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Kaufkraft - technische Unterstützung für Euro-Investment-Grade-Anleihen
05.12.19 11:00
Janus Henderson Investors
London (www.anleihencheck.de) - Tim Winstone, Credit Portfolio Manager von Janus Henderson Investors, erklärt, warum technische Faktoren die Nachfrage nach Euro-Investment-Grade-Anleihen beflügeln sollten.
Nach fast einjähriger Unterbrechung habe die Europäische Zentralbank (EZB) im November 2019 ihre Anleihekäufe wieder aufgenommen. In den ersten drei Wochen habe sie Anleihen im Wert von rund 4,6 Mrd. EUR erworben, womit sich der Gesamtwert der Anleihekäufe durch die EZB seit Beginn des Programms zum Ankauf von Unternehmensanleihen (CSPP) im Juni 2016 auf 182 Mrd. EUR erhöhe (Stand: 22. November 2019).
Die Auswirkungen auf die Spreads (definiert als die Renditedifferenz zwischen einer Unternehmens- und einer vergleichbaren Staatsanleihe) würden sich nur schwer beziffern lassen. Auch weil die EZB den Neustart des Programms im September 2019 angekündigt und sich schon früher am Markt die Erwartung durchgesetzt habe, dass die Währungshüter so handeln würden. Möglich also, dass sich das bereits in den Monaten vor Wiederaufnahme der Käufe in den Anleihekursen niedergeschlagen habe. Der Spread von Euro-Investment-Grade-Anleihen, gemessen am ICE BofAML Euro Corporate Index, sei von 155 Basispunkten (Bp) Anfang 2019 auf ein Jahrestief von 98 Bp am 7. November gesunken. Seitdem sei er wieder auf 105 Bp gestiegen (Stand: 22. November). Eine Vielzahl von Faktoren habe Einfluss auf die Spread-Bewegungen. Aber wenn es um den Rückgang der Risikoaufschläge gehe, schade es nicht, wenn ein preisunempfindlicher Käufer Anleihen am Markt aufkaufe.
Das Universum der Euro-Investment-Grade-Unternehmensanleihen, gemessen am ICE BofAML Euro Corporate Index, habe ein Volumen von rund 2.600 Mrd. EUR1. Das für Käufe der EZB infrage kommende Universum sei mit rund 600 Mrd. EUR deutlich kleiner, da die Zentralbank bei der Anleiheauswahl eine Reihe von Auflagen berücksichtigen müsse. So dürften die Anleihen beispielsweise nicht von Banken und müssten von in der Eurozone ansässigen Unternehmen emittiert sein. Die Schuldtitel müssten in der Eurozone ausgegeben werden, auf Euro lauten und mindestens ein Rating von BBB- (oder gleichwertig), eine Mindestlaufzeit von sechs Monaten und eine maximale Laufzeit von 31 Jahren aufweisen.
Bemerkenswert an den neuen Kriterien sei, dass die EZB nun auch Vermögenswerte mit Renditen unterhalb ihres Einlagenzinssatzes (d.h. unter -0,5%) kaufen könne, sodass auch Anleihen mit negativer Rendite zulässig seien.
Europäische Unternehmen hätten sich nicht lange bitten lassen und würden sich diese Vorteile zunutze machen. In den letzten Jahren sei das Nettoangebot an Euro-Investment-Grade-Anleihen kontinuierlich gestiegen, denn immer mehr Firmen würden die Gelegenheit nutzen, sich zu niedrigeren Zinssätzen zu refinanzieren. Zudem sei die Fremdkapitalaufnahme angesichts relativ niedriger Kreditkosten und eines Käufers, der für ihre Anleihen bereit stehe, zu verlockend. Aber nicht nur europäische Unternehmen seien in diesem Marktsegment aktiv. Spürbar belebt habe sich auch die Emission von Reverse Yankees. Das seien Anleihen, die von in den USA ansässigen Unternehmen auf den Euro-Märkten begeben würden. Damit würden sie die in Europa niedrigeren Finanzierungskosten bzw. die Möglichkeit nutzen, Erträge in Lokalwährung direkt für den Schuldendienst zu verwenden.
Unter dem Strich befinde sich der Markt mehr oder weniger im Gleichgewicht. Das Angebot habe zwar zugenommen, treffe aber auf eine große Nachfrage, die die Spreads in Schach halte. Angesichts der Negativrenditen vieler Staatsanleihen aus der Eurozone würden Anleger bei Euro-IG-Unternehmensanleihen nach positiver Rendite suchen, ohne dazu übermäßige Risiken eingehen zu müssen. Die überwiegende Mehrheit der Investment-Grade-Unternehmensanleihen biete positive Renditen. Nur 16% des Euro-Investment-Grade-Marktes würden Minusrenditen aufweisen.
