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Märkte rechnen mit baldigen Zinssenkungen
01.12.23 11:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen der USA und Deutschlands sind kräftig gefallen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
T-Notes stünden bei 4,28%, während die Bunds bei 2,44% notieren würden. Der Eindruck der Anleger am Markt scheine, dass die FED und die EZB bei der Inflationsbekämpfung weit fortgeschritten seien und die Wirtschaft in den USA erste Anzeichen der Schwäche zeige und in Europa bereits abgeschwächt sei. Bestätigt worden seien die Anleger in den USA durch Zahlen zu den Lagerbeständen im Großhandel, denn diese seien unerwartet gesunken. Der Anlegergemeinschaft schien das im dritten Quartal höher als in der ersten Schätzung verzeichnete BIP-Wachstum nicht ganz ins Bild zu passen, da es den Abwärtstrend der Renditen etwas dämpfte, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
In Europa sei der große Paukenschlag von den Inflationszahlen ausgegangen, die seien schwächer als prognostiziert ausgefallen. Sowohl die FED als auch die EZB würden sich bemühen, alle Optionen zur Inflationsbekämpfung offen zu halten. Mehrheitlich würden Notenbank-Redner signalisieren, dass die Zinsen langfristig auf einem hohen Niveau bleiben sollten. Ein Zentralbanker in den USA habe sich öffentlich über mögliche Zinssenkungen geäußert, was zu Spekulationen geführt habe. Als Reaktion darauf würden viele Anleger davon ausgehen, dass die EZB bereits im April 2024 und die FED im Mai 2024 erste dovishe Aussagen zu Zinssenkungen machen könnten.
In den USA würden sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Schwäche im vierten Quartal verdichten. Im Oktober 2023 seien die Großhandelslagerbestände gegenüber dem Vormonat um 0,2% gesunken. Diese Entwicklung stehe im Kontrast zu den Marktschätzungen, die von einem Anstieg von 0,1% ausgegangen seien, und folge auf einen nach unten revidierten Anstieg von 0,1% im Vormonat. An dem Eindruck, dass die US-Konjunktur zu schwächeln beginne, habe die aufwärtsrevidierte Zweitschätzung des BIP-Wachstums im dritten Quartal nichts ändern können. Diese sei um annualisierte 5,2% gewachsen und habe damit über der vorläufigen Schätzung von 4,9% und den Prognosen von 5% gelegen. Dies sei das stärkste Wachstum seit dem letzten Quartal 2021.
In Deutschland seien Anleger von den schwächer als erwarteten Verbraucherpreisen überrascht worden. Die Inflation sei im November im Jahresvergleich auf 3,2% gesunken, verglichen mit 3,8% im Vormonat und unter dem Marktkonsens von 3,5%, wie vorläufige Schätzungen zeigen würden. Dies markiere den niedrigsten Inflationsstand seit Juni 2021. Die Lebensmittelinflation sei deutlich zurückgegangen (5,5% gegenüber 6,1% im Oktober), und die Energiepreise seien aufgrund eines hohen Basisjahres ab 2022 schneller gesunken (-4,5% gegenüber -3,2%). Es wird erwartet, dass die Inflation in den kommenden Monaten wieder ansteigen wird, und unser HCOB Inflations-Forecast für Dezember zeigt einen Anstieg auf Jahresbasis um 3,9% an, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Die neuesten EZB-Erhebungen zur Kreditvergabe in der Eurozone seien auf den ersten Blick erfreulich gewesen. Im Oktober sei die Kreditvergabe um 0,4% im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Bei genauerem Hinsehen habe sich jedoch gezeigt, dass das Wachstum der Kreditvergabe an private Haushalte mit einem Plus von 0,6% den niedrigsten Wert seit Juni 2015 erreicht habe. Die Kreditvergabe an Unternehmen sei sogar erstmals seit Juli 2015 zurückgegangen. Damit habe sich der Trend der vorangegangenen Erhebung im vergangenen Monat fortgesetzt.
Vor dem Dezember-Meeting der EZB habe Präsidentin Christine Lagarde versucht, die Erwartungen an baldige Zinssenkungen zu dämpfen. Angesichts anhaltender Unsicherheiten habe sie vor verfrühten Siegesfeiern im Kampf gegen die Inflation gewarnt. In einer Rede im Europa-Parlament in Brüssel habe die Französin betont, dass es nicht der geeignete Zeitpunkt sei, den Sieg zu verkünden. Christopher Waller, Gouverneur der US-Notenbank habe gesagt, dass die jüngsten Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit darauf hindeuten könnte, dass die Politik der Zentralbank ausreichend straff sei, um die Inflation einzudämmen. Waller habe hinzugefügt, dass es gute ökonomische Argumente für geldpolitische Lockerungen gebe, wenn die Inflation weiter zurückgehe. Auch zum Zeitraum habe er etwas gesagt: "Ich weiß nicht, wie lange das sein mag - drei Monate, vier Monate, fünf Monate."
