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Keine Zeit für Stagflation


18.03.22 14:32
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Nun, die diesjährige Karnevalssaison ist ja bekanntlich vorbei, dennoch musste ich gerade an sie denken, vor allem an das Dreigestirn Prinz, Bauer und Jungfrau - Symbolfiguren des jecken Daseins im Rheinland, so Olaf Hordenbach, Chefredakteur des Kundenmagazins von BNP Paribas "Märkte & Zertifikate".

So ein Dreigestirn gebe es nämlich auch in der Welt der Ökonomie. Doch im Gegensatz zu Prinz, Bauer und Jungfrau würden Inflation, Deflation und Stagflation keine Fröhlichkeit, sondern Angst und Schrecken verbreiten. Inflation, Deflation und Stagflation seien, um es einmal etwas lax zu formulieren, Ausgeburten wirtschaftlicher Fehlentwicklungen. Wenn das Gleichgewicht am Markt aus den Fugen gerate, wenn Wachstum und Preisbildung nicht mehr miteinander harmonieren würden, dann hätten sie ihren großen Auftritt.

Während bei der Inflation die Kaufkraft des Geldes schwinde, man für sein Geld immer weniger bekomme, sei bei der Deflation das Gegenteil der Fall. Letzteres höre sich vielleicht gut an, man bekomme für das Geld mehr Waren und Dienstleistungen, doch gesamtwirtschaftlich gesehen sei das eher kontraproduktiv. Denn wenn morgen alles billiger werde, warte man noch mit den Ausgaben. Der Konsum komme so zum Erliegen, weil alle nur noch warten würden. Eine solche Entwicklung habe man zum Beispiel in den 90er Jahren in Japan sehen können. Inflation und Deflation würden früher oder später führen, wenn sie außer Kontrolle geraten und gewisse Toleranzen über- beziehungsweise unterschreiten würden, zu einem Wirtschaftsabschwung.

Und was sei nun die Stagflation? Nun, in gewisser Weise sei die Stagflation eine Kombination aus Inflation und Deflation. Man habe einerseits stark steigende Preise, die die Kaufkraft des Geldes schmälern würden, man habe andererseits ein sehr schwaches, ja dahindümpelndes Wirtschaftswachstum, das an eine Deflation oder zumindest an eine deflationäre Stimmung erinnere. Manche Experten würden auch von einer "blutarmen Wirtschaftsentwicklung" sprechen und befürchten, dass uns eine solche Phase bevorstehen könnte: hohe Inflation, wenig Wachstum.

Das erinnere an die 1970er Jahre. Auch damals hätten sich die Energierohstoffe (Stichwort Ölkrise) verteuert, gleichzeitig habe die Wirtschaft schwache Wachstumszahlen aufgewiesen. Nun hätten einige Experten untersucht, welche Anlageklassen damals dennoch gut hätten laufen können. Ergebnis: Rohstoffe, Value-Aktien und defensive Aktien hätten sich positiv entwickelt, Wachstumsaktien, Staatsanleihen und zyklische Werte eher schlecht bis negativ.

Die kommenden Monate würden zeigen, ob man wirklich eine Stagflation bekomme. Olaf Hordenbach sei da eher skeptisch. Warum? Man könne sich schlichtweg keine Stagflation leisten. Die Welt sei im Wandel. Der Klimawandel dränge uns zu einem tiefgreifenden Umbau der Wirtschaft. Das erzeuge Wachstum, ob man wolle oder nicht. Das sei ein bisschen wie Karneval, der komme auch, jedes Jahr, ob man wolle oder nicht. (18.03.2022/alc/a/a)