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Laufende Erträge: Hier bieten Hochzinsanleihen Chancen


25.07.16 11:41
AB

München (www.anleihencheck.de) - Das Brexit-Votum hat eine Normalisierung der Zinsen weiter verschoben, so Gershon Distenfeld, Director of High-Yield Debt beim Asset Manager AB.

Doch in anhaltenden Zeiten von Niedrig- oder gar Minuszinsen würden Anleiheinvestoren bei Staats- und Investmentgrade-Papieren kaum Chancen auf Erträge finden. Dagegen lohne sich ein Blick auf Hochzinsanleihen - doch hier komme es auf die richtige Auswahl an.

Der jahrzehntelange Verfall der Zinsen weltweit habe Anleiheinvestoren verwöhnt und ihnen hohe Kursgewinne beschert, wenn auch unterbrochen von einigen kurzfristigen Schwankungen. Doch jene Anleger, die auf stetige Ausschüttungen angewiesen seien, hätten nunmehr erhebliche Schwierigkeiten: Ihr Ertragsbedarf sei mit Staatsanleihen der entwickelten Länder nicht zu decken. Die Zinsen in vielen Kernmärkten hätten Miniaturniveaus erreicht oder seien sogar negativ: So habe die deutsche Bundesregierung jüngst Zehn-Jahres-Anleihen zu negativen Renditen versteigert.

Der naheliegende Ausweg sei für viele Investoren die Hinwendung zum hochverzinslichen Bereich gewesen. Doch im Zuge des massenhaften Zustroms in High-Yield-Papiere würden viele Anleihen mittlerweile als voll bewertet angesehen.

Dennoch gebe es hier weiterhin attraktiv bewertete Bereiche. Da sich der Kreditzyklus nach Ansicht der Experten bereits in einem reifen Stadium befinde, sei jedoch eine selektive und wachsame Vorgehensweise entscheidend. Sie würden immer noch Potenzial bei US-amerikanischen High-Yield-Unternehmensanleihen sehen, deren Renditen im mittleren und hohen einstelligen Prozentbereich ein guter Indikator für den zu erwartenden Ertrag sein dürften. Doch gebe es noch weitere Bereiche, die sowohl eine willkommene Streuung des Risikos als auch attraktive Ausschüttungsquoten böten.

Staatsanleihen aus den Schwellenländern in Lokalwährung seien hierfür ein gutes Beispiel. Obwohl diese Währungen bereits einigen Boden gutgemacht hätten, seit sie in 2015 Mehrjahrestiefs erreicht hätten, würden die Experten weiterhin erhebliches Aufwertungspotenzial sehen.

Chancen biete noch ein weiterer Sektor, der insbesondere von europäischen Anlegern meist übersehen oder gemieden werde: Die Rede sei vom großvolumigen Markt für Wohnimmobilienanleihen in den USA. Der Bereich US-Hypothekenanleihen werde von vielen ausländischen Anlegern noch immer mit der "Subprime-Krise" von 2008 in Verbindung gebracht, die ihnen bis heute in schmerzhafter Erinnerung geblieben sei. Hier hätten ausländische Investoren, die nur wenig Wissen über die komplexe Assetklasse US Real Estate Bonds besessen hätten, herbe Verluste erlitten.

Doch seither habe sich viel getan: Die Regulierung sei erheblich verbessert worden, die Anforderungen der Gläubiger signifikant erhöht, und auch der US-Wohnimmobilienmarkt stehe auf wesentlich solideren Füßen. Für Investoren hätten sich die Ausgangsbedingungen damit deutlich verbessert.

Verbriefte Hypotheken für Wohnimmobilien böten heute attraktive Renditen. Darüber hinaus würden sie vom US-Verbrauchersektor beeinflusst. Dieser habe sich aufgrund des dynamischen Beschäftigungswachstums in den vergangenen Jahren stark erholt und seine Schuldenlast reduziert. Die Immobilienpreise hätten sich in den meisten Regionen der USA vollständig von der Krise erholt. All diese Faktoren würden dazu beitragen, dass US-Wohnimmobilienanleihen heute eine interessante Alternative für renditesuchende Anleger mit Diversifikationsbedarf darstellen würden.

Gewerbliche Immobilienanleihen aus den USA böten ähnlich interessante Eigenschaften: Sie würden sich durch stetige Einkommensströme auszeichnen, die durch meist langfristige Mietverträge für Bürogebäude, Hotels, Einkaufszentren und Mehrfamilienwohnkomplexe abgesichert seien. Und anders als in Europa, wo die Emittenten einzelne Darlehen durch die Refinanzierung der Senior- oder Junior-Tranchen der Struktur ersetzen könnten, bleibe die Struktur in den USA von Anfang bis Ende gleich.

Eine breite Streuung sowie die Suche nach Sektoren mit relativ attraktiver Bewertung seien Voraussetzungen, um im High-Yield-Sektor auskömmliche Erträge zu erzielen. Solch ein Ansatz eröffne ein breiteres Chancenfeld und ermögliche es, Optionen zu prüfen, die sonst verborgen bleiben könnten. Investoren, die ihre Suche auf einen einzelnen Sektor beschränken oder ganze Sektoren basierend auf einigen allgemeinen Kennzahlen (wie etwa durchschnittliche Rendite) ausschließen würden, würden sich selbst dieses Potenzials berauben. Es gebe immer noch attraktive Ertragschancen im Markt, aber es erfordere mehr Aufwand und Flexibilität, um sie zu finden. (25.07.2016/alc/a/a)