Anleger würden sich in ihrer Annahme bestätigt fühlen, dass die Zinsen 2024 voraussichtlich nicht unverändert bleiben würden. Sie würden davon ausgehen, dass Zinssenkungen im April 2024 für die EZB und im Mai 2024 für die FED erfolgen könnten. Die Analysten würden weiterhin davon ausgehen, dass Zinssenkungen bei der FED erst Mitte des nächsten Jahres eintreten könnten, während bei der EZB im nächsten Jahr nicht die Zinsschraube lockern werde.
Datenseitig stünden einige wichtige Veröffentlichungen bevor. Dazu würden die HCOB PMI für die Eurozone im November, sowohl für das Verarbeitende Gewerbe am 1. Dezember als auch für die Dienstleistungen am 5. Dezember gehören. Diese Daten würden einen tieferen Einblick in die aktuelle Konjunktursituation bieten. Ebenfalls am 4. Dezember würden die Außenhandelsdaten Deutschlands für den Oktober veröffentlicht. Die vorherigen Zahlen im September hätten einen deutlichen Rückgang der Importe um 1,8% und der Exporte um 2,3% im Vergleich zum Vormonat gezeigt. Aufgrund der abgeschwächten globalen Konjunktur würden für Oktober keine positiven Überraschungen erwartet.
In den USA würden am 1. Dezember die Zahlen des ISM-Einkaufsmanagerindex für November erwartet, der Index dürfte gestiegen sein, aber weiterhin im schrumpfenden Bereich liegen. Am 5. Dezember würden dann die Zahlen des JOLTS-Berichts über die Lage der offenen Stellen folgen, die erste Indizien für den US-Arbeitsmarktbericht am Folgetag liefern könnten. An diesem Tag stünden auch Veröffentlichungen des ISM-Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungen im November an, mit einer erwarteten marginalen Steigerung von 51,8 im Oktober auf 52 im November.
In Dubai am Persischen Golf beginne heute (30. November) die 28. Weltklimakonferenz (COP 28) mit Vertretern aus über 190 Ländern. Hauptthema sei eine dringende Kurskorrektur zur Umsetzung der Pariser Klimakonferenz 2015. Ziel dieser Konferenz sei die Überprüfung und Umsetzung des ehrgeizigen 1,5-Grad-Ziels, das in Paris vereinbart worden sei, um gefährliche Kipppunkte und irreversible Konsequenzen des Klimawandels zu vermeiden. Die OPEC+ habe ein Ministertreffen zur Erörterung von Produktionskürzungen auf heute verschoben. Die Schwierigkeiten, sich auf Produktionsmengen und mögliche Kürzungen zu einigen, hätten zu dieser überraschenden Verschiebung geführt. (Ausgabe vom 30.11.2023) (01.12.2023/alc/a/a)
T-Notes stünden bei 4,28%, während die Bunds bei 2,44% notieren würden. Der Eindruck der Anleger am Markt scheine, dass die FED und die EZB bei der Inflationsbekämpfung weit fortgeschritten seien und die Wirtschaft in den USA erste Anzeichen der Schwäche zeige und in Europa bereits abgeschwächt sei. Bestätigt worden seien die Anleger in den USA durch Zahlen zu den Lagerbeständen im Großhandel, denn diese seien unerwartet gesunken. Der Anlegergemeinschaft schien das im dritten Quartal höher als in der ersten Schätzung verzeichnete BIP-Wachstum nicht ganz ins Bild zu passen, da es den Abwärtstrend der Renditen etwas dämpfte, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
In Europa sei der große Paukenschlag von den Inflationszahlen ausgegangen, die seien schwächer als prognostiziert ausgefallen. Sowohl die FED als auch die EZB würden sich bemühen, alle Optionen zur Inflationsbekämpfung offen zu halten. Mehrheitlich würden Notenbank-Redner signalisieren, dass die Zinsen langfristig auf einem hohen Niveau bleiben sollten. Ein Zentralbanker in den USA habe sich öffentlich über mögliche Zinssenkungen geäußert, was zu Spekulationen geführt habe. Als Reaktion darauf würden viele Anleger davon ausgehen, dass die EZB bereits im April 2024 und die FED im Mai 2024 erste dovishe Aussagen zu Zinssenkungen machen könnten.
In den USA würden sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Schwäche im vierten Quartal verdichten. Im Oktober 2023 seien die Großhandelslagerbestände gegenüber dem Vormonat um 0,2% gesunken. Diese Entwicklung stehe im Kontrast zu den Marktschätzungen, die von einem Anstieg von 0,1% ausgegangen seien, und folge auf einen nach unten revidierten Anstieg von 0,1% im Vormonat. An dem Eindruck, dass die US-Konjunktur zu schwächeln beginne, habe die aufwärtsrevidierte Zweitschätzung des BIP-Wachstums im dritten Quartal nichts ändern können. Diese sei um annualisierte 5,2% gewachsen und habe damit über der vorläufigen Schätzung von 4,9% und den Prognosen von 5% gelegen. Dies sei das stärkste Wachstum seit dem letzten Quartal 2021.