Der durchschnittliche Spread von Euro-Investment-Grade-Anleihen betrage derzeit 105 Bp. Damit liege er weit über dem engsten Niveau der letzten fünf Jahre (74 Bp im Februar 2018), aber leicht unter dem Durchschnitt in diesem Zeitraum von 114 Bp. Daher würden die Experten von Janus Henderson Investors glauben, dass der Markt weder teuer noch günstig sei. Ihres Erachtens dürfte das Anlegerinteresse an Euro-IG-Unternehmensanleihen angesichts verhaltener Konjunkturaussichten hoch bleiben. Auch weil die Käufe der EZB eine Art Sicherheitsnetz für den Markt seien. (Ausgabe November 2019) (05.12.2019/alc/a/a)
Nach fast einjähriger Unterbrechung habe die Europäische Zentralbank (EZB) im November 2019 ihre Anleihekäufe wieder aufgenommen. In den ersten drei Wochen habe sie Anleihen im Wert von rund 4,6 Mrd. EUR erworben, womit sich der Gesamtwert der Anleihekäufe durch die EZB seit Beginn des Programms zum Ankauf von Unternehmensanleihen (CSPP) im Juni 2016 auf 182 Mrd. EUR erhöhe (Stand: 22. November 2019).
Die Auswirkungen auf die Spreads (definiert als die Renditedifferenz zwischen einer Unternehmens- und einer vergleichbaren Staatsanleihe) würden sich nur schwer beziffern lassen. Auch weil die EZB den Neustart des Programms im September 2019 angekündigt und sich schon früher am Markt die Erwartung durchgesetzt habe, dass die Währungshüter so handeln würden. Möglich also, dass sich das bereits in den Monaten vor Wiederaufnahme der Käufe in den Anleihekursen niedergeschlagen habe. Der Spread von Euro-Investment-Grade-Anleihen, gemessen am ICE BofAML Euro Corporate Index, sei von 155 Basispunkten (Bp) Anfang 2019 auf ein Jahrestief von 98 Bp am 7. November gesunken. Seitdem sei er wieder auf 105 Bp gestiegen (Stand: 22. November). Eine Vielzahl von Faktoren habe Einfluss auf die Spread-Bewegungen. Aber wenn es um den Rückgang der Risikoaufschläge gehe, schade es nicht, wenn ein preisunempfindlicher Käufer Anleihen am Markt aufkaufe.
Bemerkenswert an den neuen Kriterien sei, dass die EZB nun auch Vermögenswerte mit Renditen unterhalb ihres Einlagenzinssatzes (d.h. unter -0,5%) kaufen könne, sodass auch Anleihen mit negativer Rendite zulässig seien.
Europäische Unternehmen hätten sich nicht lange bitten lassen und würden sich diese Vorteile zunutze machen. In den letzten Jahren sei das Nettoangebot an Euro-Investment-Grade-Anleihen kontinuierlich gestiegen, denn immer mehr Firmen würden die Gelegenheit nutzen, sich zu niedrigeren Zinssätzen zu refinanzieren. Zudem sei die Fremdkapitalaufnahme angesichts relativ niedriger Kreditkosten und eines Käufers, der für ihre Anleihen bereit stehe, zu verlockend. Aber nicht nur europäische Unternehmen seien in diesem Marktsegment aktiv. Spürbar belebt habe sich auch die Emission von Reverse Yankees. Das seien Anleihen, die von in den USA ansässigen Unternehmen auf den Euro-Märkten begeben würden. Damit würden sie die in Europa niedrigeren Finanzierungskosten bzw. die Möglichkeit nutzen, Erträge in Lokalwährung direkt für den Schuldendienst zu verwenden.
Unter dem Strich befinde sich der Markt mehr oder weniger im Gleichgewicht. Das Angebot habe zwar zugenommen, treffe aber auf eine große Nachfrage, die die Spreads in Schach halte. Angesichts der Negativrenditen vieler Staatsanleihen aus der Eurozone würden Anleger bei Euro-IG-Unternehmensanleihen nach positiver Rendite suchen, ohne dazu übermäßige Risiken eingehen zu müssen. Die überwiegende Mehrheit der Investment-Grade-Unternehmensanleihen biete positive Renditen. Nur 16% des Euro-Investment-Grade-Marktes würden Minusrenditen aufweisen.
Der durchschnittliche Spread von Euro-Investment-Grade-Anleihen betrage derzeit 105 Bp. Damit liege er weit über dem engsten Niveau der letzten fünf Jahre (74 Bp im Februar 2018), aber leicht unter dem Durchschnitt in diesem Zeitraum von 114 Bp. Daher würden die Experten von Janus Henderson Investors glauben, dass der Markt weder teuer noch günstig sei. Ihres Erachtens dürfte das Anlegerinteresse an Euro-IG-Unternehmensanleihen angesichts verhaltener Konjunkturaussichten hoch bleiben. Auch weil die Käufe der EZB eine Art Sicherheitsnetz für den Markt seien. (Ausgabe November 2019) (05.12.2019/alc/a/a)


