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Konjunktur langsam voran, Renten vor und zurück
05.02.16 11:50
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Neulich habe ich nach langer Zeit wieder einmal den Vergleich vom Hund und seinem Herrchen mit der Börse gehört und fand diesen auch für die aktuelle Marktphase wieder sehr passend, so die Analysten der Weberbank.
Für alle Leser, die den Vergleich von Börsen-Altmeister André Kostolany nicht mehr präsent hätten, sei er kurz zitiert: "Das Verhältnis von Börse und Wirtschaft ist wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund. Der Mann geht langsam vorwärts, der Hund rennt vor und zurück." Genau dieses Bild zeichne sich gerade an den Weltbörsen. Die Wirtschaft in den Industrienationen schreite, allen Unkenrufen zum Trotz, langsam voran.
So sei das Brutto-Inlandsprodukt in den USA im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um solide 1,8 Prozent gestiegen, der ifo-Geschäftsklimaindex deute für Deutschland trotz leichten Rückgangs immer noch ein Wachstum von knapp zwei Prozent an, und die Frühindikatoren der europäischen Kommission würden für Europa ebenfalls ein zwar geringes, aber solides Wachstum erwarten lassen. Die Börsen würden sich hingegen aktuell wie ein Hund verhalten, der kurzzeitig kehrt gemacht habe und versuche, sein Herrchen zum Umkehren zu bewegen.
Die Frage sei, wer am Ende den Weg vorgeben werde. Denn wenn sich die Analysten die aktuellen und die geschätzten Gewinne der Unternehmen in den USA und Europa anschauen würden, so hätten sie zuletzt sogar eine beschleunigte Senkung der Ertragsprognosen für die nächsten Quartale beobachtet. Interessant in diesem Zusammenhang sei die Beobachtung, dass die US-Volkswirtschaft vom Konsum getragen werde (Anteil am Brutto-Inlandsprodukt ca. 70%), während beispielsweise die Unternehmensgewinne des US-Aktienindex S&P 500 zu fast 70% aus dem Verarbeitenden Gewerbe stammen würden. Insofern sei es also durchaus denkbar, dass die US-Unternehmen wie der zurückbleibende Hund zwischenzeitlich in eine Gewinnrezession übergehen würden, während die US-Volkswirtschaft als Herrchen wie beschrieben weiter langsam voranschreite.
Entscheidend werde sein, ob die Gewinnrezession im Verarbeitenden Gewerbe das Potenzial habe, auf die Gesamtwirtschaft überzuschwappen. Denn so wie ein Hund durch beharrliches Ziehen und Zerren sein Herrchen doch irgendwann zum Umkehren bewegen könne, könnte die Verarbeitende Industrie trotz vermeintlich geringem Anteil an der US-Wirtschaftsleistung durch Zweitrundeneffekte größere Strahlwirkung entfalten. Schaue man sich die Gewinnrückgänge näher an, dann stelle man ziemlich schnell fest, dass es hauptsächlich die Unternehmen des Energie- und Rohstoffbereiches seien, die die Gesamtwachstumsrate extrem stark nach unten ziehen würden.
Diskussionen um mögliche Insolvenzen von US-Ölförderunternehmen vor dem Hintergrund des niedrigen Ölpreises und damit den Ausfall von Hochzinsanleihen und Bankkrediten würden zeigen, dass sich die Marktauguren große Sorgen machen würden, dass eine zunächst losgelöste Entwicklung langsam in die Gesamtwirtschaft wachsen könnte. Noch würden aber Massenentlassungen in der Energiebranche nicht auf den Gesamtarbeitsmarkt der USA bzw. den weiter starken Konsum durchschlagen.
Denn schließlich stünden auch andere Herrchen bereit, ihre Kollegen mitzuziehen. Die Notenbanken in Europa und Japan würden sich weiter bereit zeigen, die Wirtschaft durch ihre Maßnahmen zu stimulieren. Nach der Europäischen Zentralbank (EZB) habe nun auch die japanische Notenbank (BoJ) einen negativen Einlagenzins eingeführt, um das von Geschäftsbanken bei ihr geparkte Geld in den Markt zu treiben. Auch werde die Wahrscheinlichkeit eines Zinsanhebungsschrittes der US-Notenbank (FED) im März von den Analysten inzwischen wieder geringer gesehen.
Die Rentenmärkte würden von den beschriebenen Kräften weiter in die eine oder andere Richtung gezogen. Während die Renditen von Staatsanleihen zuletzt durch die expansiven Maßnahmen der EZB wieder stark zurückgegangen seien, würden Unternehmensanleihen aufgrund der Unsicherheit über die Entwicklung der Unternehmensgewinne attraktive Risikoaufschläge verzeichnen.
