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Konstruktives Umfeld für Finanzmärkte
09.07.24 10:53
Swisscanto
Zürich (www.anleihencheck.de) - Die globalen Vorlauf- und Stimmungsindikatoren haben sich in den vergangenen Wochen weiter aufgehellt, so die Experten von Swisscanto.
Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie habe jüngst zum Beispiel den höchsten Wert seit knapp zwei Jahren erreicht und deute damit auf eine zyklische Erholung im Verarbeitenden Gewerbe hin. Die Weltwirtschaft dürfte dieses Jahr jedoch nur moderat wachsen, zumal der anziehenden Dynamik in Europa und den Schwellenländern eine Verlangsamung in den USA gegenüberstehe. Die größte Volkswirtschaft der Welt befinde sich aber weiter in einer guten Verfassung, und die erwünschte Abkühlung verlaufe bisher in geordneten Bahnen.
Auf globaler Ebene würden die Experten 2024 mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum von rund 2,5% rechnen, weil sich die Industrieländer außerhalb der USA nur langsam erholen würden und weil die Dynamik in China weiter abnehme. Mit Blick auf die Inflation sei dies jedoch eine gute Nachricht: Der globale Preisdruck dürfte weiter abnehmen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe im Juni ihre Leitzinsen erstmals seit knapp fünf Jahren wieder gesenkt. Der Weg zur Wiederherstellung der Preisstabilität bleibe zwar schwierig und holprig. Aber die Chancen für zwei bis drei weitere Zinsschritte bis Jahresende stünden weiter gut, denn der globale Trend zu tieferen Inflationsraten sei trotz wiederholter Rückschläge intakt. Neben der EZB hätten im Juni deshalb auch die Schweizerische Nationalbank und die Bank of Canada ihren Leitzins gesenkt.
Auf globaler Ebene habe es seit vergangenem Herbst fast viermal mehr Zinssenkungen als Zinserhöhungen gegeben. Der Zinssenkungszyklus werde zwar von den Schwellenländern angeführt. Er weite sich inzwischen aber immer mehr auch auf die Industrieländer aus. Die Experten seien deshalb überzeugt, dass in den kommenden Monaten auch noch die anderen großen Notenbanken, allen voran die US-Notenbank FED, mit tieferen Leitzinsen folgen würden.
Die australische Notenbank (RBA) und die Bank of England (BoE) hätten wie erwartet keine Zinsänderungen vorgenommen. In der Kommunikation würden sie sich jedoch unterschieden: Während Erstere weiterhin inflationären Druck gesehen habe, habe Letztere eher taubenhafte Töne angestimmt. Die Experten würden aber bei beiden damit rechnen, dass der nächste Schritt eine Senkung sein werde (BoE im August, RBA gegen Jahresende). Die Währungen hätten reagiert, wie zu erwarten gewesen wäre: Der Australische Dollar habe gegenüber dem US-Dollar zugelegt, das Britische Pfund habe verloren.
Die Experten würden mit einer Fortsetzung dieses Trends rechnen. Die Leitzinssenkung der BoE sei im August noch nicht vollständig in den Markterwartungen reflektiert, weshalb sie von einem schwächeren Pfund und im Vergleich zu Australien von stärker sinkenden UK-Renditen ausgehen würden. Dagegen würden sie den Australischen Dollar (AUD) favorisieren. Die RBA dürfte bis gegen Ende Jahr mit Zinssenkungen zuwarten, und mittelfristig sollte die australische Währung damit das Zinsranking wieder hinaufklettern. Mit den von den Experten erwarteten steigenden Rohstoffpreisen erhalte der AUD zusätzliche Unterstützung.
Es werde sich zeigen, ob die Konjunkturerholung robust genug sei, um dem Handelskonflikt zwischen dem Westen und China, dem Nahostkonflikt und nun auch noch den Neuwahlen in Frankreich und Großbritannien zu trotzen. Diese Ereignisse seien zwar die Quelle für mehr Volatilität, hätten aber aus heutiger Sicht nur einen geringen Einfluss auf die Einschätzung der Experten zu den Finanzmärkten. Solange die Konjunkturerwartungen positiv bleiben würden und die Inflation sich langsam aber Schritt für Schritt zurückbilde, bleibe das Umfeld konstruktiv für die Finanzmärkte.
