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Käuferstreik am Anleihenmarkt
20.03.20 13:00
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Staats- und Regierungschefs drücken im Kampf gegen das Corona-Virus zunehmend auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche "Pause-Taste", so Daniel Schär, CFA bei der Weberbank.
Der Plan, dadurch die Verbreitung des Virus zu verzögern, um das Gesundheitswesen auf höheren Fallzahlen vorzubereiten, könnte gelingen. Den Erfahrungen aus China und Korea folgend, werden wir in den kommenden Wochen hoffentlich erste Erfolge sehen können, so die Analysten der Weberbank. Parallel habe sich jedoch in der Wirtschaft ein Sturm zusammengebraut, der erhebliche Auswirkungen haben werde und die Analysten der Weberbank veranlasst, ihr Konjunkturbild deutlich zu revidieren.
Nicht der Virus bringe die Welt ins Ungleichgewicht, sondern der Umgang mit dem Virus. Ökonomisch gelte es einen dreifachen Schockzustand zu verarbeiten - einen Nachfrageschock durch eine fallende Konsumentennachfrage, einen Angebotsschock durch eine Unterbrechung der Produktion und einen Finanzmarktschock durch Kursverfall, mangelnde Liquidität und steigende Schwankung an den Kapitalmärkten. Das geballte Auftreten dieser Umstände sei für die Wirtschaftsteilnehmer zu viel, um es alleine verarbeiten zu können. Glücklicherweise mangele es trotz vereinzelter Rückkehr zu nationalstaatlichem Denken in diesem Krisenfall nicht an internationalem Zusammenhalt und gemeinsamem Handeln. In den 1930er Jahren, die immer häufiger als Vergleich angeführt würden, seien das Fehlen von international abgestimmtem Agieren und ein chronischer Liquiditätsmangel primär für den wirtschaftlichen Niedergang verantwortlich gewesen. Die heutigen internationalen Notenbanken hätten hingegen mit viel Tatendrang begonnen, die Zinsen zu senken, Wertpapiere aufzukaufen und Notfallliquidität bereitzustellen. Der Umfang dieser Maßnahmen lasse Erinnerungen an die Finanzkrise im Jahr 2008 wach werden.
Ähnlich beherzt würden die Einzelstaaten in Bezug auf Fiskalprogramme agieren. Dabei gehe es weniger um Konjunkturprogramme, die aktuell wenig Nutzen entfachen würden, sondern primär um Hilfen, um die Phase der "wirtschaftlichen Pause" zu überstehen. Die Summen, die die Finanzminister in diesem Zusammenhang bereitstellen möchten, seien ein Superlativ. Olaf Scholz habe über Kurzarbeitergeld und unbegrenzte Kreditförderung für Unternehmen über die staatliche KfW-Bank ein Volumen von bis zu 550 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Sein amerikanischer Kollege Steven Mnuchin habe Pläne für ein Hilfspaket über eine Billion Dollar vorgestellt, das größte in der Geschichte der USA. Neben Hilfen für die Wirtschaft sollten vor allem die US-Bürger direkt monetäre Unterstützung in Form von Barschecks erhalten. Zusammenfassend könne man festhalten, dass derzeit alles Notwendige getan werde, um die negativen Auswirkungen der Pandemie zu begrenzen.
Die Wirtschaft wird in unseren Augen dennoch in eine Rezessionsphase eintreten, so die Analysten der Weberbank. Die USA würden damit ihre historisch längste Expansionsphase der Wirtschaft von über zehn Jahren beenden. Europa werde aufgrund der im Vorfeld schon schwachen Konstitution am stärksten negativ betroffen sein. Mittelfristig sollten die enormen Maßnahmen der Notenbanken und Staaten jedoch den Boden für eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft bereiten. Die Tiefe und Dauer der Rezession würden von der Dauer der Einschränkungen des öffentlichen Lebens abhängen, die man hinnehmen müsse, um die Pandemie zu überstehen.
Die Aktienmärkte könnten auch mit einem neuen Superlativ aufwarten: Noch nie sei innerhalb so kurzer Zeit eine so kräftige Kurskorrektur vollzogen worden wie in den zurückliegenden Wochen. Mit Kursrückgängen von bis zu 40 Prozent vom Hochpunkt würden europäische Aktien die traurige Statistik anführen. Zwei der fünf negativsten Tagesbewegungen im US-Aktienmarkt der letzten 100 Jahre seien in den vergangenen zwei Wochen aufgetreten. Auch die Stimmung der Anleger sei von "sorglos & euphorisch" zu "panisch & sorgenvoll" umgeschlagen. Die Schwankung an den Börsen habe Rekordwerte erreicht, die selbst zuzeiten der Finanzkrise nicht gesehen worden sei. Wann ein Ende der Talfahrt erreicht sein werde, sei schwer auszumachen, da es eine stark psychologisch getriebene Bewegung sei. Ziehe man auch hier das Geschichtsbuch zu Rate, so sollten die kommenden Monate noch schwierig bleiben, und eine defensive Ausrichtung des Portfolios sei angeraten.
