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Ist die Invertierung der US-Zinskurve ein Warnsignal?


01.04.19 15:15
Berenberg

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Zuletzt haben vor allem die Anleiherenditen die Schlagzeilen beherrscht, so Dr. Bernd Meyer, Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg.

Fallende Anleiherenditen hätten die Zinskurve in den USA invertiert - in der Vergangenheit ein verlässlicher Vorbote für eine anstehende Rezession -, während die zehnjährige Bundesrendite die japanische Staatsanleiherendite unterschritten habe. Was sei da los? Zum einen hätten die Konjunkturdaten die ohnehin schon geringen Erwartungen unterboten - Wachstumsängste seien zurück. Darüber hinaus seien die politischen Sorgen nicht weniger geworden, sichere Häfen würden nachgefragt bleiben. Zudem hätten die großen Zentralbanken in den USA und der Eurozone dem Markt signalisiert, dass sie keine Eile mit einer Leitzinserhöhung hätten, was die Jagd nach Rendite weiter angefacht habe. In den USA würden schon Zinssenkungen vom Markt eingepreist. Entsprechend positiv hätten sich globale Immobilienaktien entwickelt - 18% seit Jahresanfang! Solange die politischen Risiken nicht abebben und die Konjunkturdaten sich nicht stabilisieren würden, werde ein Anstieg der Anleiherenditen schwierig.

Der Brexit gehe in die heiße Phase, denn ohne Verabschiedung eines Austrittsabkommens durch das britische Parlament sei die Austrittsfrist nur bis zum 12. April verlängert. Die Verhandlungen zwischen den USA und China zum Handelskonflikt scheinen hingegen konstruktiv zu verlaufen, sodass der Optimismus für eine Einigung trotz der zeitlichen Verzögerung bislang groß sei. Zum Quartalsanfang stehe in den USA eine Reihe von Daten an: Am Dienstag würden die Auftragseingänge für langlebige Güter, am Mittwoch der ISM-Index außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes und am Freitag die Arbeitsmarktdaten inklusive der Stundenlohnentwicklung veröffentlicht. In Deutschland dürften am Donnerstag die Auftragseingänge in der Industrie zeigen, ob sich nach den schwachen PMI-Daten die Konjunkturaussichten verbessern würden. Am 10. April stehe die EZB-Sitzung im Fokus, wenngleich keine Zinserhöhung mehr in 2019 erwartet werde. Zudem beginne nächste Woche die neue US-Unternehmensberichtssaison. (01.04.2019/alc/a/a)