Mitte Juli starte die Gewinnberichtssaison für das zweite Quartal. Im Durchschnitt würden Finanzanalysten für die Unternehmen des S&P 500 im Jahresvergleich einen Anstieg von knapp 9% erwarten. Angesichts der fortgesetzt robusten Wirtschaftsentwicklung würden die Experten diese Hürde als überwindbar erachten. Entscheidend für die Marktreaktionen dürfte vor allem sein, wie die Ergebnisse der Sektoren Technologie und Kommunikation ausfallen würden. Für Ersteren lägen die Erwartungen bei rund 16%, wobei knapp zehn Prozentpunkte davon auf NVIDIA entfallen würden. Bei Kommunikation seien die Gewinnwachstumserwartungen noch etwas höher (18,5%) und im Wesentlichen von Meta und Alphabet getrieben. Bislang hätten sie "liefern" können, aber die Vorsicht der Aktionäre scheine zuzunehmen.
In drei wichtigen Schwellenländern - Indien, Südafrika und Mexiko - hätten Wahlen im Juni für Volatilität gesorgt. Die beiden Erstgenannten hätten sich schnell von einer anfänglichen Korrektur erholt. Der Index Mexikos notiere jedoch noch deutlich im Minus, weil die neuen Mehrheitsverhältnisse eine Verfassungsreform ermöglichen würden, die von Investoren als Einschränkung der Gewaltenteilung gesehen werde. Der Schwellenländerindex habe sich aber insgesamt überdurchschnittlich gut entwickelt und die Experten würden die Region nach wie vor als attraktiv erachten.
Im Juli dürfte die Richtung erneut von China geprägt werden. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei lege die Wirtschaftspolitik für die kommenden Jahre fest. Erwartet würden unter anderem neue Impulse zur Lösung der Immobilienkrise und zur Stärkung des Konsums. Danach werde sich zeigen, ob die im Februar begonnene Erholung am chinesischen Aktienmarkt neuen Schwung bekomme oder sich die längerfristige relative Schwäche gegenüber dem Schwellenländerindex fortsetze.
Der breite Rohstoffindex Bloomberg Commodity-Index habe im ersten Halbjahr eine Gesamtrendite von 5% erzielt. Damit hätten Rohstoffe die im vergangenen Kalenderjahr erlittenen Verluste größtenteils wettmachen können. Insbesondere zwischen Mitte Februar und Mitte Mai hätten die Preise deutlich angezogen, auch wenn seither das Momentum eingebüßt worden sei. Positiv hätten im ersten Halbjahr die Edelmetalle Silber und Gold beigetragen. Der Silbermarkt befinde sich weiterhin im Defizit, und Gold, das trotz leicht steigender Realzinsen und festerem US-Dollar deutlich zugelegt habe, habe mitunter von einer starken physischen Nachfrage bei den Notenbanken der Schwellenländer sowie von einem gestiegenen Interesse bei den chinesischen Privatinvestoren profitieren können. Negativ hätten hingegen insgesamt die Agrargüter beigetragen. (Ausgabe Juli 2024) (09.07.2024/alc/a/a)
Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie habe jüngst zum Beispiel den höchsten Wert seit knapp zwei Jahren erreicht und deute damit auf eine zyklische Erholung im Verarbeitenden Gewerbe hin. Die Weltwirtschaft dürfte dieses Jahr jedoch nur moderat wachsen, zumal der anziehenden Dynamik in Europa und den Schwellenländern eine Verlangsamung in den USA gegenüberstehe. Die größte Volkswirtschaft der Welt befinde sich aber weiter in einer guten Verfassung, und die erwünschte Abkühlung verlaufe bisher in geordneten Bahnen.
Auf globaler Ebene würden die Experten 2024 mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum von rund 2,5% rechnen, weil sich die Industrieländer außerhalb der USA nur langsam erholen würden und weil die Dynamik in China weiter abnehme. Mit Blick auf die Inflation sei dies jedoch eine gute Nachricht: Der globale Preisdruck dürfte weiter abnehmen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe im Juni ihre Leitzinsen erstmals seit knapp fünf Jahren wieder gesenkt. Der Weg zur Wiederherstellung der Preisstabilität bleibe zwar schwierig und holprig. Aber die Chancen für zwei bis drei weitere Zinsschritte bis Jahresende stünden weiter gut, denn der globale Trend zu tieferen Inflationsraten sei trotz wiederholter Rückschläge intakt. Neben der EZB hätten im Juni deshalb auch die Schweizerische Nationalbank und die Bank of Canada ihren Leitzins gesenkt.
Auf globaler Ebene habe es seit vergangenem Herbst fast viermal mehr Zinssenkungen als Zinserhöhungen gegeben. Der Zinssenkungszyklus werde zwar von den Schwellenländern angeführt. Er weite sich inzwischen aber immer mehr auch auf die Industrieländer aus. Die Experten seien deshalb überzeugt, dass in den kommenden Monaten auch noch die anderen großen Notenbanken, allen voran die US-Notenbank FED, mit tieferen Leitzinsen folgen würden.
