Erweiterte Funktionen
Japan macht die Geldhelikopter klar
13.07.16 12:33
Saxo Bank
Kopenhagen (www.anleihencheck.de) - Bei den Oberhauswahlen in Japan an diesem Wochenende hat die Regierungskoalition einen starken Sieg eingefahren, der dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe die nötige Zweidrittelmehrheit bescherte, mit der er sein größtes politisches Ziel ansteuert: eine Reform der pazifistischen Verfassung Japans, so John J. Hardy, Head of FX Strategy bei der Saxo Bank.
Dies könnte erhebliche geopolitische Konfrontationen auslösen, doch die Finanzmärkte hätten sich stärker darauf konzentriert, wie die weitreichende Befürwortung der Regierung Abe (trotz der eindeutig holpernden Wirtschaft und der neuen Risiken einer Deflationsspirale) auf das Potenzial für konsequentere wirtschaftspolitische Maßnahmen hindeute.
Und diesmal werde die Wirtschaftspolitik nicht im Alleingang von der Japanischen Zentralbank stammen; die Zentralbank solle lediglich Geld in Abstimmung mit der Regierung drucken und so massive neue finanzielle Anreize schaffen - sogenanntes "Helikoptergeld". In einer Regierung mit Helikoptergeld sei die Zentralbank ausschließlich für das Stopfen von Finanzlöchern zuständig, während das Geld direkt in die Wirtschaft gepumpt werde, damit die Endnachfrage steige, also nicht in erfolglose Wertpapierkäufe. Dieser Plan folge auf das fortlaufende QQE-Wertpapieraufkaufprogramm, das trotz dem gewaltigen Anteil von etwa 15 Prozent am japanischen BIP pro Jahr nicht in der Lage gewesen sei, das Wiedererstarken der Deflationskräfte nach dem Einbruch der Rohstoffpreise, die nachlassende Inlandsnachfrage und die aggressive Entwertung des chinesischen Renminbi gegenüber anderen asiatischen Währungen zu parieren.
Seit dem vermurksten Versuch der Japanischen Zentralbank Ende Januar, den Märkten mit einer Negativzinspolitik zu imponieren, sei der Japanische Yen dabei rund 20 Prozent stärker gegenüber dem Renminbi geworden. Der offizielle Lärm hinsichtlich des Potenzials frischer Finanzanreize habe kürzlich ein Crescendo erreicht, als sich ein Regierungsbeamter für ein 20 Billionen Yen schweres Programm ausgesprochen habe. Dieses Programm läge mit seinem Anteil von 4 Prozent am japanischen BIP gleichauf mit dem massiven US-amerikanischen TARP-Paket, das während der Finanzkrise 2008/09 aufgelegt worden sei.
Interessanterweise werde Ben Bernanke, ehemaliges Vorstandsmitglied der US-Notenbank, in dieser Woche nach Japan reisen und dort mit japanischen Regierungsangehörigen (unter anderem Premierminister Abe selbst) und mit Haruhiko Kuroda, dem Präsidenten der japanischen Nationalbank, zusammentreffen. Bernanke habe sich Ende der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre äußerst kritisch zu Japans Geldpolitik geäußert, und ihm werde zugeschrieben, den ursprünglich von Milton Friedman stammenden Ausdruck des "Geld abwerfenden Helikopters" wiederbelebt zu haben, wenn es um Japans politische Fehltritte und ihre mögliche Vermeidung gehe.
Mit oder ohne die provokative Vorstellung, dass Bernanke Japan aktiv bei den nächsten politischen Schritten berate, liege das nächste Schlüsselerlebnis für den Yen beim Meeting der Japanischen Zentralbank am 29. Juli, auch wenn die Regierung Abe theoretisch jederzeit ein Finanzprogramm ankündigen könnte - und die Zentralbank brav einstimme, dass sie ihre Maßnahmen gemäß den neuen Haushaltsausgaben der Regierung anpasst und die Erträge für Anleihen niedrig halte.
Die längerfristige Frage laute: Sei Helikoptergeld (oder eine andere Maßnahme) in der Lage, Japan aus der Schuldenspirale zu ziehen, die durch den starken Bevölkerungsrückgang noch verschärft werde? Wenn Japan nichts tue, riskiere das Land den wirtschaftlichen Zusammenbruch aufgrund der Deflation. Zu viel Geld drucken, und Japan könnte sich plötzlich in einer schmerzhaften Inflation wiederfinden, wenn das geldpolitische Experiment nach hinten losgehe und das Helikoptergeld eher wie die Explosion eines Meth-Labors aussehe. Helikoptergeld sei auf jeden Fall ein neues Pferd im finanzpolitischen Stall, und noch dazu ein Exemplar, das die Inflation deutlich effektiver herbeiführen werde - selbst eine Inflation der zerstörerischen, finanziell repressiven Sorte.
