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Japan: Es ist Zeit für Veränderung


01.02.16 11:26
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Die japanische Notenbank (BoJ) führt den Negativzins ein - damit will Japan erreichen, dass die Geschäftsbanken das Geld nicht bei der Zentralbank horten, sondern in die Wirtschaft schleusen, so Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers.

Ob das funktioniere? Das Problem sei, dass die Banken nicht das tun würden, was die Notenbank möchte. Denn sie würden derzeit in Staatsanleihen mit niedrigen, aber dennoch positiven Renditen im In- oder Ausland investieren. Zudem bleibe auch eine positive Auswirkung auf das Bruttoinlandsprodukt fraglich. Zwar sei als Reaktion auf die Entscheidung der BoJ der JPY gefallen. Doch der Vorteil, den das Land dadurch genieße, sei nicht von langer Dauer, wenn andere das Gleiche tun würden.

Immer weniger Anleger glauben würden, dass die Federal Reserve den Zinssatz in nächster Zeit noch einmal anheben könne, so Iggo. Weitere schlechte Nachrichten seitens der Banken würden das Wachstum weiter bremsen - das ist enttäuschend. Wenig Wachstum, Inflation und für längere Zeit niedrige Zinsen, zusammen genommen ergebe das jedoch eine perfekte Umgebung für Anleihen. Sie könnten attraktive Credit Spreads finden, aber lang laufende Staatsanleihen seien ebenfalls wieder aussichtsreich.

Die geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen würden den Banken helfen, sich über Wasser zu halten, daran habe der AXA-IM-Stratege keinen Zweifel. Doch die Banken würden nicht florieren, weil die Volkswirtschaften immer noch zu hoch verschuldet seien. Das bedeute, dass sich der Appetit auf Kredite in Grenzen halte. Notleidende Kredite würden ein Problem bleiben, und die Banken würden dazu tendieren, Geld zu horten, um so dem deflationärem Umfeld entgegenzuwirken, erkläre Iggo.

Es sei an der Zeit gewesen, etwas anderes zu versuchen, um das real verfügbare Haushaltseinkommen zu steigern, die Einkommensungleichheit zu bekämpfen und Investitionsmöglichkeiten in die so dringend benötigte Infrastruktur zu finden. Mit den quantitativen Lockerungsmaßnahmen habe man sich davon einen Schritt entfernt. Warum könnten Regierungen ihre Schulden nicht direkt bei Zentralbanken platzieren, um sie irgendwann in der Zukunft auf den Markt zu werfen? Das Geld könnte dann Konjunkturprogramme finanzieren. Vielleicht wachse das nominale Bruttoinlandsprodukt dann so, wie man es wachsen sehen wolle, so Iggo. (01.02.2016/alc/a/a)