In Deutschland seien Anleger von den schwächer als erwarteten Verbraucherpreisen überrascht worden. Die Inflation sei im November im Jahresvergleich auf 3,2% gesunken, verglichen mit 3,8% im Vormonat und unter dem Marktkonsens von 3,5%, wie vorläufige Schätzungen zeigen würden. Dies markiere den niedrigsten Inflationsstand seit Juni 2021. Die Lebensmittelinflation sei deutlich zurückgegangen (5,5% gegenüber 6,1% im Oktober), und die Energiepreise seien aufgrund eines hohen Basisjahres ab 2022 schneller gesunken (-4,5% gegenüber -3,2%). Es wird erwartet, dass die Inflation in den kommenden Monaten wieder ansteigen wird, und unser HCOB Inflations-Forecast für Dezember zeigt einen Anstieg auf Jahresbasis um 3,9% an, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Vor dem Dezember-Meeting der EZB habe Präsidentin Christine Lagarde versucht, die Erwartungen an baldige Zinssenkungen zu dämpfen. Angesichts anhaltender Unsicherheiten habe sie vor verfrühten Siegesfeiern im Kampf gegen die Inflation gewarnt. In einer Rede im Europa-Parlament in Brüssel habe die Französin betont, dass es nicht der geeignete Zeitpunkt sei, den Sieg zu verkünden. Christopher Waller, Gouverneur der US-Notenbank habe gesagt, dass die jüngsten Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit darauf hindeuten könnte, dass die Politik der Zentralbank ausreichend straff sei, um die Inflation einzudämmen. Waller habe hinzugefügt, dass es gute ökonomische Argumente für geldpolitische Lockerungen gebe, wenn die Inflation weiter zurückgehe. Auch zum Zeitraum habe er etwas gesagt: "Ich weiß nicht, wie lange das sein mag - drei Monate, vier Monate, fünf Monate."
Anleger würden sich in ihrer Annahme bestätigt fühlen, dass die Zinsen 2024 voraussichtlich nicht unverändert bleiben würden. Sie würden davon ausgehen, dass Zinssenkungen im April 2024 für die EZB und im Mai 2024 für die FED erfolgen könnten. Die Analysten würden weiterhin davon ausgehen, dass Zinssenkungen bei der FED erst Mitte des nächsten Jahres eintreten könnten, während bei der EZB im nächsten Jahr nicht die Zinsschraube lockern werde.
Datenseitig stünden einige wichtige Veröffentlichungen bevor. Dazu würden die HCOB PMI für die Eurozone im November, sowohl für das Verarbeitende Gewerbe am 1. Dezember als auch für die Dienstleistungen am 5. Dezember gehören. Diese Daten würden einen tieferen Einblick in die aktuelle Konjunktursituation bieten. Ebenfalls am 4. Dezember würden die Außenhandelsdaten Deutschlands für den Oktober veröffentlicht. Die vorherigen Zahlen im September hätten einen deutlichen Rückgang der Importe um 1,8% und der Exporte um 2,3% im Vergleich zum Vormonat gezeigt. Aufgrund der abgeschwächten globalen Konjunktur würden für Oktober keine positiven Überraschungen erwartet.
In den USA würden am 1. Dezember die Zahlen des ISM-Einkaufsmanagerindex für November erwartet, der Index dürfte gestiegen sein, aber weiterhin im schrumpfenden Bereich liegen. Am 5. Dezember würden dann die Zahlen des JOLTS-Berichts über die Lage der offenen Stellen folgen, die erste Indizien für den US-Arbeitsmarktbericht am Folgetag liefern könnten. An diesem Tag stünden auch Veröffentlichungen des ISM-Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungen im November an, mit einer erwarteten marginalen Steigerung von 51,8 im Oktober auf 52 im November.
In Dubai am Persischen Golf beginne heute (30. November) die 28. Weltklimakonferenz (COP 28) mit Vertretern aus über 190 Ländern. Hauptthema sei eine dringende Kurskorrektur zur Umsetzung der Pariser Klimakonferenz 2015. Ziel dieser Konferenz sei die Überprüfung und Umsetzung des ehrgeizigen 1,5-Grad-Ziels, das in Paris vereinbart worden sei, um gefährliche Kipppunkte und irreversible Konsequenzen des Klimawandels zu vermeiden. Die OPEC+ habe ein Ministertreffen zur Erörterung von Produktionskürzungen auf heute verschoben. Die Schwierigkeiten, sich auf Produktionsmengen und mögliche Kürzungen zu einigen, hätten zu dieser überraschenden Verschiebung geführt. (Ausgabe vom 30.11.2023) (01.12.2023/alc/a/a)


