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Kann die EZB es besser als die Bank of Japan?


02.12.14 08:30
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Mit dem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank und gewaltigen Konjunkturprogrammen auf Pump versucht Japans Regierungschef Shinzo Abe seit fast zwei Jahren, die lahmende Wirtschaft auf Touren zu bringen, so die Experten der Alte Leipziger Trust in ihrem aktuellen "INVEST-REPORT".

Doch mehr als ein Strohfeuer habe Abe, der jüngst vorgezogene Neuwahlen ausgerufen habe, bislang nicht entfachen können. Zuletzt sei die japanische Wirtschaft sogar wieder in die Rezession zurückgefallen. Die nicht gerade ermutigenden Erfahrungen in Japan müssten eigentlich auch EZB-Chef Draghi zu denken geben. Lasse er doch gerade ein Programm für die Eurozone zum Ankauf von Staats- und Untemehmensanleihen (Quantitative Easing) vorbereiten, um die extrem niedrige Inflation und die Konjunktur in der Eurozone anzuheizen. Das offensichtliche Scheitern der Abenomics in Japan scheine Draghi und seine Kollegen in der EZB-Führung jedoch nicht wirklich zu irritieren.

Auf dem jüngsten European Banking Congress in Frankfurt habe sich Draghi fest entschlossen gezeigt, sich nicht von seinem geldpolitischen Lockerungsweg abbringen zu lassen. Die EZB werde das tun, was sie tun müsse, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen. Dies gebiete das Mandat der EZB. Sollten sich die bereits ergriffenen Maßnahmen als nicht effektiv genug erweisen, werde die EZB den Druck erhöhen und ihre Interventionskanäle verbreitern. Dies könne durch eine Veränderung des Umfangs, der Geschwindigkeit und der Zusammensetzung der Weitpapierkäufe geschehen. Dabei habe der EZB-Chef gleichwohl eingestanden, dass es ungewiss sei, wie stark die Effekte der geplanten Wertpapierkäufe in der Eurozone sein würden, da sich die Finanzstrukturen in Europa von denen in den USA und Japan unterscheiden würden. Von einer positiven Wirkung der künftigen Maßnahmen sei die EZB aber in jedem Fall überzeugt.

In den USA habe Quantitative Easing gewirkt, weil die US-Wirtschaft und der Arbeitsmarkt vergleichsweise flexibel seien. Die Abenomics seien hingegen an den verkrusteten Strukturen in Japan verpufft. Viel spreche denn auch dafür, dass in der Eurozone mit ihren unterschiedlichen Refoimgeschwindigkeiten vor allem Länder wie Deutschland und mittlerweile auch Spanien, die in ihrem Refonnprozess bereits weit fortgeschritten seien, von einem Quantitative Easing der EZB sehr viel stärker profitieren würden als die Reform-Nachzügler Italien und Frankreich, die besonders sehnsüchtig auf den "Draglii-Effekt" hoffen würden.

Die anhaltende Aussicht auf eine Ausweitung der Kaufprogramme durch die EZB treibe die Renditen der Anleihen immer weiter nach unten. Ende November sei die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen vorübergehend auf ein neues Allzeittief von 0,66% gefallen. Der Renditeverfall führe dazu, dass Anleger weiterhin stärker nach Opportunitäten Ausschau halten würden, die ihnen etwas höhere Renditen einbringen würden. So würden sie auch verstärkt nach Titeln aus der zweiten Reihe der Eurozonenstaatstitel greifen. Die Rendite von 10-jährigen französischen Staatstiteln sei erstmals unter die 1 Prozent-Marke abgerutscht, nachdem sie zu Beginn des laufenden Jahres noch bei rund 2,5% gelegen habe. Italien habe sich angesichts der Aussicht auf die Unterstützung durch die EZB über eine solide Nachfrage bei der Auktion von verschiedenen Bonds freuen können. Bei einem fünfjährigen Papier sei die Rendite von 1,23% Ende Oktober auf 0,94% gefallen. Bei einem zehnjährigen Papier hätten sich die Italiener ebenfalls zu historisch niedrigen Sätzen von 2,08% verschuldet.

Aufgrund der anhaltenden Spekulationen über eine Ausweitung des Kaufprogramms der EZB dürften die Rendite-Tiefstände im November möglicherweise noch nicht das Ende gewesen sein. Die Renditen der 10-jährigen US-Treasuries sollten durch die weiter solide konjunkturelle Entwicklung in den USA weiter unterstützt bleiben. Zuletzt hätten sie bei 2,17% notiert.

Die einzige Ausnahme vom Trend hin zu fallenden Renditen würden griechische Anleihen darstellen. Die Rendite 10-jähriger Langläufer sei auf 8,49% gestiegen. Hintergrund hierfür seien die gescheiterten Gespräche des Landes mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds. Der Ausstieg aus den Hilfsprogrammen könnte sich nun verzögern. Griechenland müsse sich bis zum 8. Dezember mit seinen Gläubigern einigen, unter welchen Bedingungen es aus dem Hilfsprogramm der Troika aussteigen könne. (Ausgabe Dezember 2014) (02.12.2014/alc/a/a)