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Investment-Grade-Anleihen: Auf dem Mittelweg bleiben


16.12.20 12:00
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Investment-Grade-Anleihen (IG) haben seit der US-Wahl stark zugelegt, wobei sich die Spreads zu Staatsanleihen auf ein Niveau eingeengt haben, das in etwa dem vor der Pandemie entspricht, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen "SPDR Strategie Espresso".

Die Verengung der Spreads sei sogar so stark gewesen, dass einige diese Entwicklung als überzogen ansähen. Schließlich gebe es wenig Gewissheit darüber, wie schnell die Impfstoffe eingeführt werden und die Menschen wieder zur Arbeit zurückkehren könnten. Wie die Welt nach der Pandemie aussehen werde, sei ebenfalls unklar, wobei die langfristigen Schäden für die Wirtschaft eine Unbekannte seien.

Die Wahrnehmung, dass die Märkte eine Menge guter Nachrichten eingepreist hätten, beschränke sich nicht auf IG. Tatsächlich befinde sich die Anlageklasse in guter Gesellschaft, da viele Aktienindices neue Allzeithochs erreicht hätten und auch die Spreads für Hochzinsanleihen seien wieder auf einem Niveau, das zuletzt Anfang 2020 gesehen worden sei.

Umgekehrt sei es für viele, die ihren Anlagehorizont durch die Linse eines wirtschaftlichen Aufschwungs sähen, einfacher zu argumentieren, dass Staatsanleihen und nicht Risikoanlagen teuer aussähen. Die Renditen von US-Staatsanleihen seien zwar etwas gestiegen, aber die Käufe der Zentralbanken würden den Impuls für einen nennenswerten Anstieg der Renditen bremsen. Einige Anleger könnten auch über das Jahresende hinaus eine Vorliebe für sichere Anlagen behalten, aber der Druck negativer oder bestenfalls niedriger Renditen sei eine Herausforderung für die Anleger.

Darüber hinaus gebe es, nur weil die Zentralbanken engagierte Käufer bleiben würden, keine Garantie für dauerhaft niedrige Renditen. Die Beziehung zwischen den Käufen von Staatsanleihen durch die EZB und der 10-jährigen Bundrendite sei uneinheitlich. Renditespitzen seien trotz eines umfangreichen Kaufprogramms bei zahlreichen Gelegenheiten aufgetreten. Während die zusätzlichen Käufe der EZB in Höhe von 500 Mrd. EUR und die Verlängerung des Programms vom Markt begrüßt würden, werde die Emissionstätigkeit im Jahr 2021 hoch bleiben und durch den Pandemie-Rettungsfonds der EU, der 750 Mrd. EUR aufbringen solle, noch verstärkt werden.

Vielleicht sei die "halbe Miete", die IG-Anleihen darstellen würden, also genau das, was Anleger in diesen unsicheren Zeiten brauchen würden, weil die Anlageklasse nicht von der Entwicklung eines einzigen Szenarios abhängig sei.

- Unterstützung durch die Zentralbanken. IG-Anleihen hätten den relativen Sicherheitsaspekt, dass sie durch Käufe der Zentralbanken unterstützt würden. Insbesondere in Europa hätten die EZB-Käufe im 4. Quartal 2020 bisher durchschnittlich 1,8 Mrd. EUR pro Woche betragen. Während die FED im Anleihenbereich weit weniger aktiv gewesen sei, sei der Markt zuversichtlich, dass die FED die Käufe im Falle einer Marktstörung verstärken könne.

- Immer noch ein Renditeanstieg gegenüber Staatsanleihen. Ein Renditeanstieg gegenüber Staatsanleihen von 90 bis 100 Basispunkten bedeute, dass der Besitz von IG-Anleihen einen positiven Carry-Trade darstelle. Während Anleger die Sicherheit von Staatsanleihen zum Jahresende schätzen würden, sei der Besitz eines Vermögenswerts mit negativem Carry nur über einen kurzen Anlagehorizont eine Herausforderung.

- Die Spreads seien eng. Die IG-Spreads mögen aus historischer Sicht recht eng erscheinen, aber der allgemeine Trend der Spread-Kompression bedeutet, dass IG auf relativer Basis interessant bleibt, insbesondere in Europa, so die Experten von State Street Global Advisors. Strategien, die darauf abzielen würden, durch Investitionen in Staatsanleihen der Peripherie Renditen zu erzielen, könnten sich zum Beispiel erledigt haben. Der 5-jährige italienische BTP habe im Durchschnitt 25 Basispunkte mehr als die Rendite des Bloomberg Barclays Euro Aggregate Corporates Index erbracht; nach der jüngsten Verengung der Spreads würden 5-jährige BTPs jetzt jedoch 35 Basispunkte über dem Corporate Index gehandelt.

- Noch etwas Potenzial für Gewinne. Die Sektorrotation könnte das Potenzial für eine weitere Verengung der Spreads bieten. Insbesondere die zyklischen Konsumgüter und der Energiesektor seien hinter der Performance der meisten anderen Sektoren zurückgeblieben. Wenn der Impfstoff wirklich die Wunderwaffe sei und signalisiere, dass das Jahr 2021 eine Rückkehr zu einem normaleren wirtschaftlichen Umfeld bringen werde, dann könnten diese Sektoren aufholen.

Während IG-Anleiherenditen also wahrscheinlich nicht mit denen der letzten sechs Monate mithalten könnten, sollte die Anlageklasse als relativ stabiler Vermögenswert fungieren, der eine positive Rendite aufweise und nach Meinung der Experten von State Street Global Advisors bis 2021 ein gewisses Renditepotenzial nach oben behalte.

Die Zuflüsse und Bestandsdaten in unserem Q4 Bond Compass deuten darauf hin, dass die Anleger zu Beginn des 4. Quartals bereits in IG-Anleihen übergewichtet waren, so die Experten von State Street Global Advisors. Dies könnte die Anleger daran hindern, ihre Bestände aufzustocken, und bedeute, dass es sich als vorteilhaft erweisen könnte, sich auf Bereiche zu konzentrieren, in denen die Zuflüsse nach Meinung der Experten anhalten würden: IESG-Anleihen.

Der Fokus auf ESG sei 2020 signifikant gewesen, wobei unglaubliche 83% der Zuflüsse in Euro-IG-Anleihe-ETFs laut Morningstar-Daten in Fonds mit ESG-Screening geflossen seien. Man habe nur 12% der Zuflüsse für die entsprechenden US-IG-Corporate-Fonds und 19% für GBP gesehen, was bedeute, dass es für diese Märkte Raum zum Aufholen gebe. Für das Jahr 2021 erwarte man eine ESG-freundlichere Agenda des Weißen Hauses und eine zunehmende Regulierung in Europa, sodass man davon ausgehe, dass der Trend zu ESG-Investitionen anhalten werde.

Ein zunehmender Investitionsfluss in ESG-konforme Anlagen könnte dazu führen, dass diese Anlagen beginnen würden, ihre Vergleichsgruppen zu übertreffen. Dies lege nahe, dass ein Best-in-Class-Ansatz (bei dem sich die Fonds auf die Emittenten mit den höchsten ESG-Bewertungen konzentrieren würden) bevorzugt werden sollte, wie er für die Bloomberg SASB Corporate ESG Ex-Controversies Select-Indices gewählt worden sei. Diese Indices seien so optimiert, dass ihre Eigenschaften in Richtung ihrer Mutterindices zurückgedrängt würden, und könnten somit als Baustein für ein Anleihenportfolio verwendet werden. (16.12.2020/alc/a/a)