Und falls man sich das jetzt frage: Ja, eine zerstörerische, finanziell repressive Inflation sei schlecht für eine Währung. Der Yen könne sich noch eine Weile stärker behaupten, aber wenn japanisches Helikoptergeld in Marsch gesetzt werde, ernte Japan als "Belohnung" eine Schwächung seiner Währung als erste treibende Kraft auf dem Weg zu einer neuen Phase der weltweiten Währungskriege. Und wenn Abe sein Ziel einer neuen, weniger pazifistischen Verfassung umsetzen könne, dann dürfte ein Großteil dieses Helikoptergeldes in Ausgaben für militärische Ausrüstung und dann auch zwangsläufig für Helikopter fließen. Helikoptergeld im wahrsten Sinne des Wortes. (13.07.2016/alc/a/a)
Dies könnte erhebliche geopolitische Konfrontationen auslösen, doch die Finanzmärkte hätten sich stärker darauf konzentriert, wie die weitreichende Befürwortung der Regierung Abe (trotz der eindeutig holpernden Wirtschaft und der neuen Risiken einer Deflationsspirale) auf das Potenzial für konsequentere wirtschaftspolitische Maßnahmen hindeute.
Und diesmal werde die Wirtschaftspolitik nicht im Alleingang von der Japanischen Zentralbank stammen; die Zentralbank solle lediglich Geld in Abstimmung mit der Regierung drucken und so massive neue finanzielle Anreize schaffen - sogenanntes "Helikoptergeld". In einer Regierung mit Helikoptergeld sei die Zentralbank ausschließlich für das Stopfen von Finanzlöchern zuständig, während das Geld direkt in die Wirtschaft gepumpt werde, damit die Endnachfrage steige, also nicht in erfolglose Wertpapierkäufe. Dieser Plan folge auf das fortlaufende QQE-Wertpapieraufkaufprogramm, das trotz dem gewaltigen Anteil von etwa 15 Prozent am japanischen BIP pro Jahr nicht in der Lage gewesen sei, das Wiedererstarken der Deflationskräfte nach dem Einbruch der Rohstoffpreise, die nachlassende Inlandsnachfrage und die aggressive Entwertung des chinesischen Renminbi gegenüber anderen asiatischen Währungen zu parieren.
Interessanterweise werde Ben Bernanke, ehemaliges Vorstandsmitglied der US-Notenbank, in dieser Woche nach Japan reisen und dort mit japanischen Regierungsangehörigen (unter anderem Premierminister Abe selbst) und mit Haruhiko Kuroda, dem Präsidenten der japanischen Nationalbank, zusammentreffen. Bernanke habe sich Ende der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre äußerst kritisch zu Japans Geldpolitik geäußert, und ihm werde zugeschrieben, den ursprünglich von Milton Friedman stammenden Ausdruck des "Geld abwerfenden Helikopters" wiederbelebt zu haben, wenn es um Japans politische Fehltritte und ihre mögliche Vermeidung gehe.
Mit oder ohne die provokative Vorstellung, dass Bernanke Japan aktiv bei den nächsten politischen Schritten berate, liege das nächste Schlüsselerlebnis für den Yen beim Meeting der Japanischen Zentralbank am 29. Juli, auch wenn die Regierung Abe theoretisch jederzeit ein Finanzprogramm ankündigen könnte - und die Zentralbank brav einstimme, dass sie ihre Maßnahmen gemäß den neuen Haushaltsausgaben der Regierung anpasst und die Erträge für Anleihen niedrig halte.
Die längerfristige Frage laute: Sei Helikoptergeld (oder eine andere Maßnahme) in der Lage, Japan aus der Schuldenspirale zu ziehen, die durch den starken Bevölkerungsrückgang noch verschärft werde? Wenn Japan nichts tue, riskiere das Land den wirtschaftlichen Zusammenbruch aufgrund der Deflation. Zu viel Geld drucken, und Japan könnte sich plötzlich in einer schmerzhaften Inflation wiederfinden, wenn das geldpolitische Experiment nach hinten losgehe und das Helikoptergeld eher wie die Explosion eines Meth-Labors aussehe. Helikoptergeld sei auf jeden Fall ein neues Pferd im finanzpolitischen Stall, und noch dazu ein Exemplar, das die Inflation deutlich effektiver herbeiführen werde - selbst eine Inflation der zerstörerischen, finanziell repressiven Sorte.
Und falls man sich das jetzt frage: Ja, eine zerstörerische, finanziell repressive Inflation sei schlecht für eine Währung. Der Yen könne sich noch eine Weile stärker behaupten, aber wenn japanisches Helikoptergeld in Marsch gesetzt werde, ernte Japan als "Belohnung" eine Schwächung seiner Währung als erste treibende Kraft auf dem Weg zu einer neuen Phase der weltweiten Währungskriege. Und wenn Abe sein Ziel einer neuen, weniger pazifistischen Verfassung umsetzen könne, dann dürfte ein Großteil dieses Helikoptergeldes in Ausgaben für militärische Ausrüstung und dann auch zwangsläufig für Helikopter fließen. Helikoptergeld im wahrsten Sinne des Wortes. (13.07.2016/alc/a/a)


