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Das Klima an den Finanzmärkten wird rauer


20.01.16 12:41
Janus Capital International

London (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank wird im laufenden Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit den Leitzins in mehreren Schritten weiter anheben. Vor diesem Hintergrund versprechen Aktien gute Anlagechancen, während bei Anleihen vor allem in den USA die Börsenampeln auf Gelb springen. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des US-amerikanischen Asset-Managers Janus Capital in ihrem Kapitalmarktausblick für das Jahr 2016.

"In der Vergangenheit haben sich Aktien in der Mehrzahl der Phasen, in denen die FED den Leitzins angehoben hat, gut entwickelt", sage Enrique Chang, Chief Investment Officer bei Janus und für seinen Kollege Marc Pinto, Portfoliomanager bei Janus, spreche auch das makroökonomische Umfeld für Dividendentitel. "Wenn die Zinsen langsam steigen und dabei die Wirtschaft nur leicht wächst, gleichzeitig die Inflation niedrig ist, hat sich das bislang als generell günstig für Aktien erwiesen - vor allem für Wachstumstitel."

Nach Meinung der Janus-Experten würden vor allem die Aktienmärkte in Europa und Japan vom Anstieg der US-Zinsen profitieren. "Höhere Zinsen und in deren Folge ein stärkerer Dollar kurbeln die Exporte in den Volkswirtschaften dieser Regionen an, was die industrielle Produktion und damit letztlich das Bruttoinlandsprodukt steigert", prognostiziere Pintos Kollege George Maris. Ihm zufolge könnte die straffere US-Geldpolitik auch psychologischen Effekt für europäische und japanische Unternehmen haben: Aus Sorge, dass sich die Zinsen vor ihrer eigenen Haustüre über kurz oder lang ebenfalls verteuern würden, könnten sie ihre Investitionen hochfahren, um die günstigen Finanzierungskosten zu nutzen.

Auch wenn die Bedingungen für die Aktienmärkte insgesamt gut seien, würden die Janus-Experten den Investoren raten, bei der Auswahl einzelner Unternehmen auf solide Bilanzen und eine hohe Finanzkraft sowie niedrige Verschuldung zu achten. "Anleger sollten ein Verständnis dafür entwickeln, wie gut ein Unternehmen in der Lage ist, seine Auslandserlöse in Verbindung mit seiner Liquidität und seinen Verbindlichkeiten zu managen", sage Janus-Anlageexperte Brian Demain. "Solche Faktoren bekommen in diesem Stadium des Zinszyklus eine größere Bedeutung." Und Greg Kolb, Chief Investment Officer bei Perkins Investment Management, einem Tochter-Unternehmen des US-Vermögensverwalters, ergänze, dass Unternehmen mit gesunder Bilanz eine schwächere Gewinnentwicklung überstehen könnten, ohne dass ihnen der finanzielle Dispositionsspielraum verloren gehe.

Ausdrücklich würden die Janus-Experten in ihrem Ausblick auch auf das Phänomen der Disruption eingehen. Sie würden darauf hinweisen, dass die US-, ebenso wie die Weltwirtschaft nur moderat wachsen würden, sich gleichzeitig aber das Innovationstempo noch weiter beschleunige. "Neue Technologien lassen althergebrachte Geschäftsmodelle zusammenbrechen oder zwingen ganze Branchen oder Industriezweige dazu, einen Wandel zu vollziehen", erkläre Portfoliomanager Demain. "Wir halten Unternehmen, die im Zentrum dieses Prozesses stehen und ihn vorantreiben für eine der besten Möglichkeiten, in Wachstum zu investieren in einem ansonsten von eher wachstumsarmen wirtschaftlichen Umfeld."

Bei den Emerging Markets würden die Janus-Experten vor allem auf China und Indien eingehen. Ihrer Einschätzung zufolge werde China seinen Wandel von einer exportorientierten, industriell geprägten Volkswirtschaft zu einem vom Konsum getrieben Wirtschaftsmodell fortsetzen. "Obwohl der Übergangsprozess noch seine Zeit benötigen wird, trägt der steigende Konsum bereits heute einen erheblichen Teil zum Wirtschaftswachstum des Landes bei", stelle Carmel Wellso, Researchspezialistin und Portfoliomanagerin bei Janus, heraus. "Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt und die gute Verbraucherkonjunktur letztlich hilft, dass die chinesische Wirtschaft ein 'hard landing' verhindern kann."

Indien verspreche für die Janus-Experten im laufenden Jahr zu einem der attraktivsten Länder unter den Emerging Markets zu werden. Anders als in vielen anderen Schwellenländer sei die Inflation auf dem Sub-Kontinent gebannt, sodass die Notenbank Spielraum habe, die Zinsen zu lockern, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. "Wir sind zuversichtlich, dass sich die Impulse der indischen Notenbank zunehmend in der realen Wirtschaft des Landes niederschlagen werden", gebe Anlageexperte Maris einen Ausblick.

Deutlich vorsichtiger sollten die Investoren auf Empfehlung der Janus-Experten im laufenden Jahr an den Anleihemärkten agieren. "Weniger wegen der steigenden Zinsen in den USA - dies ist längst eingepreist an den Märkten", sage Gibson Smith, Chief Investment Officer Fixed Income bei Janus. "Es ist vielmehr das unterschiedliche Wachstumstempo der großen Volkswirtschaften in Kombination mit einem Anstieg der globalen Verschuldung, das Anlass zur Vorsicht gibt." Smith und sein Team würden damit rechnen, dass die US-Wirtschaft wie in den Vorjahren stabil wachsen werde, während sich in Europa und Japan die Phase des geringen Wachstums nahe der Nulllinie fortsetze.

"Das Wachstum einzelner Länder - und damit auch deren Geldpolitik - werden in den kommenden Jahren weiter voneinander abweichen", warne Smith. "Die globale Wirtschaft kann das verkraften, aber die Investoren sollten sich auf stark schwankende Erträge einstellen, auch weil die Bewertungen von Risikoanlegen ziemlich ausgereizt ist." Ähnlich zurückhaltend würden die Janus-Experten die Situation bei Unternehmensanleihen beurteilen.

"Die niedrigen Zinsen veranlassen viele Firmen, sich über die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren und so ihre Verschuldung hochzufahren", beobachte Mayur Saigal, Global Head of Fixed Income Risikomanagement. "Der starke Anstieg der Verschuldung, zunehmend engere Anleihe-Spreads und eine Ausweitung der Laufzeiten sind ein Zeichen dafür, dass der Kreditzyklus weit vorangeschritten ist. Dies spricht nach unserer Einschätzung für eine defensive Ausrichtung des Anleihenanteils im Portfolio." (20.01.2016/alc/a/a)