Jamaika-Staatsanleihe: Nichts für Anleger mit schwachen Nerven


16.02.12 12:28
Anleihencheck Research

Westerburg (anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Staatsanleihe (ISIN US470160AS17 / WKN A0E5LA) von Jamaika für risikofreudigere Anleger für interessant.

Die Anleihe sei mit einem Kupon von 9,00% ausgestattet, laufe noch bis zum 02.06.2015 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 1.000 US-Dollar auf. Bei einem aktuellen Kurs von 104,55 US-Dollar biete sie eine jährliche Rendite von 7,51%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit "B3" bewertet, was nicht mehr Investmentgrade-Status entspreche. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten ein hohes Kreditrisiko.

Der Inselstaat der Antillen habe weit mehr zu bieten als Reggae, Rum und zauberhafte Strände. Denn so sei Jamaika zum Beispiel der weltweit viertgrößte Exporteur von Bauxit, ein Erz, aus dem Aluminium gewonnen werde. Weitere wichtige Exportgüter seien Textilien, Zucker, Kaffee sowie Rum.

Der Inselstaat habe schwierige Zeiten hinter sich. So sei es 1996 zu einem Zusammenbruch des Finanzsektors gekommen und Jamaika leide noch heute unter den Auswirkungen. Erst um die Jahrtausendwende sei Jamaika auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Dieser sei 2008 verlassen worden und habe im Krisenjahr 2009 mit einem BIP-Rückgang um 2,8% seinen Tiefpunkt erreicht. Seither gehe es mit der Wirtschaft wieder langsam aber stetig bergauf und in 2011 dürfte das Wachstum etwa 1,5% betragen haben. Dabei seien die wichtigsten Säulen für die Wirtschaftsentwicklung Tourismus, Bauxit, Überweisungen der Auslandsjamaikaner und der Dienstleistungssektor.

Für Anleger sei auch wichtig zu wissen, dass die Verschuldung des Landes mit ca. 130% des BIPs relativ hoch sei. Zudem würden knapp 60% des öffentlichen Haushaltes für Zahlungsverpflichtungen verwendet. Daher habe die jamaikanische Regierung Anfang 2010 den IWF um Hilfe gebeten und Anfang Februar 2010 sei dann ein "Stand-By-Agreement" über 1,27 Mrd. USD vereinbart worden. Finanztechnisch sei Jamaika damit bankrott gewesen. Im Rahmen der Vereinbarung habe sich die Regierung dazu verpflichtet, durch Ausgabenkürzungen und Reformen des öffentlichen Sektors den Staatshaushalt zu bereinigen, eine deutliche Senkung der Zinslasten herbeizuführen und den Finanzsektor zu reformieren. So seien u.a. einheimischen Gläubigern eine Umschuldung von 7,8 Mrd. USD an Staatsanleihen angeboten worden.

Jamaika habe schwere Zeiten hinter sich und die Regierung stehe vor großen Herausforderungen. Im Zuge der allgemeinen robusten Verfassung der Weltwirtschaft könnte sich das Land in den kommenden Jahren aber wieder wesentlich besser entwickeln und dann auch wieder für positive Schlagzeilen sorgen.

Insgesamt halten die Analysten von Anleihencheck Research die o.a. Anleihe von Jamaika für eine interessante aber auch spekulative Anlagealternative, die aber somit nur etwas für risikofreudigere Anleger sei. Der attraktive Kupon von 9,00% gleiche die schwache Bonität des Landes sowie mögliche Währungsrisiken, zumindest teilweise, aus. In Euro anlegende Investoren müssten u.a. den Wechselkurs EUR/USD berücksichtigen. (Analyse vom 16.02.2012) (16.02.2012/alc/a/a)