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Kapitalmarkt: Game Changer
11.10.23 10:45
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Das mittlerweile massiv erhöhte Zinsniveau zur Eindämmung der Inflationsdynamik bringt unweigerlich stark veränderte Finanzierungskonditionen mit sich und schafft dadurch in vielfacher Hinsicht neue Rahmenbedingungen. Infolge der extremen fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen aus der Zeit der Pandemie, aber auch infolge der zuvor langjährigen Niedrig- bzw. Nullzinsphase scheinen sich diese neuen Rahmenbedingungen noch nicht in jeder Hinsicht und deutlich zeitverzögerter als in vergleichbaren Phasen zu manifestieren, so Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG.
Das nunmehr sukzessive Auslaufen der Fiskalmaßnahmen, in Kombination mit der einsetzenden dämpfenden Wirkung der straffen Geldpolitik, dürfte aber immer mehr in der Realwirtschaft ankommen. Sowohl die wesentlichen Makro-Frühindikatoren wie auch die stark inverse Zinsstruktur würden bereits seit geraumer Zeit einen deutlichen Wirtschaftsabschwung signalisieren. In der Euro-Zone würden sich bereits weite Teile der Industrie, insbesondere in der größten Volkswirtschaft Deutschland, in einer Rezession befinden. Überraschend stark habe sich bislang der Arbeitsmarkt gezeigt - für die Notenbanken einerseits der wichtigste (wenn auch nachlaufende) Indikator für den Zustand der Gesamtwirtschaft und andererseits eine wesentliche Inflationsquelle über steigende Löhne/Gehälter. Zuletzt sei die Devise "higher for longer" ausgegeben worden, zumal die Inflationsraten noch deutlich über dem unveränderten 2%-Ziel liegen würden.
Am Rentenmarkt sei die verlängerte Zinshochphase über weiter ansteigende Renditen - insbesondere bei lang laufenden Staatsanleihen - auch entsprechend eingepreist worden. Des Weiteren würden die erhöhten Haushaltsdefizite und der Abbau der Bilanzsummen der Zentralbanken den Druck auf die Anleiherenditen verstärken. Der Aktienmarkt hingegen habe sich bis vor Kurzem recht unbeeindruckt gezeigt und weise seit Jahresbeginn immer noch deutliche Kursgewinne auf. Aigner gehe jedoch davon aus, dass diese wohl nicht haltbar sein würden.
In einem risk-off Szenario Ende September seien die nominellen Renditen risikoarmer Staatsanleihen ebenso angestiegen wie Risikoprämien risikobehafteter Staatsanleihen. Vor allem der Anstieg der realen Zinsen habe zu höheren Renditen und nicht höheren Inflationserwartungen geführt. Aigner erachte die aktuellen Renditen von Euro-Staatsanleihen als attraktiv, insbesondere US-Staatsanleihen.
Die Unternehmensanleihemärkte hätten sich von den Verwerfungen an den Aktien- und Staatsanleihemärkten weitestgehend unbeeindruckt gezeigt. Risikoprämien hätten nur moderat gegen Norden tendiert. Auch der Primärmarkt sei zuletzt durchaus belebt gewesen, mit Emissionen von Investmentgrade- und High-Yield Emittenten. In Summe diskontiere dieser Markt die fundamentale Schwäche de facto kaum. Aigner bleibe hier vorsichtig positioniert.
Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen hätten sich weiterhin vergleichsweise gut behauptet. Man beobachte aber v.a. aus China sehr schwache Konjunkturdaten und ein Verpuffen der dortigen Stimulus-Maßnahmen. In Summe erwarte Aigner kein Abkoppeln der Schwellenländer-Anleihespreads von den Risikoprämien in den entwickelten Märkten, wo er derzeit eher mit einem Anstieg derselben rechne.
Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen deutlich schwächer präsentiert. Während die Aktienmärkte in diesem Jahr von den steigenden Zinsen lange Zeit relativ unbeeindruckt gewesen seien, habe sich dieses Bild zuletzt etwas gedreht. Auch wenn die Märkte kurzfristig etwas überverkauft erscheinen würden, erwarte Aigner, dass das restriktivere Zinsumfeld in den nächsten Monaten belastend für die Aktienmärkte werde.
Für den Immobiliensektor in China gebe es nach wie vor keine Lösung, dies liege wohl auch an der massiven Gesamtverschuldung, unter der China mittlerweile leide. Eine Bereinigung wäre hier notwendig, sei aber mit Schmerzen verbunden, die die chinesische Führung nicht bereit sei, auf sich zu nehmen. Generell sei zu befürchten, dass die prekärer werdende Liquiditätssituation, ausgelöst durch globale Notenbanken, auch die US-Dollar-Finanzierung in Emerging Markets deutlich erschweren werde. Darauf müsse man in den nächsten Wochen ein achtsames Auge werfen.