Andererseits seien durch die Aktienkurskorrekturen bereits zweistellige Rückgänge der Gewinne der Unternehmen eingepreist worden. Deutsche und europäische Aktien würden bereits wieder nahe ihres Buchwertes notieren. In den letzten Jahrzehnten sei das Unterschreiten dieser Niveaus für langfristig orientierte Anleger ein guter Investitionszeitpunkt gewesen. Auf Unternehmensebene würden die Analysten der Weberbank feststellen, dass selbst hervorragend geführte Unternehmen mit dominanter Marktstellung über Gebühr abgestraft würden. Übertreibungen nach unten würden nach Meinung der Analysten in der nächsten Zeit attraktive Einstiegsmöglichkeiten für strategische Engagements bieten.
Normalerweise würde man in diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld annehmen, dass Anleger aus Überlegungen des Kapitalschutzes verstärkt bonitätsstarke Anleihen nachfragen würden, wie beispielsweise deutsche Staatspapiere. Das sei in der ersten Phase der Risikoaversion bis Anfang März auch der Fall gewesen. Aktuell stünden jedoch selbst diese Wertpapiere unter Druck, da hochliquide Anlagen genutzt würden, um kurzfristige Engpässe in anderen Bereichen auszugleichen. Darüber hinaus würden die Anleger zunehmend erkennen, dass die Hilfspakete der Regierungen am Ende durch neue Schulden bezahlt werden müssten und würden eine höhere Risikoprämie verlangen. Speziell in Südeuropa würden Renditeaufschläge aufgerufen, die an die Euro-Krise erinnern würden. Zeitgleich würden immer weniger Käufer am Markt auftreten. Dies führe in einigen Marktsegmenten zu einem regelrechten Käuferstreik.
Das habe auch die Europäische Zentralbank (EZB) erkannt und in einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung Wertpapierkäufe im Volumen von 750 Mrd. Euro bis zum Jahresende angekündigt. Die Maßnahme sollte auf jeden Fall helfen, den Markt zu stabilisieren. Im aktuellen Umfeld werde es aber sicherlich nicht die letzte Aktion der EZB gewesen sein. Eine Beruhigung der Situation an den Märkten werde nach Meinung der Analysten der Weberbank erst mit einer deutlichen Verlangsamung der Virusneuerkrankungen einhergehen. Eine Normalisierung der Wirtschaft sollte allerdings wesentlich länger dauern. (20.03.2020/alc/a/a)
Der Plan, dadurch die Verbreitung des Virus zu verzögern, um das Gesundheitswesen auf höheren Fallzahlen vorzubereiten, könnte gelingen. Den Erfahrungen aus China und Korea folgend, werden wir in den kommenden Wochen hoffentlich erste Erfolge sehen können, so die Analysten der Weberbank. Parallel habe sich jedoch in der Wirtschaft ein Sturm zusammengebraut, der erhebliche Auswirkungen haben werde und die Analysten der Weberbank veranlasst, ihr Konjunkturbild deutlich zu revidieren.
Nicht der Virus bringe die Welt ins Ungleichgewicht, sondern der Umgang mit dem Virus. Ökonomisch gelte es einen dreifachen Schockzustand zu verarbeiten - einen Nachfrageschock durch eine fallende Konsumentennachfrage, einen Angebotsschock durch eine Unterbrechung der Produktion und einen Finanzmarktschock durch Kursverfall, mangelnde Liquidität und steigende Schwankung an den Kapitalmärkten. Das geballte Auftreten dieser Umstände sei für die Wirtschaftsteilnehmer zu viel, um es alleine verarbeiten zu können. Glücklicherweise mangele es trotz vereinzelter Rückkehr zu nationalstaatlichem Denken in diesem Krisenfall nicht an internationalem Zusammenhalt und gemeinsamem Handeln. In den 1930er Jahren, die immer häufiger als Vergleich angeführt würden, seien das Fehlen von international abgestimmtem Agieren und ein chronischer Liquiditätsmangel primär für den wirtschaftlichen Niedergang verantwortlich gewesen. Die heutigen internationalen Notenbanken hätten hingegen mit viel Tatendrang begonnen, die Zinsen zu senken, Wertpapiere aufzukaufen und Notfallliquidität bereitzustellen. Der Umfang dieser Maßnahmen lasse Erinnerungen an die Finanzkrise im Jahr 2008 wach werden.
