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Makro-Ausblick 2020-2021: Chinas Askese könnte das globale Wachstum belasten


17.12.19 10:00
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Dr. Mathilde Lemoine, Group Chief Economist von Edmond de Rothschild, hat ihren neuen gesamtwirtschaftlichen Ausblick für 2020 und 2021 erstellt.

Trotz einer synchronen wirtschaftlichen Abkühlung in den USA, der Eurozone, der Schweiz, China und Brasilien habe es die 2019 initiierte Phase der geldpolitischen Lockerung ermöglicht, eine plötzliche Zunahme der privaten und öffentlichen Schuldenlast und einen Anstieg der Risikoprämien zu vermeiden. Die Kehrtwende der Zentralbanken spiegele aber auch den Rückgang der nominalen Wachstumserwartungen wider.

2020 könnten die Aussichten für die US-Präsidentschaftswahlen Chinas Staatschef Xi Jinping dazu veranlassen, jedwede Verstärkung der wirtschaftlichen Stimuli in China zu begrenzen. Das neue Wachstumsziel, das in der Regel auf der jährlichen Sitzung des Nationalen Volkskongresses verkündet werde, werde wieder einmal entscheidend für das globale Wachstum sein. Unseren Prognosemodellen zufolge schwächt sich das US-Wachstum auf 1,6 Prozent ab und das chinesische Bruttoinlandsprodukt wächst nur um 6 Prozent, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Ein Teilhandelsabkommen zwischen den USA und China dürfte nicht reichen, um die Unsicherheit zu reduzieren.

Tatsächlich würden die zur Diskussion stehenden Punkte in den Verhandlungen strukturelle und politische Themen betreffen. Daher sei zu erwarten, dass der Welthandel als Folge der verschobenen Investitionen im privaten Sektor weiter leide. Nichtsdestotrotz sollten starkes Lohnwachstum und fiskalische Unterstützung das Ausmaß der Abkühlung des globalen Wachstums, die die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management für 2020 erwarten würden, begrenzen - insbesondere in der Eurozone, wo sich das Wachstum bei 1 Prozent stabilisieren dürfte.

Die Hauptargumente der Experten von Edmond de Rothschild Asset Management, auf denen ihr Makro-Szenario basiere:

Zentralbanken würden geldpolitische Lockerung fortsetzen. Nach Berechnung der Experten von Edmond de Rothschild Asset Management könnte die globale Liquidität um 2,9 Prozent steigen, nachdem sie 2019 um ein Prozent gefallen sei. Zudem würden die Notenbanken weiterhin die relativen Preistrends für Finanz- und Immobilienwerte bestimmen und ebenfalls entscheidend für die Interbankenmärkte sein. Sie würden wieder die Nachfrage nach Staatsanleihen und die Steigung der Zinskurve beeinflussen, während sie die relativen realen Erträge von Immobilienwerten gegenüber dem risikolosen Zins erhöhen würden. Zusätzlich herrsche in der Eurozone hoher Druck auf die Zentralbank, ihrer Bilanz einen "grünen Anstrich" zu verleihen und ökologische Nachhaltigkeitskriterien in ihre Eingriffe zu integrieren. Als Vorbild diene die schwedische Notenbank. Die kombinierte Wirkung aus Niedrigzinsumfeld und steigender Zentralbankkontrolle über die relativen Preise von Vermögenswerten könnte die Preise risikoloser Wertpapiere weiterhin stützen und die Differenz zwischen ihren Erträgen und denen risikoreicherer Anlagen reduzieren.

