Mario Draghi steht vor der "Quadratur des Kreises"


20.07.17 09:07
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Ohne Zweifel ist die Pressekonferenz nach der Tagung des EZB-Rats das Ereignis des Tages, so die Analysten der National-Bank AG.

Mario Draghi stehe vor der Schwierigkeit, die Investoren auf die Reduzierung des geldpolitischen Stimulus vorzubereiten, ohne dass es zu starken Verwerfungen komme. Schließlich könnten die die meisten Euroländer, und hier insbesondere diejenigen aus dem Süden, höhere Kapitalmarktrenditen aufgrund der Haushaltsdefizite und der am BIP gemessenen Verschuldung nicht leichten. Mario Draghi stehe also vor der Quadratur des Kreises. Er werde sich seine Aussagen noch genauer überlegen müssen. Das dürfte auch eine Erkenntnis aus den Reaktionen der Investoren nach seinem Vortrag in Sintra sein. Zugleich müsste allen Notenbankern klar sein, dass es wahrscheinlich Verwerfungen geben werde. Es werde nun vor allem darum gehen, sie so gering wie möglich zu halten.

Ob sich der EZB-Rat daher darauf einigen könne, das Wording in der Presseerklärung leicht zu verändern, sodass der Passus über die potenzielle Ausweitung des QE-Programms entfalle, sei keineswegs sicher. Selbst das, obwohl es viele Marktteilnehmer erwarten würden, dürfte Spuren hinterlassen. Da werde es wenig helfen, dass Draghi sicher betonen werde, dass die Wirtschaft im Euroraum weiterhin stark auf die geldpolitische Unterstützung angewiesen sei. Die Stimmungsindikatoren und viele harte Daten wie bspw. die Industrieproduktionsdaten würden durchaus dafür sprechen, dass der Aufschwung an Kraft gewonnen habe. Letztlich sei es vor allem der Arbeitsmarkt, auf dem der Aufschwung zwar ankomme, der aber noch viele freie Kapazitäten aufweise. Ob das zusammen mit dem Hinweis auf die Preisentwicklung ausreichen werde, um Verwerfungen zu verhindern, sei völlig offen.

Immerhin werde eine Notenbank ihren sehr expansiven Kurs beibehalten: Die Bank of Japan habe das Erreichen des Inflationsziels von 2% um ein weiteres Jahr, nun 2019, verschoben. Das bedeute zugleich, dass es keine Änderung bei der geldpolitischen Vorgehensweise geben werde, obwohl auch dort die Wirksamkeit der QE-Maßnahmen inzwischen kritisch hinterfragt werde.

Vor dem Hintergrund der Tagung des EZB-Rats dürften die übrigen Konjunkturdaten kaum Bedeutung haben, obwohl mit dem Phili-FED-Indikator sowie den US-Frühindikatoren und dem europäischen Konsumentenvertrauen am Nachmittag durchaus noch Informationen veröffentlicht würden, die für Bewegung an den Kapitalmärkten sorgen könnten.

Die Investoren würden jedenfalls sehr vorsichtig agieren. Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) dürfte den Handel mit Verlusten beginnen, zumal es durch die Emissionen aus Frankreich und Spanien am Vormittag Belastungspotenzial gebe. Im Tagesverlauf sollte sich der Bund-Future zwischen 161,05 und 162,55 bewegen. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries sollte zwischen 2,22 und 2,36% schwanken. (20.07.2017/alc/a/a)





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