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Ist die FED mit Zinssenkungen auf dem Holzweg?


31.07.19 10:15
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - In dieser Woche entscheidet die US-amerikanische Notenbank FED erneut über den Leitzins in den USA, so die Experten von LYNX Broker

Erwartet werde eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt. Das habe FED-Chef Jerome Powell bereits in Aussicht gestellt, dabei sei man vor nicht allzu langer Zeit noch vom Gegenteil ausgegangen. Doch die abflauende US-Wirtschaft habe die Verantwortlichen offenbar zu einem Kurswechsel gedrängt. Marktexperten würden nun allerdings die Frage stellen, ob ein solches Vorgehen überhaupt sinnvoll sei oder ob damit das eigentliche Problem nur in die Zukunft verlagert werde.

"Mit einer Zinssenkung würde die FED ohne Frage die US-Wirtschaft ankurbeln. Es wird allerdings befürchtet, dass es zu einem Strohfeuer kommt, das ebenso schnell verglüht, wie es entzündet wurde. Die eigentlichen Probleme der US-Wirtschaft werden damit nämlich nicht gelöst", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX. Seiner Meinung nach könnten vorsorgliche Maßnahmen, die eine weitere Verlangsamung des Wirtschaftswachstums stoppen sollten, in der Zukunft fatale Folgen haben.

"Im vergangenen Dezember brachte die Zinserhöhung in den USA sowie die Ankündigung, dass weitere folgen könnten, einige Bewegung in die Märkte. Das hatten die Verantwortlichen bei der FED offenbar nicht in dieser Vehemenz erwartet und begannen gegenzusteuern. Das hat bislang auch ganz gut funktioniert, allerdings sind in der Folge die Preise beispielsweise für Aktien, Bonds, Edelmetalle und Energie nach oben geschossen. Sogar die Kryptowährungen haben davon profitiert", beschreibe Sadowski die Situation. Zurückzuführen wäre diese Entwicklung auf die erhöhte Liquidität am Markt.

Hinzu komme, dass es derzeit nicht danach aussehe, als würden die Zinsen in Europa in absehbarer Zeit steigen. "Befürchtungen werden laut, dass weltweite Negativzinsen künftig auch den Markt für Staatsanleihen beeinflussen könnten, insbesondere, falls die USA in eine Rezession rutschen", so der Experte. Das sei bereits in der Vergangenheit passiert, als die FED die Zinsen nach dem zweiten Weltkrieg zu Beginn einer Rezession gesenkt habe. "Diesen Fehler will man nicht erneut machen und daher soll die US-Wirtschaft nun extrem angekurbelt und die Inflation deutlich über zwei Prozent getrieben werden. Ist dieses Ziel erreicht, wird man vermutlich die Zinsen wieder erhöhen, und zwar über den aktuellen Satz."

Das könnte allerdings noch weitere negative Folgen für die Weltwirtschaft haben. "Die Erfahrung aus den Jahren nach 1998 zeigt, dass dieses Vorgehen der Blasenbildung Vorschub leisten könnte. Damals befeuerte eine Zinssenkung mit einer anschließenden deutlichen Erhöhung die Internet-Blase und führte anschließend zu ihrem Platzen. Heute könnte die FED-Politik ähnliche Auswirkungen auf andere Märkte haben."

Neben all diesen negativen Konsequenzen, die die aktuell zu erwartende FED-Politik haben könnte, würden die tiefer liegenden Probleme der US-Wirtschaft nicht gelöst. "Wird die Wirtschaft jetzt künstlich weiter befeuert, überlagert das Wachstum die Probleme nur - eine Lösung wird so nicht gesucht und das könnte sich in Zukunft rächen", befürchte Sadowski. Er sehe besonders den demografischen Wandel als Faktor für das künftige Wirtschaftswachstum. Die Generation der gut ausgebildeten Baby-Boomer gehe nach und nach in Rente - aus der nächsten Generation seien aber keine Nachfolger nachgewachsen, die die entstehenden Lücken füllen könnten oder möchten. Das limitiere den Output und damit das Wachstum.

"Sinnvoller als eine Zinssenkung wäre daher ein strukturelles Programm, das für einen steten Zustrom von qualifizierten Arbeitskräften sorgt. Damit würde man nicht nur für eine Produktionssteigerung sorgen, sondern auch neue Abnehmer schaffen. Das wäre im Gegensatz zu den FED-Maßnahmen ein gesundes Wachstum, das die US-Wirtschaft nachhaltig nach vorne bringt. (Ausgabe vom 30.07.2019) (31.07.2019/alc/a/a)