Der Handelskrieg dürfte Investitionen weiter schwächen. Neben den direkten Auswirkungen auf den Handel belaste der amerikanisch-chinesische Handelsstreit die Investitionserwartungen - obwohl sich diese bislang gut gehalten hätten. Tatsächlich seien die Investitionen in den USA in den ersten drei Quartalen 2019 um weitere 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen, nach 6,4 Prozent im Jahr 2018. In der Eurozone hätten die Investitionsausgaben um 3,4 Prozent zugelegt, 2018 seien es 4,4 Prozent gewesen. Zu verdanken sei der weitere Anstieg der ausgeprägten Auftriebskraft französischer Unternehmen, die die negativen Auswirkungen der rückläufigen deutschen Industrieproduktion wettmachen würden. Vor dem Hintergrund der strukturellen Natur der Spannungen zwischen den USA und China sowie der von uns erwarteten Verlangsamung des globalen Wachstums, könnten sich 2020 die Unternehmensinvestitionen weiter abschwächen, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Selbst wenn sich Xi Jinping und Donald Trump auf ein Abkommen einigen würden, wäre dies nur ein Teilabkommen.

Das US-Wachstum schwäche sich ab. Trotz eines Teilhandelsabkommens zwischen China und den USA dürfte die Unsicherheit bezüglich des Handelskriegs 2020 anhalten. Die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management würden weiterhin eine Abschwächung der Investitionen prognostizieren, was eine erste Ausprägung für die mangelnde Einschätzbarkeit in Zusammenhang mit dem Handelskrieg sei - aber auch im Zusammenhang mit den Aussichten für die US-Präsidentschaftswahlen im November 2020. Außerdem würde sich der Außenhandel wieder auf das Wachstum auswirken, wenn - wie die Experten erwarten würden - die US-Exporte weiter zurückgehen würden, ohne dass dieser Trend durch eine Senkung der Importe ausgeglichen werde. Zudem würde sich die Dynamik bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze abschwächen, während die Auswirkungen der Steuersenkungen für Haushalte abnähmen und sich die Inflation nur leicht erhole - insbesondere als Folge der Zölle auf chinesische Waren, die den Konsum weiter belasten würden.

Die Investitionen in Wohnimmobilien sollten ihre Erholung in gemächlichem Tempo fortsetzen, da, trotz niedriger Zinsen, die steigenden Immobilienpreise und das geringere Wachstum der Haushaltseinkommen die Bezahlbarkeit und den Zugang zu Immobilien erschweren würden. Schließlich sollten die öffentlichen Ausgaben angesichts der Verabschiedung des Bipartisan Act von 2019 weiter leicht steigen. Die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management würden erwarten, dass sich das BIP-Wachstum 2020 auf 1,6 Prozent abschwäche, was die US-Notenbank FED dazu verleiten könnte, den Leitzins im ersten Halbjahr 2020 erneut zu senken.

In der Eurozone dürfte sich das Wachstum 2020 bei 1,0 Prozent stabilisieren. Handelseffekte auf das Wachstum sollten nach und nach abnehmen. Selbst wenn das Risiko eines No-Deal-Brexit schwinde, würde sich das globale Wachstum verlangsamen. Es werde erwartet, dass die öffentlichen Ausgaben um 1,3 Prozent steigen würden und die Investitionen mit einer moderateren Rate von 2,1 Prozent zulegen würden. Der private Konsum sollte einen beschleunigten Zuwachs von 1,3 Prozent aufweisen. Treiber sei die Kaufkraft, die 2020 weiter steigen dürfte, obwohl die Experten mit anziehender Inflation rechnen würden. Insbesondere in Frankreich sollten fiskalische Maßnahmen in Höhe von 12 Milliarden Euro die Kaufkraft stützen, nach 10 Milliarden Euro im Jahr 2019. Andererseits könnten sich die Investitionen verlangsamen.

Chinesische Binnennachfrage bleibe verhalten. 2020 könnte Xi Jinping entscheiden, die Agenda wirtschaftlicher Stimuli in China nicht deutlich zu verstärken. Erstens könne es sich der chinesische Präsident, der das Ziel verfolge, die Finanzmärkte weiterzuentwickeln, nicht erlauben, bewusst das Bankensystem zu destabilisieren. Zweitens könnten geldpolitische Lockerungen angesichts der anhaltenden amerikanisch-chinesischen Spannungen nicht reichen, um die Kreditvergabe im privaten Sektor anzukurbeln. (17.12.2019/alc/a/a)