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Italien zahlt noch auskömmliche Zinsen, fordert dafür aber eine langfristige Bindung


30.09.20 10:30
Quant.Capital Management

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die Rendite 30-jähriger italienischer Staatsanleihen hat am Dienstag (29.09.2020) zum dritten Mal in fünf Handelstagen ein neues historisches Tief erreicht, so die Experten von Quant.Capital Management.

Das zeige, wie dringend Investoren nach auskömmlichen Zinsen suchen würden - und wie viel Risiko sie dabei in Kauf nähmen. "Hier versuchen sich institutionelle Investoren die letzten noch einigermaßen auskömmlichen Renditen zu sichern. Mehr gibt es nur mit deutlich höheren Risiken", sage Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der Quant.Capital Management GmbH.

Italienische Staatsanleihen seien in Europa bei den Renditen mit 1,74 Prozent Spitzenreiter. Spanien mit 1,03 und Portugal mit 0,94 Prozent würden schon deutlich weniger Rendite bieten. "Vielleicht wären griechische Anleihen noch ähnlich dotiert, es gibt im Moment nur kein vergleichbares Papier im Markt", so Mlinaric. Wer mehr Zinsen kassieren möchte, müsse sich von Europa entfernen. China etwa biete bei den 30-jährigen Anleihen eine Rendite von 3,84 Prozent, die USA immer noch von 1,42 Prozent. "Bei beiden stehen große Volkswirtschaften dahinter, die Währungsrisiken sind aber enorm groß", so Mlinaric.

Die Schweiz als sicherer Hafen zahle dabei genau wie Deutschland und auch die Niederlande über alle Laufzeiten Negativzinsen, nehme also Gebühren fürs Geldeinlagern. "Fast ein Prozent müssen Investoren bei einjährigen Laufzeiten mitbringen, um in der Schweiz investieren zu dürfen", sage Mlinaric. Minus 0,94 Prozent betrage die Rendite auf einjährige Schweizer Anleihen derzeit, wie auf www.zins-tracker.de nachzulesen sei.

Griechenland, die USA und China seien auch die Staaten, die über alle Laufzeiten ab einem Jahr noch positive Renditen ausweisen würden. Selbst Italien müsse erst ab einer Laufzeit von vier Jahren wieder Geld fürs Schuldenmachen bezahlen, die kurzen Laufzeiten würden einen Negativzins bringen.

"Für die hoch verschuldeten Staaten in der Eurozone sind die negativen Renditen ihrer Anleihen ein Segen", so Mlinaric. Investoren, die auf positive Renditen angewiesen seien, müssten dafür auf sehr lange Laufzeiten oder fremde Währungen ausweichen und damit hohe Risiken eingehen. "Aus Risikosicht liegt der Gedanke, sich alternativ direkt unternehmerische Risiken mit deutlich höheren Ertragschancen einzukaufen, daher gar nicht mehr so weit." (30.09.2020/alc/a/a)