In den letzten Wochen habe sich vor allem der Edelmetallbereich schwächer und der Energiebereich bis Ende September sehr fest präsentiert. Die erneuten deutlichen Renditeanstiege und ein gleichzeitig sehr fester US-Dollar hätten auf der Stimmung im Edelmetallbereich gelastet. (11.10.2023/alc/a/a)
Das nunmehr sukzessive Auslaufen der Fiskalmaßnahmen, in Kombination mit der einsetzenden dämpfenden Wirkung der straffen Geldpolitik, dürfte aber immer mehr in der Realwirtschaft ankommen. Sowohl die wesentlichen Makro-Frühindikatoren wie auch die stark inverse Zinsstruktur würden bereits seit geraumer Zeit einen deutlichen Wirtschaftsabschwung signalisieren. In der Euro-Zone würden sich bereits weite Teile der Industrie, insbesondere in der größten Volkswirtschaft Deutschland, in einer Rezession befinden. Überraschend stark habe sich bislang der Arbeitsmarkt gezeigt - für die Notenbanken einerseits der wichtigste (wenn auch nachlaufende) Indikator für den Zustand der Gesamtwirtschaft und andererseits eine wesentliche Inflationsquelle über steigende Löhne/Gehälter. Zuletzt sei die Devise "higher for longer" ausgegeben worden, zumal die Inflationsraten noch deutlich über dem unveränderten 2%-Ziel liegen würden.
Am Rentenmarkt sei die verlängerte Zinshochphase über weiter ansteigende Renditen - insbesondere bei lang laufenden Staatsanleihen - auch entsprechend eingepreist worden. Des Weiteren würden die erhöhten Haushaltsdefizite und der Abbau der Bilanzsummen der Zentralbanken den Druck auf die Anleiherenditen verstärken. Der Aktienmarkt hingegen habe sich bis vor Kurzem recht unbeeindruckt gezeigt und weise seit Jahresbeginn immer noch deutliche Kursgewinne auf. Aigner gehe jedoch davon aus, dass diese wohl nicht haltbar sein würden.
In einem risk-off Szenario Ende September seien die nominellen Renditen risikoarmer Staatsanleihen ebenso angestiegen wie Risikoprämien risikobehafteter Staatsanleihen. Vor allem der Anstieg der realen Zinsen habe zu höheren Renditen und nicht höheren Inflationserwartungen geführt. Aigner erachte die aktuellen Renditen von Euro-Staatsanleihen als attraktiv, insbesondere US-Staatsanleihen.
Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen hätten sich weiterhin vergleichsweise gut behauptet. Man beobachte aber v.a. aus China sehr schwache Konjunkturdaten und ein Verpuffen der dortigen Stimulus-Maßnahmen. In Summe erwarte Aigner kein Abkoppeln der Schwellenländer-Anleihespreads von den Risikoprämien in den entwickelten Märkten, wo er derzeit eher mit einem Anstieg derselben rechne.
Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen deutlich schwächer präsentiert. Während die Aktienmärkte in diesem Jahr von den steigenden Zinsen lange Zeit relativ unbeeindruckt gewesen seien, habe sich dieses Bild zuletzt etwas gedreht. Auch wenn die Märkte kurzfristig etwas überverkauft erscheinen würden, erwarte Aigner, dass das restriktivere Zinsumfeld in den nächsten Monaten belastend für die Aktienmärkte werde.
Für den Immobiliensektor in China gebe es nach wie vor keine Lösung, dies liege wohl auch an der massiven Gesamtverschuldung, unter der China mittlerweile leide. Eine Bereinigung wäre hier notwendig, sei aber mit Schmerzen verbunden, die die chinesische Führung nicht bereit sei, auf sich zu nehmen. Generell sei zu befürchten, dass die prekärer werdende Liquiditätssituation, ausgelöst durch globale Notenbanken, auch die US-Dollar-Finanzierung in Emerging Markets deutlich erschweren werde. Darauf müsse man in den nächsten Wochen ein achtsames Auge werfen.
In den letzten Wochen habe sich vor allem der Edelmetallbereich schwächer und der Energiebereich bis Ende September sehr fest präsentiert. Die erneuten deutlichen Renditeanstiege und ein gleichzeitig sehr fester US-Dollar hätten auf der Stimmung im Edelmetallbereich gelastet. (11.10.2023/alc/a/a)


