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Konjunktur: unverändertes Bild, EZB ohne neue Impulse
25.04.16 08:40
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Nachdem zuletzt die Notenbanken das Marktgeschehen maßgeblich beeinflusst haben, rückte in dieser Woche ein anderer Faktor erneut in den Fokus: der Ölpreis, so die Analysten der Weberbank.
Zur Erinnerung: In den vergangenen zwei Jahren habe der Ölmarkt einen Preisrückgang von über 80 US-Dollar je Barrel verkraften müssen. Diese starke Abwärtsbewegung lasse sich vereinfacht am Grundkonzept der Marktwirtschaft erklären: Angebot und Nachfrage. Durch einen aufstrebenden Akteur (die USA) hätten sich die etablierten Marktteilnehmer (insbesondere die OPEC-Länder) mit rückläufigen Marktanteilen konfrontiert gesehen. Anstelle, wie in der Vergangenheit gewohnt, zu Zeiten von Ölpreisrückgängen die Produktion zu drosseln, habe die OPEC die Ölförderung allerdings diesmal noch weiter erhöht mit dem Hintergedanken, die US-Produzenten durch Dumpingpreise aus dem Markt zu verdrängen. Somit habe sich das Angebot von der tatsächlichen Nachfrage entkoppelt und den Ölmarkt aus dem Gleichgewicht gebracht. In den USA habe diese Entwicklung bereits deutliche Spuren hinterlassen. In den vergangenen 18 Monaten seien die Ölbohrungen um über 70 Prozent zurückgegangen und habe zu den ersten Produktionsrückgängen seit 2008 geführt.
Allerdings würden die niedrigen Preise nicht nur die Existenz der US-Ölunternehmen bedrohen, sondern würden sich zunehmend auch in der Finanzlage der OPEC-Ländern negativ bemerkbar machen. Aus dieser Motivation heraus seien Mitte Februar Gerüchte entstanden, wonach die OPEC zusammen mit Russland Obergrenzen für die Ölproduktion würden beschließen wollen, um somit den Preis zu stabilisieren. Tatsächlich sei dies sehr gut gelungen. Denn seit Mitte Februar sei der Ölpreis um über 60 Prozent gestiegen und habe sich gleichzeitig positiv auf die globalen Aktienmärkte ausgewirkt, die einen miserablen Jahresstart hinter sich gehabt hätten. Nun sollten am vergangenen Wochenende offiziell die Produktionsobergrenzen beschlossen werden. Doch eine Einigung sei wider Erwarten ausgeblieben. Wer nun einen deutlichen Einbruch im Ölpreis und gleichzeitig an den Aktienmärkten erwartet habe, sei überrascht worden. Nach einem kurzen Kurseinbruch habe sich der Ölpreis im Laufe der Woche wieder erholt und teilweise 10 Prozent über dem Vorwochenniveau notiert.
Die Analysten würden nicht erwarten, dass sich der Anstieg im Ölpreis mit der gleichen Dynamik weiter fortsetzen werde, denn zahlreiche Faktoren würden für anhaltenden Druck auf den Preis sprechen. Selbst wenn es zur Einigung über die Obergrenzen kommen sollte, geschehe dies auf historisch hohen Produktionsniveaus. Zudem sollte der Iran seine Produktionskapazitäten deutlich erhöhen und somit das Angebot weiter aufblähen Gleichzeitig könnten die amerikanischen Ölproduzenten sehr flexibel und schnell ihre Kapazitäten erhöhen, sobald die Preise attraktiver würden.
Die positive Korrelation zwischen dem Ölpreis und dem Aktienmarkt sei auch in dieser Woche bestehen geblieben, sodass der deutsche Leitindex DAX die 10.000er Marke nicht nur habe verteidigen, sondern auch ausbauen können. Es falle allerdings schwer, handfeste Gründe neben der Ölpreisentwicklung für die positive Entwicklung der letzten Tage zu identifizieren. Die Impulse aus der gestarteten US-Bilanzsaison würden eher gemischt bis leicht negativ ausfallen. Die zuletzt veröffentlichten Makrodaten würden ebenfalls wenig Anlass geben, euphorisch auf die globale Konjunktur zu blicken, und auch vonseiten der dieswöchigen EZB-Sitzung habe es keine neuen Impulse gegeben. Aus Sicht der Analysten stehe die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten auf wackligen Füßen. Für einen nachhaltigen Trend müsse sich das Konjunkturbild aufhellen und insbesondere die Gewinnsituation der Unternehmen verbessern. So würden sich die amerikanischen Unternehmen in einer Gewinnrezession befinden und auch in der aktuell laufenden Berichtssaison keinen Trendwandel andeuten.
Nachdem die EZB auf ihrer März-Sitzung bereits ein sehr umfangreiches Maßnahmenpaket veröffentlicht habe, habe es wie erwartet auf der gestrigen Sitzung wenig Neues zu berichten gegeben. Der Rentenmarkt habe sich daraufhin etwas verschnupft gezeigt. Die Analysten würden allerdings kurzfristig keinen starken Preisdruck am Anleihemarkt erwarten, da in den kommenden Wochen Staatsanleihen im hohen Millardenvolumen fällig würden und Investoren dementsprechend starken Wiederanlagedruck verspüren würden. Dies stoße auf eine EZB, die seit Anfang des Monats nicht mehr nur 60 Mrd. Euro, sondern 80 Mrd. Euro an Anleihen monatlich kaufen dürfe und somit in direkte Konkurrenz zu den Investoren stehe.
