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Ist das Comeback des Geldmarkts schon wieder vorbei?


01.03.24 10:08
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Der Konjunkturzyklus ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich, so Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee, Carmignac.

Dies würden die Marktschwankungen belegen: 2022 sei es steil bergab gegangen, 2023 deutlich bergauf, eine beispiellose Straffung der Geldpolitik. Trotzdem hätten sich viele Anleger und Sparer wie gewohnt von Gewinnstreben und Risikoaversion leiten lassen.

Sie hätten den Anstieg der Geldmarktsätze mitgemacht, weil sie sich einen attraktiven Gewinn (von aktuell bis zu 4% Nominalrendite) erhofft hätten, aber auch weil sie befürchtet hätten, dass sich das Jahr 2022, in dem Aktien und Anleihen gleichzeitig zurückgegangen seien, wiederhole.

Davon hätten die Staaten profitiert: Die Programme zur Aufnahme von privatem Kapital in Europa seien ein voller Erfolg gewesen und auch das US-Finanzministerium habe sich über kurzfristige Anleihen Kapital beschaffen können. Aber auch Anleger hätten profitiert, indem sie 2022 und im ersten Halbjahr 2023 sinnvollerweise den Geldmarkt bevorzugt hätten. Dabei sollte man jedoch nicht den Kurswechsel der Zentralbanker und dessen Folgen außer Acht lassen. Immer mehr dieser Programme würden nun auslaufen. Der erwartete Rückgang der Geldmarktzinsen bedeute, dass die Rendite am Geldmarkt künftig sinken werde.

Anleger und Sparer sollten sich bewusst machen, dass der Nominalzins eines Geldmarktfonds oder eines Termingeldkontos zurzeit zwar attraktiv sei, aber mit zunehmender Laufzeit der Anlage wahrscheinlich sinken werde. Solange die Inflation und Zinserhöhungen nicht zurückkehren würden, würden die Zinsen an den Geldmärkten weiter sinken. Das bedeute, dass Anleger und Sparer mit einem Reinvestitionsrisiko konfrontiert seien - dem Risiko, relative Verluste einzufahren, wenn die Renditen der aktuellen Anlagen zu einem niedrigeren Zinssatz reinvestiert würden.

Man sollte sich jetzt schon für die Zukunft attraktive Renditen sichern. Die Credit-Märkte böten ein Renditeplus, das Anleger sich für die kommenden Quartale oder sogar Jahre sichern könnten. Anders ausgedrückt: Jeder Anleger, der seine Geldmarktpositionen halte oder sein Kapital erst verspätet umschichte, sei mit einem entgangenen Gewinn zwischen 1% und 2% pro Jahr konfrontiert - ein nicht unerheblicher Performanceverlust.

Die Neigung zu Strategien, die ein Performancevorteil böten, dürfte zu einer guten Entwicklung der Carry Trades und zu einem Aufschwung der aktiven Verwaltung zulasten des Geldmarkts beitragen. Das Anlegerverhalten zu verstehen, das seinerseits in hohem Maße von den Handlungen der Zentralbanken abhänge, sei allein schon wegen der Auswirkungen auf das spekulative Verhalten der Anleger von entscheidender Bedeutung. Die Zinsen seien die Grundlage jeder Berechnung und jedes Finanzgeschäfts, um es mit Schumpeter zu sagen. (Ausgabe vom 29.02.2024) (01.03.2024/alc/a/a)