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Löst Jerome Powell bald den Pause-Knopf? Stimmen zum FED-Entscheid


21.09.23 12:15
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) hat den Leitzins am Mittwoch (20.09.) unverändert bei 5,25 bis 5,5 Prozent belassen, so die Experten von "FONDS professionell".

Während die meisten Volkswirte mit diesem Schritt gerechnet hätten, hätten die neuen Prognosen des Offenmarktausschusses (FOMC) für Ernüchterung an den Börsen gesorgt.

So habe das Gremium um FED-Chef Jerome Powell betont, dass mit Blick auf die nach wie vor hohe Inflation weitere Zinsschritte in diesem Jahr durchaus möglich seien. Außerdem würden sie für das nächste Jahr nur noch mit einem Sinken des Leitzinses um 50 Basispunkte rechnen. Im Juni hätten sie für 2024 noch ein Absenken des Satzes um einen ganzen Prozentpunkt in Aussicht gestellt.

Die US-Börsen hätten daraufhin im Minus geschlossen. Auch in Europa seien die wichtigsten Indices am Donnerstag mit spürbaren Verlusten in den Handel gestartet.

FED-Chef Jerome Powell und seine Kollegen würden die Finanzmärkte auf eine längere Phase höherer Zinsen einstimmen. Erste Reaktionen von Ökonomen und Anlagestrategen aus der Asset-Management-Branche:

Johannes Mayr, Chefvolkswirt, EYB & WALLWITZ:

"Powell hat erneut betont, weiter "geduldig" und "vorsichtig" vorgehen zu wollen, um das Soft Landing zu erreichen. Bislang ist ihm das gut gelungen", meine Johannes Mayr vom Münchner Vermögensverwalter EYB & WALLWITZ. Er gehe davon aus, dass weitere Zinsschritte nur dann erfolgen würden, falls sich das Wirtschaftswachstum wieder beschleunige oder die Lohndynamik nochmal anziehe. Baldige Zinssenkungen seien nach den neuen Projektionen der FED aber noch unwahrscheinlicher geworden. Aus Anlegerperspektive würden "Durationsrisiken" nun wieder zunehmend interessant. Angesichts der noch bestehenden zyklischen Risiken empfehle der Ökonom, bei Kreditrisiken selektiv vorzugehen.

Tiffany Wilding, Ökonomin, PIMCO:

"Eine "weiche Landung" ist zwar durchaus möglich. Aber wir halten das Eintreten einer Rezession für genauso wahrscheinlich wie deren Ausbleiben. Es ist zu erwarten, dass die straffe Geldpolitik über einen längeren Zeitraum beibehalten wird und dass sie die Wirtschaftstätigkeit im Laufe der Zeit verlangsamt. Die positiven wirtschaftlichen "Überhänge" aus der Pandemie, einschließlich der hohen Ersparnisüberschüsse der privaten Haushalte, werden abgebaut. Die Verzögerungen, mit denen die Geldpolitik wirkt, werden dadurch eher verlängert als beseitigt. Es ist zu erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Widerstände im Laufe der Zeit noch weiter verstärken werden, da immer mehr Schulden zu den neuen höheren Zinssätzen verlängert und umgeschuldet werden."

Ulrich Kater, Chefvolkswirt, Deka:

"Den veränderten Projektionen lässt sich entnehmen, dass die FOMC-Mitglieder deutlich optimistischer geworden sind, dass die Volkswirtschaft das hohe Ausmaß an geldpolitischer Straffung verkraften wird. Dies bedeutet allerdings auch, dass für 2024 weniger Leitzinssenkungen in Aussicht gestellt werden. Wir erwarten derzeit keine weitere Leitzinserhöhung der FED in diesem Jahr. Angesichts des unveränderten Ausblicks der FOMC-Mitglieder für solch einen Schritt ist eine Prognoserevision unsererseits nicht auszuschließen."

Christian Scherrmann, US-Volkswirt, DWS:

"Wir sind der Ansicht, dass die Zentralbanker derzeit eher daran interessiert sind, die Markterwartungen hinsichtlich des Credos "länger höhere Zinsen" zu managen, anstatt die Wirtschaft durch weitere Zinsschritte noch mehr unter Druck zu setzen. Damit diese Strategie aufgeht, müssen die Zentralbanker datenabhängig sein. Sollten die Daten enttäuschen, so gibt es mehr zu tun - etwas, das sie vielleicht zu vermeiden versuchen."

Michael Heise, Chefökonom, HQ Trust:

"Die Zinspause der FED erhöht die Chancen einer sanften Landung der US-Wirtschaft. Auch wenn sie weitere Zinserhöhungen in der Zukunft nicht ausschließen kann und die Teilnehmer an der Sitzung des Offenmarktausschusses mehrheitlich eine weitere Zinserhöhung sehen, ist die Zinspause zum jetzigen Zeitpunkt gut begründet. Es gilt jetzt, die kumulierten Auswirkungen der bisherigen elf Zinserhöhungen auf die Konjunktur und die Inflation zu analysieren. Die ruhige Hand der FE D trägt dazu bei, dass die Erwartungen an den Finanzmärkten stabilisiert werden. Die bislang recht optimistischen Erwartungen über mögliche Zinssenkungen in 2024 werden mit den nunmehr etwas höheren Zinserwartungen der Teilnehmer im Offenmarktausschuss weiter zurückgehen."

Marvin Loh, Senior Global Macro Strategist, State Street:

"Wie erwartet beließ die FED ihren Leitzins unverändert, behielt sich aber die Möglichkeit vor, die Sätze ein weiteres Mal anzuheben, wie in ihrer Geldmarktprognose prognostiziert. Im Einklang mit ihrer Botschaft, dass die Zinsen länger auf einem höheren Niveau bleiben müssen, hob sie ihre mittlere Zinserwartung für 2024 an, was nun darauf hindeutet, dass es im nächsten Jahr nur 50 Basispunkte an Zinssenkungen geben wird. Zur Untermauerung dieser restriktiveren Aussichten hob sie ihre BIP-Erwartungen für 2023 und 2024 deutlich an, da die Beschäftigungslage besser ist als zuvor erwartet. Die FED bleibt datenabhängig, und der Markt wird weiterhin mit jedem dieser Datenpunkte handeln." (21.09.2023/alc/a/a)