sich ein Kurswechsel der US-Notenbank abzeichne.

Abschließend noch ein genauerer Blick auf den wichtigen Faktor Inflation. Die Inflationserwartung in den USA für die nächsten fünf Jahre sei auf den 20-Jahresdurchschnitt gefallen. Das sei erstaunlich, und es belege, dass die Investoren weiterhin Vertrauen in die Geldpolitik und die Geldwertstabilität hätten. Die aktuell hohe Inflation werde als temporär erachtet. Dies liefere eine direkte Entlastung für die FED. Die Geldpolitik müsse nicht weiter verschärft werden. Im Gegenteil könnte die FED in absehbarer Zeit von ihrem aktuell zu restriktiven Kurs wieder abweichen. Indirekt würden fallende Inflationserwartungen auch zu positiven Impulsen für die Konsumenten führen. Insgesamt sinke damit das Rezessionsrisiko, was das aktuelle Aktien- und Kreditmarktrally in den kommenden Wochen unterstützen könnte. Mittelfristig würden aber die Risiken aufgrund der zu straffen US-Geldpolitik deutlich überwiegen. (09.08.2022/alc/a/a)