Die Analysten würden weiterhin empfehlen, Investitionen außerhalb der Kernmärkte zu tätigen. Insbesondere Schwellenländeranleihen hätten zuletzt von der Erholung der Rohstoffpreise sowie den Stabilisierungstendenzen aus der chinesischen Volkswirtschaft profitieren können. Die globale Konjunkturentwicklung sei weiterhin geprägt von schwachen Wachstumsraten, niedriger Inflation und werde maßgeblich von einer robusten Konsumnachfrage getragen. Dieses Bild sollte sich im Jahresverlauf nicht entscheidend ändern. (Ausgabe vom 22.04.2016) (25.04.2016/alc/a/a)
Zur Erinnerung: In den vergangenen zwei Jahren habe der Ölmarkt einen Preisrückgang von über 80 US-Dollar je Barrel verkraften müssen. Diese starke Abwärtsbewegung lasse sich vereinfacht am Grundkonzept der Marktwirtschaft erklären: Angebot und Nachfrage. Durch einen aufstrebenden Akteur (die USA) hätten sich die etablierten Marktteilnehmer (insbesondere die OPEC-Länder) mit rückläufigen Marktanteilen konfrontiert gesehen. Anstelle, wie in der Vergangenheit gewohnt, zu Zeiten von Ölpreisrückgängen die Produktion zu drosseln, habe die OPEC die Ölförderung allerdings diesmal noch weiter erhöht mit dem Hintergedanken, die US-Produzenten durch Dumpingpreise aus dem Markt zu verdrängen. Somit habe sich das Angebot von der tatsächlichen Nachfrage entkoppelt und den Ölmarkt aus dem Gleichgewicht gebracht. In den USA habe diese Entwicklung bereits deutliche Spuren hinterlassen. In den vergangenen 18 Monaten seien die Ölbohrungen um über 70 Prozent zurückgegangen und habe zu den ersten Produktionsrückgängen seit 2008 geführt.
Allerdings würden die niedrigen Preise nicht nur die Existenz der US-Ölunternehmen bedrohen, sondern würden sich zunehmend auch in der Finanzlage der OPEC-Ländern negativ bemerkbar machen. Aus dieser Motivation heraus seien Mitte Februar Gerüchte entstanden, wonach die OPEC zusammen mit Russland Obergrenzen für die Ölproduktion würden beschließen wollen, um somit den Preis zu stabilisieren. Tatsächlich sei dies sehr gut gelungen. Denn seit Mitte Februar sei der Ölpreis um über 60 Prozent gestiegen und habe sich gleichzeitig positiv auf die globalen Aktienmärkte ausgewirkt, die einen miserablen Jahresstart hinter sich gehabt hätten. Nun sollten am vergangenen Wochenende offiziell die Produktionsobergrenzen beschlossen werden. Doch eine Einigung sei wider Erwarten ausgeblieben. Wer nun einen deutlichen Einbruch im Ölpreis und gleichzeitig an den Aktienmärkten erwartet habe, sei überrascht worden. Nach einem kurzen Kurseinbruch habe sich der Ölpreis im Laufe der Woche wieder erholt und teilweise 10 Prozent über dem Vorwochenniveau notiert.
Die positive Korrelation zwischen dem Ölpreis und dem Aktienmarkt sei auch in dieser Woche bestehen geblieben, sodass der deutsche Leitindex DAX die 10.000er Marke nicht nur habe verteidigen, sondern auch ausbauen können. Es falle allerdings schwer, handfeste Gründe neben der Ölpreisentwicklung für die positive Entwicklung der letzten Tage zu identifizieren. Die Impulse aus der gestarteten US-Bilanzsaison würden eher gemischt bis leicht negativ ausfallen. Die zuletzt veröffentlichten Makrodaten würden ebenfalls wenig Anlass geben, euphorisch auf die globale Konjunktur zu blicken, und auch vonseiten der dieswöchigen EZB-Sitzung habe es keine neuen Impulse gegeben. Aus Sicht der Analysten stehe die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten auf wackligen Füßen. Für einen nachhaltigen Trend müsse sich das Konjunkturbild aufhellen und insbesondere die Gewinnsituation der Unternehmen verbessern. So würden sich die amerikanischen Unternehmen in einer Gewinnrezession befinden und auch in der aktuell laufenden Berichtssaison keinen Trendwandel andeuten.
Nachdem die EZB auf ihrer März-Sitzung bereits ein sehr umfangreiches Maßnahmenpaket veröffentlicht habe, habe es wie erwartet auf der gestrigen Sitzung wenig Neues zu berichten gegeben. Der Rentenmarkt habe sich daraufhin etwas verschnupft gezeigt. Die Analysten würden allerdings kurzfristig keinen starken Preisdruck am Anleihemarkt erwarten, da in den kommenden Wochen Staatsanleihen im hohen Millardenvolumen fällig würden und Investoren dementsprechend starken Wiederanlagedruck verspüren würden. Dies stoße auf eine EZB, die seit Anfang des Monats nicht mehr nur 60 Mrd. Euro, sondern 80 Mrd. Euro an Anleihen monatlich kaufen dürfe und somit in direkte Konkurrenz zu den Investoren stehe.
Die Analysten würden weiterhin empfehlen, Investitionen außerhalb der Kernmärkte zu tätigen. Insbesondere Schwellenländeranleihen hätten zuletzt von der Erholung der Rohstoffpreise sowie den Stabilisierungstendenzen aus der chinesischen Volkswirtschaft profitieren können. Die globale Konjunkturentwicklung sei weiterhin geprägt von schwachen Wachstumsraten, niedriger Inflation und werde maßgeblich von einer robusten Konsumnachfrage getragen. Dieses Bild sollte sich im Jahresverlauf nicht entscheidend ändern. (Ausgabe vom 22.04.2016) (25.04.2016/alc/a/a)