Die Experten würden mit einer Fortsetzung dieses Trends rechnen. Die Leitzinssenkung der BoE sei im August noch nicht vollständig in den Markterwartungen reflektiert, weshalb sie von einem schwächeren Pfund und im Vergleich zu Australien von stärker sinkenden UK-Renditen ausgehen würden. Dagegen würden sie den Australischen Dollar (AUD) favorisieren. Die RBA dürfte bis gegen Ende Jahr mit Zinssenkungen zuwarten, und mittelfristig sollte die australische Währung damit das Zinsranking wieder hinaufklettern. Mit den von den Experten erwarteten steigenden Rohstoffpreisen erhalte der AUD zusätzliche Unterstützung.
Es werde sich zeigen, ob die Konjunkturerholung robust genug sei, um dem Handelskonflikt zwischen dem Westen und China, dem Nahostkonflikt und nun auch noch den Neuwahlen in Frankreich und Großbritannien zu trotzen. Diese Ereignisse seien zwar die Quelle für mehr Volatilität, hätten aber aus heutiger Sicht nur einen geringen Einfluss auf die Einschätzung der Experten zu den Finanzmärkten. Solange die Konjunkturerwartungen positiv bleiben würden und die Inflation sich langsam aber Schritt für Schritt zurückbilde, bleibe das Umfeld konstruktiv für die Finanzmärkte.
Mitte Juli starte die Gewinnberichtssaison für das zweite Quartal. Im Durchschnitt würden Finanzanalysten für die Unternehmen des S&P 500 im Jahresvergleich einen Anstieg von knapp 9% erwarten. Angesichts der fortgesetzt robusten Wirtschaftsentwicklung würden die Experten diese Hürde als überwindbar erachten. Entscheidend für die Marktreaktionen dürfte vor allem sein, wie die Ergebnisse der Sektoren Technologie und Kommunikation ausfallen würden. Für Ersteren lägen die Erwartungen bei rund 16%, wobei knapp zehn Prozentpunkte davon auf NVIDIA entfallen würden. Bei Kommunikation seien die Gewinnwachstumserwartungen noch etwas höher (18,5%) und im Wesentlichen von Meta und Alphabet getrieben. Bislang hätten sie "liefern" können, aber die Vorsicht der Aktionäre scheine zuzunehmen.
In drei wichtigen Schwellenländern - Indien, Südafrika und Mexiko - hätten Wahlen im Juni für Volatilität gesorgt. Die beiden Erstgenannten hätten sich schnell von einer anfänglichen Korrektur erholt. Der Index Mexikos notiere jedoch noch deutlich im Minus, weil die neuen Mehrheitsverhältnisse eine Verfassungsreform ermöglichen würden, die von Investoren als Einschränkung der Gewaltenteilung gesehen werde. Der Schwellenländerindex habe sich aber insgesamt überdurchschnittlich gut entwickelt und die Experten würden die Region nach wie vor als attraktiv erachten.
Im Juli dürfte die Richtung erneut von China geprägt werden. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei lege die Wirtschaftspolitik für die kommenden Jahre fest. Erwartet würden unter anderem neue Impulse zur Lösung der Immobilienkrise und zur Stärkung des Konsums. Danach werde sich zeigen, ob die im Februar begonnene Erholung am chinesischen Aktienmarkt neuen Schwung bekomme oder sich die längerfristige relative Schwäche gegenüber dem Schwellenländerindex fortsetze.
Der breite Rohstoffindex Bloomberg Commodity-Index habe im ersten Halbjahr eine Gesamtrendite von 5% erzielt. Damit hätten Rohstoffe die im vergangenen Kalenderjahr erlittenen Verluste größtenteils wettmachen können. Insbesondere zwischen Mitte Februar und Mitte Mai hätten die Preise deutlich angezogen, auch wenn seither das Momentum eingebüßt worden sei. Positiv hätten im ersten Halbjahr die Edelmetalle Silber und Gold beigetragen. Der Silbermarkt befinde sich weiterhin im Defizit, und Gold, das trotz leicht steigender Realzinsen und festerem US-Dollar deutlich zugelegt habe, habe mitunter von einer starken physischen Nachfrage bei den Notenbanken der Schwellenländer sowie von einem gestiegenen Interesse bei den chinesischen Privatinvestoren profitieren können. Negativ hätten hingegen insgesamt die Agrargüter beigetragen. (Ausgabe Juli 2024) (09.07.2024/alc/a/a)