Ähnlich beherzt würden die Einzelstaaten in Bezug auf Fiskalprogramme agieren. Dabei gehe es weniger um Konjunkturprogramme, die aktuell wenig Nutzen entfachen würden, sondern primär um Hilfen, um die Phase der "wirtschaftlichen Pause" zu überstehen. Die Summen, die die Finanzminister in diesem Zusammenhang bereitstellen möchten, seien ein Superlativ. Olaf Scholz habe über Kurzarbeitergeld und unbegrenzte Kreditförderung für Unternehmen über die staatliche KfW-Bank ein Volumen von bis zu 550 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Sein amerikanischer Kollege Steven Mnuchin habe Pläne für ein Hilfspaket über eine Billion Dollar vorgestellt, das größte in der Geschichte der USA. Neben Hilfen für die Wirtschaft sollten vor allem die US-Bürger direkt monetäre Unterstützung in Form von Barschecks erhalten. Zusammenfassend könne man festhalten, dass derzeit alles Notwendige getan werde, um die negativen Auswirkungen der Pandemie zu begrenzen.
Die Aktienmärkte könnten auch mit einem neuen Superlativ aufwarten: Noch nie sei innerhalb so kurzer Zeit eine so kräftige Kurskorrektur vollzogen worden wie in den zurückliegenden Wochen. Mit Kursrückgängen von bis zu 40 Prozent vom Hochpunkt würden europäische Aktien die traurige Statistik anführen. Zwei der fünf negativsten Tagesbewegungen im US-Aktienmarkt der letzten 100 Jahre seien in den vergangenen zwei Wochen aufgetreten. Auch die Stimmung der Anleger sei von "sorglos & euphorisch" zu "panisch & sorgenvoll" umgeschlagen. Die Schwankung an den Börsen habe Rekordwerte erreicht, die selbst zuzeiten der Finanzkrise nicht gesehen worden sei. Wann ein Ende der Talfahrt erreicht sein werde, sei schwer auszumachen, da es eine stark psychologisch getriebene Bewegung sei. Ziehe man auch hier das Geschichtsbuch zu Rate, so sollten die kommenden Monate noch schwierig bleiben, und eine defensive Ausrichtung des Portfolios sei angeraten.
Andererseits seien durch die Aktienkurskorrekturen bereits zweistellige Rückgänge der Gewinne der Unternehmen eingepreist worden. Deutsche und europäische Aktien würden bereits wieder nahe ihres Buchwertes notieren. In den letzten Jahrzehnten sei das Unterschreiten dieser Niveaus für langfristig orientierte Anleger ein guter Investitionszeitpunkt gewesen. Auf Unternehmensebene würden die Analysten der Weberbank feststellen, dass selbst hervorragend geführte Unternehmen mit dominanter Marktstellung über Gebühr abgestraft würden. Übertreibungen nach unten würden nach Meinung der Analysten in der nächsten Zeit attraktive Einstiegsmöglichkeiten für strategische Engagements bieten.
Normalerweise würde man in diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld annehmen, dass Anleger aus Überlegungen des Kapitalschutzes verstärkt bonitätsstarke Anleihen nachfragen würden, wie beispielsweise deutsche Staatspapiere. Das sei in der ersten Phase der Risikoaversion bis Anfang März auch der Fall gewesen. Aktuell stünden jedoch selbst diese Wertpapiere unter Druck, da hochliquide Anlagen genutzt würden, um kurzfristige Engpässe in anderen Bereichen auszugleichen. Darüber hinaus würden die Anleger zunehmend erkennen, dass die Hilfspakete der Regierungen am Ende durch neue Schulden bezahlt werden müssten und würden eine höhere Risikoprämie verlangen. Speziell in Südeuropa würden Renditeaufschläge aufgerufen, die an die Euro-Krise erinnern würden. Zeitgleich würden immer weniger Käufer am Markt auftreten. Dies führe in einigen Marktsegmenten zu einem regelrechten Käuferstreik.
Das habe auch die Europäische Zentralbank (EZB) erkannt und in einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung Wertpapierkäufe im Volumen von 750 Mrd. Euro bis zum Jahresende angekündigt. Die Maßnahme sollte auf jeden Fall helfen, den Markt zu stabilisieren. Im aktuellen Umfeld werde es aber sicherlich nicht die letzte Aktion der EZB gewesen sein. Eine Beruhigung der Situation an den Märkten werde nach Meinung der Analysten der Weberbank erst mit einer deutlichen Verlangsamung der Virusneuerkrankungen einhergehen. Eine Normalisierung der Wirtschaft sollte allerdings wesentlich länger dauern. (20.03.2020/alc/a/a)