Die weiterhin expansiven Notenbankmaßnahmen und das niedrige, aber stabile Volkswirtschaftswachstum der Industrienationen auf der einen, die Verunsicherung bezüglich der Unternehmensgewinnaussichten, die Wirkung stark gesunkener Rohstoffpreise und der weiteren Entwicklung in den Schwellenländern auf der anderen Seite, würden die Aktienmärkte in ihrem Bann halten. Mithin sei es nach Erachten der Analysten angeraten, sich ein wenig Pulver trocken zu halten, um einerseits die Schwankungsintensität der Märkte im eigenen Portfolio abzupuffern und andererseits sich bietende Bewertungschancen ergreifen zu können. Denn in einem solch nervösen Marktumfeld würden sich auch immer wieder Chancen aus Fehlbewertungen ergeben. (05.02.2016/alc/a/a)
Für alle Leser, die den Vergleich von Börsen-Altmeister André Kostolany nicht mehr präsent hätten, sei er kurz zitiert: "Das Verhältnis von Börse und Wirtschaft ist wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund. Der Mann geht langsam vorwärts, der Hund rennt vor und zurück." Genau dieses Bild zeichne sich gerade an den Weltbörsen. Die Wirtschaft in den Industrienationen schreite, allen Unkenrufen zum Trotz, langsam voran.
So sei das Brutto-Inlandsprodukt in den USA im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um solide 1,8 Prozent gestiegen, der ifo-Geschäftsklimaindex deute für Deutschland trotz leichten Rückgangs immer noch ein Wachstum von knapp zwei Prozent an, und die Frühindikatoren der europäischen Kommission würden für Europa ebenfalls ein zwar geringes, aber solides Wachstum erwarten lassen. Die Börsen würden sich hingegen aktuell wie ein Hund verhalten, der kurzzeitig kehrt gemacht habe und versuche, sein Herrchen zum Umkehren zu bewegen.
Die Frage sei, wer am Ende den Weg vorgeben werde. Denn wenn sich die Analysten die aktuellen und die geschätzten Gewinne der Unternehmen in den USA und Europa anschauen würden, so hätten sie zuletzt sogar eine beschleunigte Senkung der Ertragsprognosen für die nächsten Quartale beobachtet. Interessant in diesem Zusammenhang sei die Beobachtung, dass die US-Volkswirtschaft vom Konsum getragen werde (Anteil am Brutto-Inlandsprodukt ca. 70%), während beispielsweise die Unternehmensgewinne des US-Aktienindex S&P 500 zu fast 70% aus dem Verarbeitenden Gewerbe stammen würden. Insofern sei es also durchaus denkbar, dass die US-Unternehmen wie der zurückbleibende Hund zwischenzeitlich in eine Gewinnrezession übergehen würden, während die US-Volkswirtschaft als Herrchen wie beschrieben weiter langsam voranschreite.
Diskussionen um mögliche Insolvenzen von US-Ölförderunternehmen vor dem Hintergrund des niedrigen Ölpreises und damit den Ausfall von Hochzinsanleihen und Bankkrediten würden zeigen, dass sich die Marktauguren große Sorgen machen würden, dass eine zunächst losgelöste Entwicklung langsam in die Gesamtwirtschaft wachsen könnte. Noch würden aber Massenentlassungen in der Energiebranche nicht auf den Gesamtarbeitsmarkt der USA bzw. den weiter starken Konsum durchschlagen.
Denn schließlich stünden auch andere Herrchen bereit, ihre Kollegen mitzuziehen. Die Notenbanken in Europa und Japan würden sich weiter bereit zeigen, die Wirtschaft durch ihre Maßnahmen zu stimulieren. Nach der Europäischen Zentralbank (EZB) habe nun auch die japanische Notenbank (BoJ) einen negativen Einlagenzins eingeführt, um das von Geschäftsbanken bei ihr geparkte Geld in den Markt zu treiben. Auch werde die Wahrscheinlichkeit eines Zinsanhebungsschrittes der US-Notenbank (FED) im März von den Analysten inzwischen wieder geringer gesehen.
Die Rentenmärkte würden von den beschriebenen Kräften weiter in die eine oder andere Richtung gezogen. Während die Renditen von Staatsanleihen zuletzt durch die expansiven Maßnahmen der EZB wieder stark zurückgegangen seien, würden Unternehmensanleihen aufgrund der Unsicherheit über die Entwicklung der Unternehmensgewinne attraktive Risikoaufschläge verzeichnen.
Die weiterhin expansiven Notenbankmaßnahmen und das niedrige, aber stabile Volkswirtschaftswachstum der Industrienationen auf der einen, die Verunsicherung bezüglich der Unternehmensgewinnaussichten, die Wirkung stark gesunkener Rohstoffpreise und der weiteren Entwicklung in den Schwellenländern auf der anderen Seite, würden die Aktienmärkte in ihrem Bann halten. Mithin sei es nach Erachten der Analysten angeraten, sich ein wenig Pulver trocken zu halten, um einerseits die Schwankungsintensität der Märkte im eigenen Portfolio abzupuffern und andererseits sich bietende Bewertungschancen ergreifen zu können. Denn in einem solch nervösen Marktumfeld würden sich auch immer wieder Chancen aus Fehlbewertungen ergeben. (05.02.2016/alc/a/a)


